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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1849-11-19 · Heft 47 (19.11.1849) · p. Seite 679

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
13 (1849)
Issue
Heft 47 (19.11.1849)
Date
1849-11-19
Page
Seite 679 (sequence 15)
Language
German
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679 seines Neffen, indem er noch den Spruch hauchte: Sch'ma Israel Adonay Elohenu Adonay Aechad! *). Nethanel weinte und seine Söhne klagten jammernd über den Tod des geliebten Greises, uud auch ihre Mutter, welche sich am Tage der Gefahr thätig zeigte, indem sie dem Gatten und den Söhnen die Steine reichte, trat zur Gruppe hin und trauerte mit den Klagenden. Sie wollte die üblichen Sterbegebete sprechen; da hörten sie aber die weithin schallende Stimme Landau's, dessen Wohnung nur durch eine dünne Bceterwand getrennt war. Mah thizak etai? rief er, dabber ael b'ne-Jisrael w'jisau Harem aeth^matt'cha un'teh aerh jad'cha!* 2) So wurde ihr Kummer von dem Selbsterhaltungstriebe zurückgedrängt, und sie setzten mit einem ihnen selbst unerklärbar gewesenen Muthe die Vectheidigung fort. Neunmal stürmten die Barbaren in den zwei Tagen gegen das Haus, und neunmal wurden sie zurückgeschtagen, denn das Haus war dicht besetzt von Menschen, die, aus ihrer Ruhe aufgeschreckt, ihre schlummernden Kräfte aufrütteltm und vereinigten, um das gemeinschaftliche Verderben abzuwenden. Die Stadt bot einen schrecklichen Anblick dar. Auf den engen Gassen lagen die Soldaten mit zerschmetterten Hirnschädeln oder mit blutenden Beulen und Wunden. In den Stuben und Kammern lagen fünfhundert Israeliten3), Greise und Kinder, Männer und Frauen, Jünglinge und Mädchen, todt oder schwer verwundet. Zerschlagen waren die Fenster, abgebrochen die Oefen, zertrümmert die Thüren,Tische und Banke, die Kasten und Truhen erbrochen und die Habseligkeiten geplündert. Jetzt erst empfanden sie den Verlust, denn die Gefühle waren von der beständigen Sorge und körperlichen Anstrengung unterdrückt worden. Aber es war gekommen der Vorabend des Sabbattages, und die stillgewordene Nacht verlieh ihnen Ruhe; nicht wollten sie mit thranenden Augen dem Gotte der Väter das große Unglück klagen, das ihnen von ruchlosen Menschen bereitet worden ist, weil sie durch den Kummer den heiligen Tag entweiht hatten, nein! sie erhoben sich freudig im Gebete zu dem Höchsten, dankend und lobend für den *) Höre Israel, Adonay ist unser Gott, Adonay ist einzig. 5 Mos. 6, 4. 2) Was schreiest du zu mir? Sage den Kindern Israels, daß sie weiter ziehen sollen; du aber erhebe deinen Stab und neige deine Hand. 2 Mos. 14, 15. 3) Geschichtliche Thatsache. Schutz, den er dem Reste Israels habe angedeihen lassen, und bittend um fernem Beistand. Und er erhörte ihre Stimme des Weinens, und sandte den Schlaf, den sie seit zwei Tagen und Nachten entbehrt hatten, in ihre Augen, daß sie im süßen Traume vergessen konnten ihr großes Elend, das sie getroffen, und das sie beim Erwachen bald wieder erreichen sollte. Acht Tage waren sie beschäftigt, ihre Tobten zu begraben, und die Hauser wieder bewohnbar zu machen. Auch Hirsch war begraben. Er war vernachlässigt worden. Ein hinzugetretenes Wundsieber endigte sein ruheloses Leben unter gräßlichen Schmerzen. Man übergab ihn der Anatomie. Nethanel aber verwandte alle seine Mittel zum Auskaufe des Leichnams, damit er nicht sezict und geschändet zur Erde bestattet werde. Allgemeine Trauer und Klage herrschte an den Weihetagen, die sonst mit Spiel, Gesang und Musik gefeiert wurden. Am Fenster standen die Weihelichter und erhellten die Nacht mit ihrem hellen Schimmer, zur Verkündigung des Wunders, welches der Gott Israels zur Zeit der Makkabäer gethan, nachdem sie heldenmüthig die Feinde besiegt und den entweihten Tempel wieder geheiligt hatten. Auf den Fußschemeln aber standen Oelgläser mit düster brennenden Seelenlichtem, zur Erinnerung an die grausam Ermordeten. Die Lichter wurden aber verdunkelt von dem Schmerze, der in den Augen brannte. Der Schmerz aber wurde immer größer und heftiger, denn mit dem Schmerze über die Vergangenheit verband sich die Sorge um die Zukunft. (Fortsetzung folgt.) Anzeiger. In demselben werden Annoncen aller Art gegen 1*/4 Ngr. (1 gGr.) Gebühren für die gespaltene Serle aus Petitschrift oder deren Raum sowie literarische, merkantile u. a. Beilagen ausgenommen. Die Berlagshandlung. Der Hierselbst verstorbene Kaufmann Herr Jsane Znller Cohn legirte ein Kapital von 10,000 Thlr., welches beziehungsweise auf 12,000 Thlr. erhöht wird, dessen Zinsen nebst freier Amtswohnung einem jüdischen Gelehrten gewährt werden sollen, der das 40ste Lebensjahr schon erreicht und seine Rabbinatsfahigkeit vor drei Rabbinatsgerichten (Besdin, mit denen wir wirklich fungirende Rabbiner gleich stellen zu können glauben) bescheinigt beizubringen im Stande ist. Die Auswahl steht dem Unterzeichneten Gemeinde-

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