Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 13 (1849)
- Issue
- Heft 44 (29.10.1849)
- Date
- 1849-10-29
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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XDI. Jahrgang, No. 44. Allgemeine Zeitung -es Zudenthmns. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Redakteur Dr. Ludwig Philipps»«, Rabbiner zu Magdeburg. Verlag von Baumgärtners Buchhandlung' zu Leipzig. Leipzig, den 29, Oktober 1849. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Montags, und wird jährlich S6 Bogen in Quart inkl. des Titels, Registers u. s.w. umfassen. Zn Gemäßheit des Zweckes derselben die allgemeinste Verbreitung zu geben, ist der Preis äußerst niedrig: mit 3 Thlr. für den Jahrgang; — 1 Thlr. 15 Ngr. (1 Thlr. 12 gGr.) für sechs Monate — 22z. Ngr. (18 gGr.) für das Vierteljahr angesetzt worden. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zeitungs-Expeditionen nehmen Bestellungen an; der Hauptspedition für beide Letztere hat sich die königl. sächs. Zeitungs-Expedition allhier unterzogen. Inhalt. Leitender Artikel: Die Juden in der jüngsten Vergangenheit. Zeitungsnachricktenr Deutschland: Hamburg, Berlin, Hechingen, Bernburg, aus dem Nassauischen, Frankfurt am Main. Oesterreichisch er Kaiserstaat: Leipzig, Ofen. Italien: Rom (Schluß), Turin. Frankreich: Paris. Abhandlungen verschiedenen Inhalts: Reorganisation des Gemeindewesens (Schluß). — Rabbinische Sprüchwörter (Fortsetzung). Belletristisches: Prag vor hundert Jahren. Erzählung von Dr. Samuel Mayer. Leitender Artikel. Magdeburg, 21. Oktober. Die Juden in der jüngsten Vergangenheit. Wir sind jetzt bereits von der Leidenschaftlichkeit der politischen Bewegungen und Erschütterungen wieder so weit entfernt, um unparteiisch die Resultate der beiden letzten Jahre zu ermessen, und allgemeine Urtheile daraus zu ziehen. Es wird für uns da eine sehr interessante Frage sein; wie haben sich im Allgemeinen die Juden in dieser Zeit dargestellt? Es versteht sich von selbst, daß wir hier von allen einzelnen Thatsachen absehen; es versteht sich von selbst, daß wir hier von dem Standpunkte der verschiedenen Parteien und Prinzipien abstrahiren, und eben nur die allgemeine Anschauung zu gewinnen suchen. Die zum Ueberdruß gegen die Juden von gewisser Seite geschleuderten Vorwürfe, daß die Juden auf demokratischer Seite ständen, sehen wir als überlebt an, da ja zur Zeit, als die demokratische Partei noch mehr in Kraft war, es an den entgegengesetzten Urtheilen nicht fehlte, und Thatsachen genug dagegen sprechen. Nein, wir wollen vom höhern, allgemeinen Gesichtspunkte aus unfern Blick umherwenden. Das ist uns vor Allem klar geworden, daß die Welt noch lange nicht verlernthat, dieJuden als eine gesonderte Masse zu betrachten. Im ersten Aufschwünge konnte man vermuthen, daß die Zeit gekommen sei, wo man in politischer Beziehung die Juden als Solche gar nicht nennen, gar nicht hervorheben hören werde. Aber diese Zeit ging eben, wie der erste Aufschwung, schnell vorüber. Bald wurden sie wieder getrennt, gesondert, geschieden in Betracht genommen; man sprach wieder von Juden, als einer besondern Partei, von Geist, Richtung, Charakter, Interessen der Juden. Aller Eifer der Juden, sich eben nur als Theilnehmer an der allgemeinen Bewegung, am allgemeinen Kampfe zu gericen, nur das allgemeine Interesse vor Augen zu haben, und ein gesondertes gar nicht zu kennen, ja, wenn es vorhanden gewesen wäre, es hintenanzusetzen, half Nichts. Gerade was die Juden aus aller Besonderheit herausgetreten erweisen mußte, daß sie nach erlangter Emanzipation sich nicht etwa befriedigt in's Schneckenhaus des müssigen Zuschauens zurückzogen, machte man ihnen, und wiederum als Juden zum Vorwurf. Vergebens konnte man Heroen aus jüdischem Blute in allen Parteien, namentlich auch in der ge-