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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1849-10-15 · Heft 42 (15.10.1849) · p. Seite 603

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
13 (1849)
Issue
Heft 42 (15.10.1849)
Date
1849-10-15
Page
Seite 603 (sequence 15)
Language
German
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603 in das Leben, durch die Unbefangenheit und Naivetat der Betrachtung und Beobachtung, da die alten Lehrer von der Verworrenheit des griechischen und römischen Lebens, von der politischen und Luxussphäre fern geblieben, als auch durch das Schlagende und Auspragende der Form. Das Sprüchwort hat das Eigenthümliche dem Inhalte nach: die Erfahrung am Einzelnen zu einer Allgemeinheit zu erheben, es muß daher in ihm das Einzelne zu erblicken und doch die Allgemeinheit geltend gemacht sein; der Form nach: zutreffend und besonders zu sein, wo dann, wenn Kürze und Gleichklang der Worte vorhanden, Inhalt und Form sich befriedigend verschmelzen. Hierdurch unterscheidet es sich von der bloßen Sentenz, die einen Allgemeinsatz allgemein und schön darstellen will. Viele talmudische Sprüchwörter prägen dies in vollendeter Weise aus. Wir haben nun vor, im Folgenden von Zeit zu Zeit über gewisse Gegenstände die vorzüglichsten talmudischen Sprüche zusammenzustellen, um die Anschauung über den bestimmten Gegenstand, wie sie in den Talmudisten lebte, klar zu machen. Es gilt hier also weder eine Sammlung, noch ein Zusammenstellen Aller, als vielmehr die talmudische Ansicht über gewisse Gegenstände an den Sprüchen erläuternd an's Licht zu stellen; wobei wir wiederum nicht sowol die Gelehrten, als das allgemeine Publikum im Auge haben. Wir benutzen hierzu die vorhandenen Materialien. I. Ueber die Besitzlosen. Wir besitzen talmudische Aussprüche, welche zeigen, daß die große Frage, welche unsre Zeit so sehr in Anspruch nimmt, der Zustand der besitzlosen Klassen, auch jenen, weit hinter uns liegenden Zeiten nicht fern lag, ja daß eine Einsicht in denselben vorhanden war, die jetzt erst mühsam errungen wird. Wir stellen hier an die Spitze einen Ausspruch, der ebenso schön wie schlagend ist, eine wahre- Perle, über die sich Bücher schreiben ließe, ja die als Motto an den Kopf aller sozialistischen Arbeiten gesetzt werden könnte. Lada datra 146. 1. und oster .mb^b qm ktö p twi w br> .ix6 bxa NI27272 1)2 tPW b2w2 .nwbb i?2-,b tnm „Alle Tage des Besitzlosen sind schlimm (Spr. Sat. 15, 15.), Ben Sira sagt: auch die Nächte. In der Tiefe der Dächer liegt sein Dach, vom Regen der Dächer träuft's auf sein Dach; auf der Hohe der Berge liegt sein Weinberg, seines Weinbergs Erdreich rollt auf die anderen Weinberge." Der Satz enthalt Zweifaches: erstens vom Schlimmen fallt das Schlimmste auf die Schultern der besitzlosen Klassen, zweitens das Beste, was die besitzlosen Klaffen erarbeiten, fällt in die Hände der Besitzendem Ueber die Wahrheit dieser Sätze sind die Nationalökonomen selbst der älteren Schulen nicht zweifelhaft, nur das sie es eben für unzertrennlich von den Verhältnissen der menschlichen Gesellschaft ansehen. Und freilich haben die Theorieen, welche die Sozialisten dagegen aufstellten, auch Nichts weiter gethan, als zu zeigen, daß ein Hilfsmittel dagegen noch nicht gefunden ist. Man braucht nicht darauf hinzusehen, daß die Besitzlosen schon an und für sich Entbehrung und Mangel aller Art zu erleiden haben, sondern man kann sagen, daß die günstigen Resultate der Zivilisation den Besitzenden, die ungünstigen den Besitzlosen anheimfallen. Nennt man doch z. B. jetzt die 6holera vorzugsweise die Krankheit des Proletariats, und fordern alle Epidemieen ihre, nicht blos der Zahl, sondern auch dem Verhaltniß nach meisten Opfer in den besitzlosen Klassen — sehr* natürlich. Wenn Handelskrisen, Verkehrsstockungen eintceten, wenn Mißwachs, Theuerung stattfindet, auf wessen Dach rollet der Strom am meisten nieder, wenn nicht aus das der Hütten? Andrerseits ist es von alteren Nationalökonomen schon erwiesen, daß die Steuern und Staatslasten am Meisten auf den Schultern der arbeitenden, besitzlosen Klassen ruhen. Es liegt dies in der Natur der Dinge. Man braucht dabei nicht allein an die indirekte Besteuerung der nothwendigsten Bedürfnisse zu denken; selbst eine Einkommensteuer wird bald aus den Säckeln jener entrichtet, da nothwendig im Verkehr die Arbeitslöhne sinken, wenn die Kapitalien belastet sind. Es macht sich, dies, ohne Schuld der Personen, ganz von selbst. Endlich weiß man, daß das Kapital im Verhältniß zur bloßen Arbeit in so großem Wortheil steht, daß der meiste Ertrag der Arbeit dem Kapital werden muß. Man sieht aus dem obigen talmudischen Spruche, daß diese Verhältnisse schon von Sirach durchschaut worden — daß sie aber also auch schon damals vorhanden waren. (Fortsetzung folgt.)

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