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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1849-10-08 · Heft 41 (8.10.1849) · p. Seite 587

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
13 (1849)
Issue
Heft 41 (8.10.1849)
Date
1849-10-08
Page
Seite 587 (sequence 15)
Language
German
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587 Kulusreform. Aus dem Herzogthum Nassau. DasBezirksrabbinat Langenschwalbach hat auf den bevorstehenden Versöhnungstag nachstehendes Zirkulärschreiben erlaffen, deffen Zweckmäßigkeit für viele israelitische Kultusgemeinden — namentlich auf dem Lande— einleuchten dürste: Das Bezirksrabbinat Langenschwalbach an den löblichen Vorstand und den Herrn Religionslehrer in der israelitischen Kultusgemeinde zu Nastätten, das Eröffnungsgebet am Vorabend des großen Versöhnungsfestes im öffentlichen Gottesdienst betreffend. Auf das bevorstehende Vecsöhnungsfest sehen wir uns veranlaßt, Sie auf eine frühere Anordnung — wonach die sogenannte Kol-nidre-Formel beim öffentlichen Gottesdienste auszulassen ist — wiederholt aufmerksam zu machen. Eine Formel, gegen deren Aufnahme im öffentlichen Gottesdienste unsere ältesten Religionsgelehrten (wie die Gaonäer s. Tur-Orach-Chajim §. 619) nicht minder als die berühmtesten Rabbinen unserer Zeit mit Recht eiferten; eine so unwichtige Formel, welche einerseits dem zerstreuten Zudenthume — wenngleich unverdient — so viele Verfolgungen zugezogen, und andrerseits auch Mißverständnisse zu erzeugen geeignet ist, verdient wahrlich in unseren Tagen so wenig eine Berücksichtigung, als die in den grausamen Zeiten des Mittelalters entstandenen Sulot-Gebete. Da jedoch diese nichtssagende Formel — als der erste synagogale Vortrag am Versöhnungsfeste — von jeher mit einer rührenden Melodie vorgetragen wurde, die man liebgewonnen, und darum nicht gerne vermisset, so haben wir die passendsten Bibelsprüche zu einem Eröffnungsgebete für diesen heiligen Tag ausgewählt und ebenfalls in drei Abtheilungen zusammengefaßt; welche füglich in jener Melodie vorgetragen werden können, und deren Inhalt die Anforderungen der verschiedenen Parteien im Judenthum befriedigen dürfte. Für den angehenden Religionstehrer und geübten Vorsänger haben wir überdies bei der ersten Spruchabtheilung die Melodie nach Noten und Ziffern beifügen lassen, wonach der melodische Vortrag um so leichter einzuüben ist. Somit erwartet, daß Sie dieser zeitgemäßen gottesdienstlichen Anordnung des Rabbinats vorschriftsmäßig Nachkommen werden. Ihr ergebener vr. Hochstädter, Bezirksrabbiner. Langenschwalbach, 9. September 1849. Anmerkung. Jenen israelitischen Kultusgemeinden, welche an der Stelle des ehemaligen Kol-nidre ein deutsches Eröffnungslied wünschen, ist die schöne Dichtung: „O Tag des Herrn" (vom Herrn Rabbiner vr. Stein zu Frankfurt a. M.) von Seiten des Bezirksrabbinates empfohlen worden. Nur daß die wenigsten Landgemeindey für eine solche Reform schon empfänglich find. L. Biblisches Eröffnungsgebet *) für das Versöhnungsfest (an der Stelle des Kol-nidre und nach deffen Melodie). I. (Die Noten gehen von der rechten zur linken Seite.) (8o1o E mol) -1 IM“-* " i J 1 i KM--? 1 5 -7~W - r~T-=¥ —d -J - d k y <=#■ (Ps. 66, 4.) fna-r-'i n b irrt-n - t - N-fi bs r r *) Gründe der Auswahl. Zuerst ist vom Gottesreiche die Rede, welches dereinst auf Erden b2) gegründet werde; dann von der Familie Jakobs (2p^ ma), die zu diesem Zwecke berufen wurde; endlich von der andächtigen Festversammlung, die vom Allgütigen die Erhörung ihrer Gebete (iibsn Vniw) erwartete. — Ebenso ist der Zusammenhang der Einanderreihung leicht zu erkennen. Wir eröffnen den andächtigen Gesang (i^»rn) in dieser Festnacht (i-ib^ba) und vertrauen dabei der Gnade (avn) Gottes. Wir suchen Erleuchtung ('N *iw) und beugen (M^iDi) uns vor Gott, da wir jetzt eine Ueberschau unsers Lebenswandels (’tfa'-n) hatten. Der die Bitte aller Kreaturen (iiaa) erhört, wird auch uns verzeihen (a^isan) und vergeben (nfibcn) seiner Gemeinde Israel; an welchen Schlußsatz sich dann die mosaische Versöhnungsverheißung (nbv2i) paffend anschließt.

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