Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 13 (1849)
- Issue
- Heft 40 (1.10.1849)
- Date
- 1849-10-01
- Page
- Seite 558 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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558 ffflit der strengen Lauschecmiene, Ob ein Luftzug, ob ein Schall Nicht die stürzende Lauwine Plötzlich niederjagt zu Thal? Wie den Fuß er vorwärts stellt. Prüfend, ob der Boden hält, Oder ob er krachend bricht Ueber'm Abgrund, dem verdeckten. Eil'! es schwind't des Tages Licht, Und die Schatten längst sich streckten — Doch er hemmt besorgt die Schritte, Späht nach einer Sennerhütte, Daß er drinnen übernachte, Bis des Morgens Strahl erwachte... Siehe! doch die Menschheit, willst Du, Soll im Sturm die Gletscherhöhe Rasch ersteigen — ob sie jähe In den Abgrund stürz' — was fühlst Du? Ob die stürzenden Lauwinen In dem Sturmesflug, dem kühnen, Sie mit ew'gem Eis bedecken — Davor wirst Du nicht erschrecken —* Ob aus starren Eisesmatten Sie verhüllt der finstre Schatten Einer langen, langen Nacht — Ja, auch das hast Du bedacht? „Ja, auf Einen Würfel stellen Soll die Menschheit all ihr Heil — Hoch in's Licht! Tief in die Höllen! Eines sei und schnell ihr Theil!"- Leg' Dich an der Menschheit Busen schweigsam, Ja, Du bist ihr Sohn! Wie sie Dich im Arm gefaßt hält neigsam, Dir zum Liebeslohn! Spricht: ich kenne Deines Geistes Wehen, Deines Herzens Gluth; Laß den Sturm in Dir zu Ende gehen, Bis er schweigt und ruht. Weit sie Alle sind von meinen Söhnen, Sie selbst, die mit Haß Mich verfolgen und mit Hohn verhöhnen, Mit des Geifers Naß Mich beschmutzen, und die Fesseln schmieden Um der Mutter Arm — Ist der Kampf, der große, mir beschieden Und ein langer Harm; Meine Wege muß ich still erwägen, Prüfend geh'n nach vorn, Mühsam wandl' ich auf den steilen Stegen, Ach! im Fuß den Dorn. 19. „Versöhnung! Wie da Herzen schlagen Zu Herzen hingetragen, Hingerissen Im Wissen Der Einigung, Der Reinigung, Der Läuterung Und Geisteserweiterung; Wie sich da die Hände fassen Zum Nimmerwiederlassen z Eine Wolke Senket sich nieder zum Volke, Rosig von Frieden, Die verbindet Und umwindet Was feindlich geschieden; Eine Sonne Strahlet auf Alle, Und vom Schalle trunkner Wonne Hallet Eine Lust, Und der Haß Sinkt fürbaß In die Gruft Der Vergessenheit, Geschlichtet ist der Streit. Darum bieten Wir die Hände; . Machet ein Ende Eurem unvernünftigen Wüthen, Wir wollen vergessen, Was vermessen Ihr geübt, Wir, die wir stets geliebt, Rufen: Versöhnung!"... Rufet: Versöhnung! Und was stellt Ihr für Bedingen, Daß Versöhnung soll gelingen?