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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1849-09-17 · Heft 38 (17.9.1849) · p. Seite 531

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
13 (1849)
Issue
Heft 38 (17.9.1849)
Date
1849-09-17
Page
Seite 531 (sequence 3)
Language
German
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531 Einzubannen — Einmal riß der Strom des Lebens Uns von dannm, Und vergebens Willst Du Dich kn Deine Kreise Daraus retten alter Weise! Rede nur die weise Lehre Mit dem altersklugen Blick — Kan» der Tropfen aus dem Meere Zn des Bächleins Bett zurück? Festgesogrn An der Menschheit Muttetbrust, Hat mein Geist aus ihr gezogen Seine Kraft und seine Lust; Festgewunden Um der Menschheit Eichenstamm, Bis ich einst geschwunden; Um der Menschheit Felsenkamm Spielt mein Leben als die weiche Welle, Bis fie da verbrande und zerschelle! (Werden fortgesetzt.) Leitender Artikel. (Eingesandt.) Gin Gespräch in dem Salon eines GasthofeS. Baron. Verzeihen Sie, ich höre Sie Herrn S. nennen, ist der Herr vr. S. in K. Ihr Bruder? S. Allerdings. B. So freut es mich sehr, Ihre Bekanntschaft zu machen. Zck habe früher vor Ihrem Bruder stets eine besondere Hochschätzung gehegt. Aber er ist, wie ich höre, und wie ich voraussetzen kann, da er Jude ist, Demokrat, eifriger Demokrat, und da mußte ich den Respekt aufgeben. S. DaS wird meinem Bruder sehr leid thun; insonderS um Ihretwillen, da er es bedauerlich finden muß, daß Sie jeden Demokraten Ihrer Achtung unwürdig finden. B. Nun, Sie hätten diese Herren etwas in der Nähe kennen lernen muffen, z. B. in Berlin im vorigen Jahre, um dies sehr begreiflich zu finden. Wenn man von irgend einer Farbe ein Paar Subjekten begegnet, die Einem auch als Gegner nur verächtlich erscheinen können — wie soll man da die Achtung behalten? S. Nun, mein Herr, das kann und wird Einem auf jeder Seite begegnen, man hat dann eben das Unglück, nicht auf edlere Träger einer politischen Meinung zu stoßen. Ueörigens scheinen Sie Demokratie und Ochlokratie, Volks- und Pöbelherrschaft nicht zu unterscheiden, und daß Sie dann auch die Demokratie nicht würdigen können, ist natürlich. B. Ach, das ist Alles gut, aber die Geschichte sagt uns, und wir haben es selbst erlebt, daß die Demokratie stets zur Pöbelherrschaft führt, zur rohen, wilden Herrschaft der ungezügelten Masse, der, vom ersten, besten herrschsüchtigen Redner verführten Masse. Nun, wa« soll mir ein kurzer Uebergang, der, sei er noch so gut gemeint, in's Verderben führt? S. Sie bauen auf Voraussetzungen, Herr Baron; mit der wahren, geregelten Demokratie ist es eigentlich in der Geschichte noch nie versucht worden. Sie hat in der alten Welt nie das Glück gehabt, geschichtlich herauszuwachsen, und so auf dauernde Weise ihren Inhalt zu entwickeln, wie alle anderen Staatsformen; fie ist immer als Gegensatz zu den bestehenden Mächten erstanden, und in diesem Kampfe entweder gleich erstickt, oder in die Arme der Ochlokratie geworfen worden. Daß aber die Demokratie, als geregelte und gesetzliche Staatsform, doch rin Tüchtiges zu produziren vermag, zeigen die nordamerikanischen Staaten. Jndeß, ich sage dies Alles nicht, um einen Disput über den Werth oder Unwerth der Demokratie zu führen, sondern nur um Ihnen zu zeigen, daß man eine Aechtung gegen eine große Meinung nicht in Bausch und Bogen schleudern dürfe. B. Wie so kömmt es aber, mein Herr, daß fast alle Juden der Demokratie angehören, und nicht wenige sich auch von der schlimmsten Seite derselben nicht entfernt hielten? Ich muß gestehen, daß ich recht viel von den Juden hielt, daß aber diese Erfahrung mich gänzlich von ihnen zurückgeschreckt hat. S. Ich kann Ihnen dieses Faktum, so hingestellt, nicht zugeben. Die große Bewegung, die im vorigen Jahre vor sich ging, hatte die Juden allerdings von dem Standpunkte der Erniedrigung, auf dem jene fie fand, erhoben, und fie daher hingerissen. Aber die schweren materiellen Folgen mußten eine große Zahl derselben so treffen, daß auch sie vielfach sich zurückzogen, und entweder in's Lager der Gegner übergingen, oder gewissermaßen eine neutrale Stellung einnahmen. So erging

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