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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1849-09-03 · Heft 36 (3.9.1849) · p. Seite 502

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
13 (1849)
Issue
Heft 36 (3.9.1849)
Date
1849-09-03
Page
Seite 502 (sequence 2)
Language
German
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502 6. Zweifler! weil Du nicht am Mutterbusen Der Vollendung liegst; Weil Du Dich in schwelgerischem Hoffen Selbstverkennend trügst; Weit Du nicht im Streben Dein Erfüllen, Deine Freude fühlst, Und, den Preis der Mühsal schnöd' verschmähend, Im Genüsse wühlst; Weil Dir nicht des schnell Vollbrachten Krone Auf dem Haupt schnell prangt, Und sofort die Welt nicht knieebeugend Thut, was Du verlangt; Weil sie fort und fort in sicherm Gange Ihr Schritte mißt, Niemals rückeschreitend, niemals stürmend Sich nicht selbst vergißt — Darum schlägst Du grimmig an die Stirne, Grollend an die Brust, Leugnest frech den lenkenden Gedanken, Ewig sein bewußt.... Nicht den Siegern reichet er die Kranze, Ueberwundnen nicht. Beide achtend, und doch beid' verlassend, Waltet sein Gericht: Bis aus tausend weitzerstreuten Strahlen Er vereint das Licht. 7. Alles ist zu Schanden worden in unsrer Zeit: Des Alters Ehrwürdigkeit, Der Jugend Frohsinnigkeit, Des Reichen Reichthum, Des Helden Waffenruhm, Des Armen Armuth — Es ist Nichts mehr gut. Alles ist worden zum Fluche — Aber was im übelsten Gerüche, Das ist die Weisheit. Zum Greise sprechen sie: kümmr' Dich allein um Deine Krücken; Zum Jüngling: Du willst Nichts, als Dir soll es glücken; Zum Reichen: Du hast uns unfern Honig genommen; Zum Armen: kehr'zum Schmutze, woher Du gekommen; Den Helden veracht't man: Du bist ein roher Kämpe! Den Weisen verlacht man: Speise die Ochsen mit Deiner Schlempe! Zu den Regierenden: Ihr Irreführenden! Zu den Regierten: Ihr Angeführten! Drängst Du Dich In des Marktes Gewühl, Senkst Du Dich In den einsamen Pfühl, Jenen kitzelt die Eitelkeit, Diesen scheuchet die Feigheit. Wer will konserviren: Hast Lust am Ruiniren! Wer will umgestalten: Stürz' in den Abgrund, wirst Dich nicht halten Wer in den Büchern der Vorzeit liefet, Hat sich den Zopf erkieset; Wer sich frei die Welt erbauet, Nebel schauet. Wehe! mir wird wirre! Mein Geist geht irre. Und die unendliche Last Zerdrückt das Herz mir fast.. . . Licht, Licht, Urquell des Lichts! Wif Du Dein „Werde" riefst in das Nichts, Zünde die Fackel, die neue, Aus des ewigen Aethers Bläue, Weck' ihn, den Geist, Der die Wolken zerreißt. Der die Geister bannt, Und an des Absturzes Rand Oeffnet zu friedlichen Auen den Pfad — — Herr, send' uns Deinen Rath! 8. O, ich kann noch genießen! Fre8denwellen fließen Noch in die klopfenden Adern — Bleibe mir fern, Streiten und Hadern! Sieh meinen Forst, meinen Hain von Tannen, O, mein Bachlein, hüpfend von dannen. Meine Berge, so hoch, so golden. Meine Thäler, die grünen, die holden,

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