Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 13 (1849)
- Issue
- Heft 34 (20.8.1849)
- Date
- 1849-08-20
- Page
- Seite 488 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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488 Sara erinnert sich des Elixirs, das ihm so nützlich gewesen war; sie giebt ihm einige Tropfen, aber, ach, umsonst. Sie schellt nach den Dienern, alle Beide schreien nach Hilfe; man kommt, man sucht einen Arzt. Aber Alles war aus; der herrliche Staszic hatte seine irdische Laufbahn vollendet. Wer könnte die Verzweiflung des jungen Juden malen? Er war wikdererwachr zum Leben; jedes Wort des Greises gab ihm Hoffnung, cröffnete ihm ein Paradies; er begann schon seinen Kopf zu erheben wie ein ehrenhafter Arbeiter, der von seiner Arbeit lebt und stolz auf sein Werk ist. Nun aber, als er sich überzeugte, daß der edle Mann gestorben sei, als ec versichert war, daß die Seele den Körper verlassen habe, und daß er Nichts mehr vor sich hatte, als einen Leichnam, so raufte er sich weinend die Haare aus, fluchend wie ein Wahnsinniger. Nein, nein, rief er, es giebt keinen Gott! Schweige, Unglücklicher! rief Sara. Sei ergeben, wie ich; lebe und hoffe! Moschele erblich vor Scham und Schmerz, und Beide sandten, die Augen gen Himmel gewandt, ein heißes Gebet zu Gott. Warschau erfuhr zu gleicher Zeit den Tod des Grasen Staszic und den Inhalt seines Testaments. Der Mann, welcher in Entbehrungen gelebt hatte, hinterließ der Akademie der Wissenschaften einen großartigen Palast, erbaute dem Kopernikus ein Denkmal und beschenkte die Bauern mit einer Strecke Landes, worauf 400 Familien frei athmen konnten. Ein Schrei der Bewunderung und der Begeisterung begleitete den großen Mann zur Ruhestätte. Die ganze christliche Bevölkerung erwies ihm die letzten Ehren. Zwei Israeliten wagten nicht, sich in den Leichenzug zu mischen, sie folgten ihm von ferne; es waren Sara und Moschele. Anzeiger. Zn demselben werden Annoncen aller Art gegen 1 V* Ngr. (1 gGr.) Gebühren für dis gespaltene Zeile aus Petitschrift oder deren Kaum sowie literarische, merkantile u. a. Beilagen ausgenommen. Die Verlagshandlung. Die Stelle eines Lehrers und Kantors bei der israelitischen Gemeinde in Jever — Großherzogthum Oldenburg — ist sofort oder im Herbste zu vergeben. Der Schachterdienst wird nicht damit verbunden. Gehalt: 200 Thaler Kourant nebst freier Wohnung und Beheizung. Gute Zeugnisse über tüchtige Seminarbildung, über sittliches und religiöses Betragen so wie einige musikalische Kenntnisse zur Leitung eines Chors sind Bedingungen der Anstellung. Gelegenheit zur Weiterbildung und zu Nebenverdiensten ist gegeben und auch Aussicht zur Fixirung der Stelle nach einem angemessenen Provisorium. Auf portofreie Anmeldungen ertheitt weitere Auskunft Landrabbiner Wechsler in Oldenburg. Wir beabsichtigen zum 1. Oktober l. I. einen jüdischen Predigeramtskandidaten (unverheirathet), welcher den Elementar- und Religionsunterricht zu ertheilen hat, auch gediegene Vortrage in der Synagoge zu halten im Stande ist, mit einem festen Einkommen von Thlr. 250 jährlich anzustellen, und bitten qualisizirte Personen, uns ihre Atteste frei einzusenden. Der Vorstand der jüd. Gemeinde zu Potsdam. Pensionat für Töchter gebildeten Standes. Denjenigen israelitischen Ettern, die für ihre Töchter eine sorgfältige Erziehung und beziehendlich Vorbereitung für ihren künftigen Beruf wünschen, wird in einem Pensionat in Dresden die vollkommenste Gelegenheit hierzu geboten, da eine wissenschaftlich gebildete Dame, einem achtbaren Hause angehörend, der bereits einige Töchter der angesehensten Familien zur Ausbildung anvertraut sind, noch mehrere junge Damen bei sich aufzunehmen wünscht. Darauf Reflektirende können das Nähere sowol bei der Vorsteherin des Pensionats, Fraul. Minna Meyer in Dresden erfahren, als auch die Herren Oberrabbiner Dr. Z. Frankel und der kgl. sächs. Hauptkollekteur S. G. Wallerstein daselbst, desfallsige Anfragen gern zu beantworten erbötig sind. Bem erkung. Es kommen uns jetzt viele Artikel über „Synagogengesang" zu, die aber durchaus nichts Neues besagen, sondern das schon oft Gesagte Wiederkauen, und zuletzt auf Nichts hinauslaufen, als auf das Herausstreichen der Erfolge des Verf. des Art. Wir können natürlich diese Art. nicht aufnehmen. Mögen dann aber die Herren Berf. nicht glauben, daß die Redaktion irgend parteiisch ist, und Himmel und Hölle in Bewegung setzen, um den Redakteur dessen zu zeihen. Es ist sehr oft nur die wahre Humanität, welche zu erreichen wir uns stets anstrebten, die uns abhält, solchen Gesellen, deren es aber nicht blos unter den Kantoren, sondern unter Rabbinen und Lehrern giebt, tüchtig auf die Finger zu klopfen. ' Die Redaktion. Druck von I. B. Hirschfeld in Leipzig.