Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1849-08-13 · Heft 33 (13.8.1849) · p. Seite 470

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
13 (1849)
Issue
Heft 33 (13.8.1849)
Date
1849-08-13
Page
Seite 470 (sequence 14)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3224737-3225606-3225640--10393-3240441
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

47» und dem Mechanismus im Denken und Thun ist Thür und Thor geöffnet/" Alle Lust mußte auf diese Weise dem israelitischen Lehrer entschwinden und es ist wahrlich zum Erstaunen, daß er dennoch einem gefesselten Prometheus gleich, an dessen Körper ein Adler nagte, seinen Geist aufrecht erhielt, durch dessen Streben er das Feuer der Wissenschaften vom Himmel holt, um die Menschen zu beglücken. So war es bis jetzt, so ist es noch. Der neuen Gesetzgebung sieht er deshalb mit anderen Hoffnungen entgegen, und er wird erst recht nützen können, wenn seine Anstellung eine definitive geworden. Der Staat gewährleistet ihm nach §. 23 der Verfassungsurkunde ein bestimmtes auskömmliches Gehalt, und damit hören auch die erniedrigenden Reihetische auf, wahrend die Ueberwachung der Schule in die Hände solcher Männer gelegt wird, die den Lehrer und die Lehranstalt zu beurtheilen, zu würdigen und zu schätzen wissen. Der wahre Schulmann freut sich alsdann mit Recht seines Berufes, und mit gewissenhaftem Eifer geht er an sein Tagewerk bis zum Abende seines Lebens. Bei Errichtung von Konfessionsschulen wird es nun natürlich besonders bei den vielen kleinen Gemeinden auf dem platten Lande, deren es besonders in der Rheinprovinz sehr viele giebt, erforderlich werden, mehrere Gemeinden zusammenzuziehen und Kreisschulen zu bilden, und werden wir spater, wenn diese unsere Eingabe eine hochgefällige Berücksichtigung gefunden haben wird, uns ertauben, deßfallsige Vorstellungen ganz ergebenst einzureichen, wie wir auch nicht verfehlen werden, durch Einrichtung solcher Stadt- und Kreiskonfessionsschulen auf die nothwendigeKonstituirung israelitischer Seminarien an verschiedenen Orten der Monarchie nach unserer schwachen Einsicht hinzudeuten. In dem schönen Bewußtsein aber, nur das vorgetragen zu haben, was dem Aufblühen des israelitischen Schulwesens förderlich sein kann, übergeben wir ehrfurchtsvoll diese Gedanken dem weisen Ermessen des hohen Staatsministeriums, und harren ihrer Erfüllung um so mehr mit Sehnsucht entgegen, als ein Pädagog über den hohen Werth der Schule sagt: „Das Leben bildet zwar Gemüth und Charakter nachdrucksvoller als es die Schule vermag, auch ohne sie kann die stille Beschauung zur selbstständigen Erkenntniß, der Verkehr mit der Welt und der darauf anregenden Umstande zur Tüchtigkeit im Handeln bringen; doch wenn die Einzelnen nicht als Zahlen in der Masse, sondern als freidenkende Menschen gelten, mit Ueberzeu- ' gung und Lust zum Gesammtwohl wirken sollen: so muß der Zugang zu Kenntnissen und Einsichten jeder Art ein Gemeingut Aller, auch des Niedrigsten und Minderbegabten sein — wie das Sonnenlicht/" Bemerkung der Redaktion. Wir sind aufgefordert, der Veröffentlichung obiger Denkschrift unsere Ansichten hinzuzufügen, und wollen wir uns dem nicht entziehen, wenn auch nur in aller Kürze. Wir sind mit allem dem, was der gesch. Abfasser der Denkschrift über die Stellung der jüdischen Lehrer sagt, vollständig einverstanden. Es versteht sich auch von selbst, daß, wenn der preußische Staat bei dem Prinzip der Konfessionsschulen verbleibt und die konfessionelle Volksschule aufrecht erhalt, mit aller Kraft auf die Erhaltung der bestehenden und die Errichtung neuer jüdischer Konfessionsschulen gedrungen werden muß. Wir haben auch schon früher wiederholt bemerkt,, daß jedenfalls unter lokalen Verhältnissen, namentlich in kleineren und mittleren Städten, die jüdische Schule sehr wünschenswerth sein kann, wenn nämlich die Ortsschule auf zu niedriger Stufe steht, und ihr Unterrichtskreis ein zu eng gezogener ist. Im Prinzips aber selbst sind wir durchaus gegen die Konfessionsschule, und hat die Denkschrift uns eines Andern nicht überzeugt. Die Gründe, welche die Denkschrift giebt, scheinen uns nicht stichhaltig. Dieselben beschränken sich darauf, 1) daß in allgemeinen Schulen gewisse Gegenstände ohne religiöse Färbung bleiben würden, welche dieser Letztem nicht entbehren könnten, z. B. die Weltgeschichte. Wäre dies der Fall, so müßten in Konsequenz nicht allein die Elementarschulen, sondern auch die Bürger-, Gewerbsschulen, die Gymnasien und selbst die Universitäten konfessionell getrennt sein. Allein wir können die Voraussetzung nicht einmal zugeben, da z. B. die Weltgeschichte doch sicher keine andere religiöse Färbung, zuläßt, als die, daß sie das Produkt der göttlichen Vorsehung ist, wobei das Konfessionelle bis aus wenige Partieen der Geschichte ganz wegfällt. Wird nicht gerade die Konfession die Weltgeschichte oft genug verfälschen? Bei allen anderen Unterrichtsgegenständen hat das Konfessionelle noch weniger Platz. Und dann, was hilft dieses ängstliche Abschließen in Bezug auf das Konfessionelle? Vermag der Religionsunterricht und die häusliche Erziehung nicht, wahre und innige Liebe zur I Konfession tief einzuprägen, um irgend einen Choc aus-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.