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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1849-08-06 · Heft 32 (6.8.1849) · p. Seite 455

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
13 (1849)
Issue
Heft 32 (6.8.1849)
Date
1849-08-06
Page
Seite 455 (sequence 15)
Language
German
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455 Lüge, sie müssen, beseitigt werden.— Nicht minder müssen die vielen Bußtage, welche an das Neujahr und den Versöhnungstag sich anlehnen, fallen; die Buße verliert an innerer intensiver Kraft, jemehr sie äußerlich sich ausdehnt, je extensiver sie wird. Gehen wir nunmehr zu den Sabbaten über. Die bestehende Einrichtung eines feierlichen Gottesdienstes am Abende beim Beginne und eines Hauptgottesdienstes am Morgen liegt in der Natur des Tages. Der Nachmittaggottesdienst hat einen gewissen feierlichen Charakter durch das Vorlesen desselben Toraabschnittes erhalten, der auch am darauf folgenden Montag und Donnerstag rezitirt wird. Diese Einrichtung hat offenbar auch ihren Grund darin, daß Viele, die gerade an diesem Sabbat in der Stadt waren, aber vielleicht am folgenden wie Mitten in der Woche dort zu erscheinen verhindert wurden, doch einen kleinen Ersatz erhalten sollten. Da dieser Grund nunmehr wegfällt, so ist auch.dieses Verlesen zu unterlassen, wie überhaupt die Mittheilungen aus der Tora nur auf die Hauptfeier zu beschränken und dadurch in der ihnen gebührenden Würde zu erhalten sind. Freilich dürfte für Gemeinden, in denen mehrere Lehrkräfte wirken, auch für andere, denen zwar solche fehlen, bei denen aber des Morgens Störungen Vorkommen, die des Nachmittags wegfallen, die Einrichtung eines feierlichen Nachmittag-Gottesdienstes sehr zeitgemäß sein, und es würden dazu die neuen deutschen Gebete und Gesänge, welche für den Morgengottesdienst anzufertigen sind, gleichfalls benützt werden können. Auch ausgezeichnete Sabbate kannte die frühere Zeit, und zwar besonders vier, welche dem Purim und Passa vorangehen. Mit dem Beginne des Adar sollte an die Beiträge (Schekalim) erinnert werden, was im Staatsleben seine Entschuldigung hat, bei uns unpassend ist, vor Purim wurde das Andenken an Amalek erwecket (Sachor), das bei uns erloschen bleiben mag, darauf wurde zur Reinigung (Para) und zu anderen. Vorbereitungen für das Peßachfest (ha-Cho de sch) aufgefordert, während Erstere in der Weise bei uns nicht mehr vollzogen wird, die Aufforderung zu Letzterm füglicher der Predigt überlassen bleiben möchte. Bei den Hauptfesten kommen zunächst die zweiten Tage in Betracht. Es wäre überflüssig, nochmals nachzuweisen, daß dieselben gar keine Anwendung mehr für unsere Zeit haben können und mehr störend als förderlich sind; es ist bereits an den verschiedensten Orten erschöpfend darüber verhandelt worden. Als Grundsatz für einen zeitgemäßen Gottesdienst muß gelten, daß der achte Tag des Peßach und der neunte Tag des Hüttenfestes alle Berechtigung einbüßen, der Letztere etwa blos dann den Charakter als Freudentag wegen der Vorlelesung des letzten Stückes aus der Tora an sich trage, wenn diese wirklich an ihm beendigt wird, also alle drei Jahre, der zweite Tag des Peßach- und des Hüttenfestes gehören allerdings zur Festwoche, sind jedoch gleichfalls der hohem Feier zu entkleiden; nur der zweite Tag des Neujahrs und des Wochenfestes stimmt mehr mir der allgemeinen Sitte überein, wonach wichtige Feste nicht blos auf einen Tag beschränkt werden und ihre Erschöpfung erst in einer Doppelfeier finden. Es mag in diesem Punkte überhaupt der langen Gewohnheit manche Nachsicht geschenkt und einer allmaligen Umbildung vertraut werden. Der Gottesdienst der Halbfeiertage oder Festwoche (Chol haM'oed), der Tage des Weihefestes (Chanukka) ist natürlich von dem der sonstigen Werktage wenig verschieden; von Vorlesen aus der Tora oder Mußaf kann nicht die Rede sein. Auch der siebente Tag des Hüttenfestes, der sogenannte Hoscha'na rabba verdient keine weitere Auszeichnung. Wenn ihn spätere mystische Grübelei zu einem Nachzügler des Versöhnungstages gemacht, so haben wir an diesem genug, ja wir müssen ihn von dem lästigen ihn kacrikirenden Doppelgänger befreien. — Einen eigenthümlichen Charakter hac der Gottesdienst des Versöhnungstages; er dauert ununterbrochen vom Morgen bis zum Abend. Es ist eine kühne Zumuthung an die menschliche Natur, in einer so feierlichen Stimmung einen ganzen Tag über ohne Ruhepunkt zu verharren, und es wird dieser Zumuthung schwerlich von irgend Einem im wahren Sinne genügt. Dennoch würde die Bedeutung des Tages sehr verlieren, wenn das Gotteshaus blos zu gewissen Stunden des Tages seine Pforten öffnete, wenn Pausen die Stimmung ganz verflüchteten, bleibt es ja dem Einzelnen immerhin überlassen, sich selbst solche Ruhepunkte zu wählen. An diesem Tage ist jedoch die Abwechselung um so nothwendiger, und kurzer deutscher Gottesdienst zwischen Schacharit und Mußaf, diesem und Mincha, diesem und Ne'ita wird noch manche unangemessene Stücke würdig ersetzen und dem Tage auch die Weihe für das Heranwachsende Geschlecht erhalten. (Fortsetzung folgt.)

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