Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 13 (1849)
- Issue
- Heft 32 (6.8.1849)
- Date
- 1849-08-06
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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XIII. Jahrgang. No. 32. Allgemeine Zeitung -es Zvdenthums. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Redakteur Dr. Ludwig Philippson, Rabbiner zu Diagdeburg. Verlag von Baumgärtners Buchhandlung zu Leipzig. Leipzig, den 6. August 1849. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Montags, und wird jährlich 9 6 Bogen in Quart inkl. des Titels, Registers u. s.w. umfassen. Zn Gemäßheit des Zweckes derselben die allgemeinste Verbreitung zu geben, ist der Preis äußerst niedrig: mit 3 Thlr. für den Jahrgang; — 1 Thlr. 15 Ngr. (1 Thlr. 12 gGr.) für sechs Monate — 22H Ngr. (18 gGr.) für das Vierteljahr angesetzt worden. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zeitungs-Expeditionen nehmen Bestellungen an; der Hauptspedition für beide Letztere hat sich die königl. sachs. Zeitungs-Expedition allhier unterzogen. Inhalt. Leitende Artikel r Israel und die Menschheit. Eine Tischen- Beab-Predigt. — Der Kampf um die Wahrung der Gleichstellung. Zeitungsnachrichten: Deutschland: Berlin, Siegburg, Krefeld, Hamburg (Fortsetzung). Ungarn: Wien. Rußland: Minsk, Minsk. Abhandlungen verschiedenen Inhalts: Kultusreform (Fortsetzung). Leitende Artikel. Magdeburg, 30. Juli. Israel und die Menschheit. Eine Tischea-Beab-Predigt. Des Tages, wo wir die Erinnerung an einen großen Fall, an einen auf viele Jahrhunderte hin entscheidende Wirkung habenden Sturz, an Zerstörung und Vernichtung im Herzen tragen, geziemet sich zuerst diesen Gedanken zu durchdenken. Es ist wol Niemand, der an einem Grabe unberührt vorübergeht, dem aus ihm nicht der Ruf entgegentönet: m» aVi 5-rm „Welcher Mann lebet, und schauet nicht den Tod?" (Ps. 89, 49.) Und wenn es nun das Grab eines der Seinigen ist, wenn darinnen liegen die sterblichen Ueberreste Eines, den er geliebt, verehrt, den er an seine Brust gedrückt, in seinem Arm gehalten — wie sollt' er da nicht weilen; und den Gedanken des Verlustes noch einmal durch seine Seele gehen lasten? Und Niemand ist, der in der Geschichte der Menschheit auf die große Gruft einer Nation stößt, wo sie hinabgestiegen in das Grab des Nichtseins, oder der Unfreiheit, der Knechtschaft, oder der Zersplitterung und Zerstreuung, Niemand, dem das Gefühl der Trauer da nicht überschleiche und des Grauens und des Wankens. Ha! wie viele Thatkrast mag da versunken sein, und wie viel Geist, und wie viel Leben, und wie viel Glück (ebender und wie vieles ungeborener Geschlechter! Und wenn es nun unsere eigene Nation ist, wenn wir auf den Trümmern der Größe und Selbstständigkeit unserer eigenen Nation stehen, wo ihre Werke zerschlagen, ihre Bauten zertrümmert, ihre Tempel geschändet wurden. . . . Wohl uns, wenn wir da sagen können: ihr Untergang war noch ein großer, ein Abend voll Sturms und Wetters, ein Kampf, der hoch hinaufraget, wie sie stürzte, zitterte die Erde... . Aber da mögen seitdem der Jahrhunderte noch so viele vorübergegangen, da mögen wir weit, weit durch Meer und Land getrennt sein, die Stätte des Untergangs stehet in unserm Geiste, und kann uns nicht gleichgilrig lasten.... Ja, stark sind die Bande, die uns knüpfen an das Leben, das Lebendige: aber doch auch stark die Faden, die uns an die Vergangenheit schließen, an das, was nicht mehr ist, was aber unser war. Und doch, denken wir weiter, ist nicht die ganze Erde solch' eine Gruft der Vergangenheit? Wohin wir unfern Fuß setzen, treten wir nicht auf den Staub gestorbener Geschlechter? stehen wir nicht überall an und auf den Trümmern derer, die da waren, die einst schufen und