Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 13 (1849)
- Issue
- Heft 30 (23.7.1849)
- Date
- 1849-07-23
- Page
- Seite 423 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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423 für mich. Endlich, um mir die Augen zu öffnen, um mich das Schicksal erkennen zu lassen, das mich erwartete, wenn ich den Glauben meiner Väter verließe, beschloß sie mich das Stück sehen zu lassen, dem wir soeben beigewohnt. Wir haben hierfür unsere letzten Mittel geopfert. Du hattest recht, Sara; die Lehre war gut: ich habe die Hölle unter meinen Füßen gesehen, ich habe die Hölle in meiner Seele gefühlt. Nein, nein, die Taufe rehabilitirt den Juden nicht. Der Bekehrte bleibt Jude, sein Sohn ist Jude, sein Enkel Jude, sein entferntester Abkömmling ist Jude, immer der verachtete, verwünschte Jude. Sie haben gesehen, Herr, daß der Neid selbst den Enkeln der Getauften nicht vergiebt, weil er dem Gelächter der Menge das Talent, die Rechtlichkeit und das Genie aussetzt. Dank, Sara, du hast mich angehalten am Rande des Abgrunds: nein, nein, ich werde meine Religion nicht verlassen; ich will Gott um Verzeihung für meine Schwache bitten; ich will leiden, so viel es dem Höchsten gefällt, bis der Tag der Befreiung kommt. Indem er so sprach, näherte sich Moschele Sara, und drückte ihr leidenschaftlich die Hand, um ihr seine ganze Erkenntlichkeit zu bezeugen. Die Stirn des Greises faltete sich, seine Hand ballte sich, sein Herz schlug Lebhafter; indeß sagte er Nichts, er war in tiefes Nachdenken versunken. Alle Drei gelangten bis zur Säule des Königs Sigismund. Da, wie aus einem Traum erwachend, hielt der Unbekannte vor einem prächtigen Palaste an. Hier wohne ich, meine Kinder, sagte er; ich danke Euch von ganzem Herzen mich begleitet zu haben, besonders mich über viele Dinge aufgeklärt zu haben; doch habe ich, bevor wir uns trennen, eine Bitte an Euch auszusprechen. Befehlen Sie, Herr, antworteten Sara und Moschele zu gleicher Zeit. Kommet so bald als möglich zu mir, morgen, wenn Ihr könnet: das Alter wartet nicht, meine Augenblicke sind kostbar und wir haben viele Dinge zu thun. Und wo kann man Sie finden? Hier, Ln diesem Palast; dies ist meine Karte, auf morgen also. Morgen, mein Herr, sagte Sara. Wer ist dieser Mann? frug das junge Mädchen Moschele. Das wollt' ich Dich fragen. Ich glaube, es ist ein reicher Geizhals, der aus Sparsamkeit zum Paradies klettert, während sein Platz in einer Loge wäre. Ich denke, es ist ein Priester, der das Schauspiel liebt, und sich verbirgt, um nicht bemerkt zu werden. Vielleicht ist es ein geheimer Polizist? -Nein, nein, fuhr Sara fort, wir täuschen uns; es ist etwas Gutes und Großmüthiges in dem Herzen dieses Mannes. Wolan, man muß dieses Räthsel lösen, sagte Moschele, lief zu einer Laterne, die vor dem Palaste brannte. Er warf einen Blick auf die Karte, die der Unbekannte ihm zurückgelassen hatte; er las den Namen mehre Male, wie wenn ec seinen Augen nicht traute; endlich rief er aus: Sara, weißt Du, wer dieser Mann ist? Nun? Staszic, Präsident der Akademie der Wissenschaften und Minister Staatssekretär.... (Schluß folgt.) Anzeiger. In demselben werden Annoncen aller Art gegen 1*/i Ngr.(1 gGr.) Gebühren für die gespaltene Zeile aus Petitschrift oder deren Raum sowie literarische, merkantile u. a. Beilagen ausgenommen. Die Verlagshandlung. Vakante Rabbiner- und Chasanstelle. Die Gemeinde Anshi Ehesed in New-Pork, eine der größten und ältesten Gemeinden der Vereinigten Staaten, deren neuer Synagogenbau, welcher auf 36,000 Dollars veranschlagt ist, dis zu Ende d. I. vollendet sein wird, sucht einen Rabbiner und Prediger, welcher 1) ein streng religiöser Mann sein muß und sich deshalb hat nie Etwas zu Schulden kommen lassen; 2) soll derselbe ein besonders guter Prediger sein, einen guten und verständlichen Vortrag haben, insbesondere aber eine starke Stimme, weil der Bau ein alrgothischer und der Raum sehr groß werden wird; 3) hat derselbe nachzuweisen, daß er von einem *p-7 die nn-iin n-nn hat, oder wenigstens von einigen Rabbinern. Die Funktionen des Rabbiners und Predigers find: a) alle nmtt — d'*n zu predigen, b) alle Trauungen zu verrichten, c) alle vorkommenden rvamn zu entscheiden, und ä) die Aufsicht über die Schule respektive die Lehrer zu führen, da die Gemeinde eine Schule mit 4 Lehrern unterhält, wofür ein jährlicher Gehalt von 1000 Dollars, monatlich zahlbar, ausgesetzt ist. Diejenigen Herren Rabbiner und Prediger, welche sich