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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1849-07-16 · Heft 29 (16.7.1849) · p. Seite 395

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
13 (1849)
Issue
Heft 29 (16.7.1849)
Date
1849-07-16
Page
Seite 395 (sequence 3)
Language
German
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395 Leitender Artikel. Magdeburg, 10. Juli. Das moderne Heidenthum. IV. Indem wir die Ansichten der Gegner vom Judenthume in ihrer Nichtigkeit Nachweisen, war es uns nicht allein darum zu thun, um diese Ansichten zu widerlegen. Wir wollten mehr. Wir wollten damit darthun, daß die Gotteslehre einen festen, bis heute unerschütterten Träger habe, daß sie nicht von dem zu jenem Bekenntniß übergegangen, sondern aus dem Atterthume heraus ununterbrochen und organisch Eine bis in die Gegenwart hineingewachsen. Denn dadurch wird es uns sofort klar werden, daß auch der Gegensatz der Gotteslehce — das Heidenthum, nicht minder aus dem Alterthum heraus in immer neuen Versuchen, aber immer Dasselbige sich Bahn zu brechen sucht; und daß, so wie die Gotteslehre von dem kleinen Juda aus sich ein immer größeres und reineres Terran in der Menschheit erobert hat und fortwährend erobert, das Heidenthum das verlorene Terran immer wieder zu gewinnen sucht. Indem wir uns so dieses Bild des dauernden Kampfes innerhalb der Menschheit klar machen, wird unsere Ueberzeugung eine festere, und wir werden einen neuen Anlauf des Heidenthums nicht gleich als eine Niederlage der Gotteslehre betrachten, sondern vielmehr wissen, daß es ein Kampf ist, den die Gotteslehre abermals bestehen und daraus neue Kräfte und neue Errungnisse ziehen werde. Nachdem das Ehristenthum und der Islam die Wahrheit der Gotteslehre nur theilweise in die Menschenwelt gebracht, arbeitet natürlich die Menschheit daran, die anderen, entgegengesetzten Elemente in diesen Religionen daraus zu entfernen. Daß dabei die Oppositionspartei hierüber hinaus bis zur Opposition gegen die eigentliche Gotteslehre fortgeht, liegt in der Natur der Sache. Dadurch wird aber schließlich der Untergang des Afterglaubens immer mehr bewirkt, und die ganze Gotteslehre dringt um so strahlender hervor. Ist also dieses moderne Heidenthum doch nur eine Fortsetzung des alten Gegensatzes, so unterscheidet es sich doch wesentlich von dem antiken, und hierin giebt sich der Fortschritt kund; ja wir werden sehen, daß der Kampf jetzt wieder auf das ursprüngliche Gebiet versetzt wird. Diesen Unterschied zwischen dem antiken und modernen Heidenthum müssen wir uns deutlich machen. Ec besteht in zwei Hauptpunkten. [ 1) Das ursp rüngli cheHeidenth um erkannte die Einheit in der Natur nicht. Es hielt sich lediglich an die einzelnen Erscheinungen in der Natur, nahm in diesen einzelne Kräfte an, und legte diesen Kräften göttliche Eigenschaft bei. Daher der Polytheismus, die Vielgötterei. Die ganze alte Philosophie war nun Nichts als die vernunftgemäße Verneinung dieses Heidenthums. Sie verneinte diese Vielgötterei, sah die Erscheinungen in der Natur als Solche an, schloß auf eine Einheit in der Natur, war aber nun rathlos, wohin sie diese Einheit hineinlegen solle. Jeder einzelne Philofoph nahm eine andere Urquelle dieser Einheit an, benannte und desinirte sie anders. Das Resultat konnte daher kein anderes sein, als zuerst das Eingestandniß des Nichtwissens des Sokrates, dann der Zweifel in alle Erkenntniß, der Skeptizismus, jedenfalls aber die Vernichtung der Vielgötterei. Die Gotteslehre hingegen faßte von Anfang an die Natur als Einheit, und lehrte diese Einheit aus Gott, dem Schöpfer dieser Einheit. Gott, der Einige, konnte nur eine einige Natur schaffen. In ihr konnte daher weder die Vielgötterei, noch das Nichtwissen, noch der Zweifel in die Erkenntniß Platz greifen. Wenn im Bereiche der Gotteslehre jemals der Zweifel bestand, so war es nur, wie der Lauf der Begebenheiten im Menschengeschlechts auf die göttliche Vorsehung zurückzuführen sei? (Hiob, Kohelet, einige Psalmen.) — Das moderne Heidenthum nimmt nun die Einheit der Natur aus der Gotteslehre an, und findet sie durch die Naturwissenschaft bestätigt, ihm ist aber Ursache und Wirkung nicht verschieden, ihm ist Sein eben Sein; wie so dieses Sein ist, wodurch dieses Sein so ist, sind ihm keine Fragen, weil es keine Antwort darauf weiß; es fragt nicht wie die alte Philosophie, worin der Grund dieser Ursache liege, es nimmt nicht die Spinozistische Substanz, noch die Hegelsche Idee an; da es die Allgemeinheit des Gedankens nicht zugiebt, da es die ganze Objektivetät leugnet, und Alles auf das Subjekt beschrankt, so hat es für diese Fragen keinen Raum — die Selbstvernichtung der Vernunft. (Wir werden in nächster Nummer hierauf zurückkommen.) Genauer genommen geht das moderne Heidenthum den umgekehrten Weg wie das antike, und muß so auf das ursprüngliche Gebiet wieder zurückkommen. Es beginnt, womit das antike Heidenthum aufgehört hat, mit dem Skeptizismus, mit dem Leugnen der Erkenntniß. Ihm ist daher jedes Seiende für sich, denn die Einheit der Natur kann ihm nur die Gesammtsumme der Verhältnisse aller Einzelnheiten zu einander

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