Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 13 (1849)
- Issue
- Heft 26 (25.6.1849)
- Date
- 1849-06-25
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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XIII. Jahrgang. No. 26. Allgemeine Zeitung des Zu-euthums. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Redakteur Dr. Ludwig Philippsoll, Rabbiner zu Magdeburg. Verlag von Baumgartners Buchhandlung zu Leipzig. Leipzig, den 25. Zum 1849. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Montags, und wird jährlich» 96 Bogen in Quart incl. des Titels, Registers u. s. w. umfassen. In Gemäßheit des Zweckes derselben die allgemeinste Verbreitung zu geben, ist der Preis äußerst niedrig: mit 3 Thlr. für den Jahrgang; — 1 Thlr. 15 Ngr. (1 Thlr. 12 gGr.) für sechs Monate — 22^ Ngr. (18 gGr.) für das Vierteljahr angesetzt worden. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zeitungs-Expeditionen nehmen Bestellungen an; der Hauptspcdition für beide Letztere hat sich die königl. sachs. Zeitungs-Expedition allhier unterzogen. Inhalt. Leitender Artikel r Das moderne Heidenthum. Zeitungsnachrichten: Deutschland: aus Oberschlesien, Brieg, Berlin, Berlin, aus Pommern, aus dem Regierungsbezirk Stettin, München. Oesterreichischer Kaiserstaat: Prag. Großbritanien: London, London. Frankreich: Paris. Dänemark: Kopenhagen. Literarische Nachrichten: Leipzig, Anklam. Abhandlungen verschiedenen Inhalts: Ueber Synagogengesang, von Marr Hildesheimer. Auszüge: Aus d'Jsraeli's Coningsby. Leitender Artikel. Magdeburg, 18. Juni. Das moderne Heidenthum. Ihr glaubtet, nur in den Proklamationen %bec versprengten französischen und deutschen Sozialisten, in ihren Stylübungen und wahnsinnigen Ausbrüchen findet sich das moderne Heidenthüm, der Widerspruch gegen die Gotteslehre und Sittlichkeit? Oder nur in den Philosophemen deutscher Hyperkritiker und denkender Träumer? Ihr täuschet Euch. Ueberallhin breitet sich diese Irrlehre, und sucht sich in populären Schriften Bahn zu brechen in die Herzen des Volkes. So liegt in diesem Augenblicke vor uns ein Schriftchen: „Katechismus für freie Gemeinden. Herausgegeben von Joh. Schneider. Leipzig, 1849." Es versteht sich von selbst, daß hier nicht mit jenem wilden Fanatismus, mit jener Wuth und Rohheit loögefahren wird, wie sie sich in jenen Proklamationen Luft machen, sanfter, zierlicher, bedächtiger tritt hier das Gift auf, um sich einzustehlen. Um desto eher muß man d arauf merken, um desto mehr es in seinen Schwachen und Widersprüchen, Lücken und Blößen offenbaren. Es gilt einen Kampf; es gilt einen Kampf für unsere Jugend,, um sie zu wahren, für die Zukunft, um sie nicht durchtranken zu lassen von einer Afterweisheit, die, nachdem sie zerstört hat, Nichts zu bieten vermag, und die Herzen und Geister der Trostlosigkeit überantwortet, aus der sich Viele nur in die Arme des trunkensten Aberglaubens retten. Es gilt den Kampf, um den menschlichen Verstand vor seiner eigenen Selbstvernichtung zu schützen. Wol hören wir jetzt schon die hohnlachenden Stimmen der Gegner: „Das ist der Weheruf falscher Priester! So kämpften die heidnischen Priester gegen das Ehristenthum — aber die Welt ging über ihre Klagen und Kämpfe hinweg, und sie waren nicht mehr!"... Geduld! Wir Juden stehen nicht auf diesem Standpunkt. Uns suchte das Heidenthum zu erdrücken, und es gelang ihm nicht. Uns suchte das Christenthum zu vernichten, und es gelang ihm nicht, das Christenthum in seinen verschiedensten Stufen und Formen. Ueber uns ging die Welt noch niemals hinweg, sondern wir schritten immer über die Gräber der Lehren hinweg, welche uns und welche wie bekämpften; über das Grab der Salmanassar und Nebuchadnezzar, der Antiochus, der Titus und Hadriane, der Inquisitoren und Pietisten, über das Grab des alten Skeptizismus — und des modernen will's Gott! auch. Was unsere Lehre betrifft, haben wir noch niemals ge-