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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1849-05-28 · Heft 22 (28.5.1849) · p. Seite 294

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
13 (1849)
Issue
Heft 22 (28.5.1849)
Date
1849-05-28
Page
Seite 294 (sequence 10)
Language
German
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294 gemeinde neuerdings eine Strafe von 20,009 Fl. K. M. auferlegt, weil sie trotz des geschärften Verbotes Lieferungen an die Insurgenten gemacht haben soll.— Kofsuth überraschte vor Kurzem die großwardiner Israeliten in ihrem Bethause. Nach vollendetem Gottesdienste hielt er in seiner bekannten Weise eine Rede, worin er im Namen der Nation die Juden um Vergebung für den Jahrhunderte langen Druck bat, ihnen für die materiellen Opfer, wie für die Tapferkeit ihrer Söhne im Kampfe dankte und damit schloß, daß in Zukunft jede Verschiedenheit der Glaubensgenossen vor dem Gesetze aufhören solle. Großbritanien. London, 15. Mai. In der gestrigen Unterhaussitzung ward die Bill in Betreff des parlamentarischen Eides (die so genannte Judenbill) im Komitö besprochen. Als die erste Klausel vorgeschlagen wurde, trug Herr Vernon Smith auf die Auslassung gewisser Worte an. Nach einigem Hin- und Herreden und zwei Abstimmungen ward beschlossen, daß der Präsident den Fortschritt der Bill berichten und die Erlaubniß zu einer zweiten Sitzung nachsuchen solle. (Uebereilung ist Sache der Engländer nicht! Es dauert dort sehr lang, bis ein Fortschritt geschehen — dann aber ist auch die Sache abgemacht, und keinerlei politischen Schwankungen ausgesetzt. Der Engländer ändert ein bestehendes Gesetz nur, wenn es durchaus unhaltbar geworden. Dann aber ist ihm das neue Gesetz so unantastbar wie das alte, und heilig. Er spielt mit Gesetzen nicht, und hält sie nicht für verletzbar in dem Augenblicke, wo er sie giebt!) Auszüge. Aus d Israelis Tankred. Jerusalem im Mondschein. Der breite Mond verweilt auf dem Gipfel des Oelberges, aber sein Strahl hat schon lange den Garten von Gethsemane und das Grab Absaloms, die Wellen des Kidron und den dunkeln Schlund des Thales Josaphat verlassen. Voll strömt jedoch sein Glanz auf die gegenüberliegende Stadt, die lebhaft und bestimmt in dem silbernen Lichte hervortritt. Eine hohe Mauer, mit großen und kleinen Thücmen und zahlreichen Thoren erhebt sich wellenförmig mit dem ungleichen Boden, auf dem sie steht, und umschließt die verlorene Hauptstadt Jehova's. Es ist eine Stadt von Hügeln, die weit berühmter sind, als die Rom's, denn ganz Europa hat von Zion gehört, wahrend der Araber und der Assyrer und die darüber hinaus wohnenden Stamme und Nationen von dem aventinischen Berge und dem des Kapitols ebenso wenig wissen, als von den Chiltern Hills. Wir sehen die breite steile Anhöhe Zions, mit dem Thurme Davids gekrönt; noch naher den Berg Moriah, mit dem prachtvollen Tempel des Gottes Abrahams, der aber leider von dem Sohne der Hagar und nicht von Sarah's Auserwähltem erbaut worden; dicht neben den Zedern und Zypressen dieses Tempels, seinen hohen Spitzen und luftig geschwungenen Bogen, fallt das Mondlicht auf den Teich von Bethesda, weiterhin erkennt das Auge, obschon es Mitternacht ist, mit Leichtigkeit die sogenannte Kummerstraße, einen langen geschlängelten Pfad auswärts nach einem Ungeheuern gewölbten Gebäude, welches jetzt den Kalvarienberg bedeckt. Ueber Gruppen und Massen steinerner Häuser mit platten Dächern, oder mit kleinen Kuppeln überwölbt, hinweg, erblicken wir den Hügel Salem, wo Melchisedek seine geheimnißvolle Zitadelle bauete, und dann bleibt noch der Hügel Scopas übrig, wo Titus am Vorabend des letzten Sturmes auf Jerusalem herabschauete. Jerusalem vom Mond beleuchtet! Es ist ein schönes Schauspiel, abgesehen von allen davon unzertrennlichen Gedanken scheuer Ehrfurcht. Das sanfte Licht mildert die Schroffheit einer in ihren Umrissen prachtvollen, wenn auch im Einzelnen unangenehm berührenden Gebirgslandschaft, und entfernt, während es die ganze Erhabenheit derselben bewahrt, die wilde Düsterheit dieser seltsamen, unvergleichlichen Umgebung. Eine befestigte Stadt, beinahe ringsum von Schluchten und Hohlwegen umgeben, in der Mitte sich weithinstreckender Hügelketten emporsteigend, welGe durch ihre kahlen Felsen hindurch hier und da einen Schimmer von einem fernen fruchtbarem Lande erblicken lassen. Der Mond ist hinter den Oelberg hinabgesunken, und die Sterne scheinen von dem dunklern Himmel zwiefach hell auf die heilige Stadt hinab. Die Alles durchdringende Stimme wird durch einen leisen Windhauch unterbrochen, der über die Ebene von Saron von dem Meere herüberzukommen scheint. Er wehklagt unter den Gra-

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