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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1849-05-28 · Heft 22 (28.5.1849) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
13 (1849)
Issue
Heft 22 (28.5.1849)
Date
1849-05-28
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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xiii. Jahrgang. Allgemeine No. SS Zeitung des Zudenthums. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Redakteur Verlag von Dr. Ludwig Philippfon, Baumgärtners Buchhandlung Rabbiner zu Magdeburg. zu Leipzig. Leipzig, den 28. Mai 1849. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Montags, und wird jährlich 96 Bogen in Quart incl. des Titels, Registers u. s. w. umfassen. In Gemäßheit des Zweckes derselben die allgemeinste Verbreitung zu geben, ist der Preis äußerst niedrig: mit 3 Thlr. für den Jahrgang; — 1 Thlr. 15 Ngr. (1 Thlr. 12 gGr.) für sechs Monate — 22z. Ngr. (18 gGr.) für das Vierteljahr angesetzt worden. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zeitungs-Expeditionen nehmen Bestellungen an; der Hauptspedition für beide Letztere hat sich die königl. sachs. Zeitungs-Expedition allhier unterzogen. Inhalt. Leitender Artikel: Die politische Gesinnung unter den Juden. Zeitungsnachricktenr Deutschland: Berlin, Berlin, Berlin, Hamm, München, Karlsruhe, Frankfurt am Main. Ungarn: Wien. Großbritanien: London. Auszüge: Aus d'Jsraeli's Tankred. Leitender Artikel. Magdeburg, 21. Mai. Die politische Gesinnung unter den Juden. Es ist ein neuer Haltpunkt für die Judenfeinde geworden, den sie begierig ergreifen, daß unter den Juden im vorigen Jahre sich vorzugsweise viele Demokraten gezeigt. Wir haben darüber schon mehrfach gesprochen. Aber wir können dem Verfasser der „Kreuz- und Querzüge" nicht beipflichten, daß man diese „Vorwürfe" rechts liegen lassen solle. Man darf keinen Feind zu gering erachten, und dann kennt man die Zähigkeit aller der Beschuldigungen, welche einmal für die Juden aufgefunden worden, und welche wieder und immer wiedecgekaut werden, um einen scheinbaren Vorwand zn haben, sie zu drücken. Die Gegner sagen: „die Juden sind ein zersetzendes Element der Gesellschaft" — und aus dieser furchtbaren Prämisse vermögen sie die furchtbarsten Konsequenzen zu ziehen. Wir können da nicht wie die Demokraten der äußersten Richtung sagen, „mögen sie es sein, desto besser" — wir, die wir auf dem Gebiete der Wirklichkeit kämpfen, sehen, wie die wieder obherrschenden Parteien jenen Satz ausbeuten werden, ob er wahr oder unwahr sei, um über die Juden Druck und Bedrängniß zu verhängen. Wahrlich, wir sind noch nicht durch alle Phasen unserer Geschichte hindurch — es wäre dies ein kurzer Traum gewesen. Uebrigens stehen wir jetzt erst in der ersten Entwicklungszeit des politischen Bewußtseins des deutschen Volkes, und hat dies hierin in seinen Massen nur erst wenige Schritte gethan. Darum ist es schon deshalb für jenes, wie für die Juden selbst, die diesen Massen ja angehören, nothwendig, die politische Frage immer wieder zu durchsprechen, um sie zu klaren und zu festigen. Seit alter Zeit sucht man bei den Juden — Geheimnisse. Die Juden mögen so oft wie möglich protestiren, man glaubt bei den Juden immer noch Etwas verborgen, was der Oeffentlichkeit entzogen sei, und die abentheuerlichsten Meinungen von den Juden finden immer noch einen bereiten Glauben. Wir haben dies bei der Damaskusgeschichte unseligen Angedenkens erlebt; wir können dies in der Politik ebenfalls erleben. Darum darf diese Angelegenheit nicht mit Stillschweigen übergangen werden; wir dürfen uns nicht in den Mantel stolzer Verachtung hüllen. Die politische Gesinnung ist nicht das Werk des Bewußtseins allein. Mag der Stolz des menschlichen Geistes sich hiergegen sträuben, wahr ist es doch, die politische Ueberzeugung ist nicht allein die Errungenschaft des arbeitenden, forschenden Geistes, sondern sie geht hervor

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