Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1849-05-21 · Heft 21 (21.5.1849) · p. Seite 277

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
13 (1849)
Issue
Heft 21 (21.5.1849)
Date
1849-05-21
Page
Seite 277 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3225606-3225628--10190-3240226
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

277 das ist eine echt sophistische Antwort. Die Presse ist da, um belehrend auf die Fragen der Zeit zu antworten, aber nicht sie zu verschieben, bis das Publikum selbst die Frage beantwortet haben wird. Entweder man wirst eine Frage nicht auf, oder man beantwortet sie. Die von ihm erwartete „leichte Verständigung" ist nur ein Vorwand, denn worüber kämpft man denn schon ein halbes Jahrhundert? Nicht über die Nothwendigkeit der Reform, sondern worin die Reform bestehen solle. Und die Antwort ist darauf sehr verschieden. Daß verbessert werden müsse, giebt Jeder zu, der den Lärmen und das Tosen einer alten Synagoge sieht. Aber was verbessert werde? Darüber streiten sie sich. —. Das Maiheft der Arch. bringt den Schluß des Berichtes, den der Großrabbine M. A. Weill an das Konsistorium von Algier über die Gemeinden Blidah, Medeah und Milianah geliefert. Aber er enthält nicht viel allgemein Jnteressirendes, so daß wir ihn in seiner ganzen Ausdehnung nicht mehr wieder zugeben brauchen. Blidah zählt ungefähr 60 Familie mit 300 Seelen. Sie hat zwei, schlecht besoldete Rabbinen, von denen keiner weiß, was er zu thun hat. Medeah hat 150 Familien mit 600 Seelen und bedeutendem Defizit; diese Gemeinde ist völlig verwildert, weil sie die unthätigstcn Vorsteher hat. Hingegen besitzt Milianah, bei 110Familien und 500 Seelen, ausgezeichnete Vorsteher, welche einen Ueberschuß von 3500 Frcs. jährlich am Budget erübrigen, wofür sie binnen zwei Jahren eine schöne Synagoge schuldenfrei erbauen werden. Zu bemerken ist, daß die Gemeinden ihr Budget lediglich aus den Mizwot und dem Fleischverkaufe ziehen. Auffallend ist es, daß die Gemeinde zu Milianah noch völlig von der muselmännischen Justiz abhängt, so daß selbst die Streitigkeiten zwischen Juden und Juden vom arabischen Hakem entschieden werden, wahrend in Medeah nur die zwischen Juden und Arabern vom Kadi entschieden werden. Die Unabhängigkeit der Juden von den Muselmännern ist daher hier noch gar nicht durchgeführt. —. Die von Herrn Albert Cohn vor 6 Jahren gestiftete nbd nv22N, junge jüdische Mädchen Etwas lernen zu lassen und auszusteuern, hat trotz des schlimmen Jahres gute Fortschritte gemacht; sie zählt jetzt 48 Zöglinginnen, von denen 45 ihre Lehrzeit vollendet haben. 7 junge Mädchen haben schon eine Mitgift erhalten, für 6 liegen sie bereit. 6400 Frcs. waren im vorigen Jahre die Einnahmen, 5700 Frcs. die Ausgaben. —. Einem Amendent von Cremieux zufolge hat die Nationalversammlung angenommen, daß das Gehalt aller Rabbinen und Chasanim, welches nicht 600 Frcs. übersteigt, mit 100 Frcs. vermehrt werden soll. —. Meyerbeer, dessen neueste Oper, der Prophet, den ungeheuersten Erfolg gehabt, hat das Großkreuz der Ehrenlegion erhalten. Italien. Turin, im April. Die Opinione vom 11. April bringt einen Artikel vom Oberrabbinen in Turin, Herrn L. Cantoni, der also schließt: „Die Gleichheit der bürgerlichen und politischen Rechte aller Bürger, was für eine Religion sie auch bekennen, ist ein Prinzip der Gesellschaft. Es ist dies eine Pflicht aller zivilisirten Nationen, eine nicht blos erkannte, sondern auch anerkannte Pflicht, weil die Verantwortlichkeit des Glaubens vor Gott kein Gegenstand einer politischen Ausschließung vor den Menschen sein kann. Es ist dies nicht ein politisches Prinzip, sondern Religion selbst. Aber als Religion und als politisches Prinzip, die muthige Initiative für dasselbe hat unser erleuchteter Mitbürger Robert d'Azeglio, der sein Leben der Tröstung der leidenden Menschheit geweiht hat, ergriffen, und sich zu seinem andauernden Vertheidiger gemacht, um den Wallisern und subalpinischen Israeliten ein Zeichen der Schande, das Erbe trauriger Jrrthümer des Mittelalters zu nehmen." „Jedermann weiß, wie der würdige Patrizier für diese heilige Sache durch Wort, Schrift und Beispiel gekämpf hat. Er fand, das ist wahr, die Zeit gereift, die Elite der Bevölkerung günstig, einen unerschrockenen Mitkämpfer in der Freiheit der Presse, und zur Stütze Karl Albert, einen König mit großem Herzen im Glücke, und mehr noch im Unglück, einen treuen Ausleger der wahren italienischen Zivilisation: aber nicht minder wahr ist es, daß er auf seinem Wege auch Gegner fand, von denen man hätte erwarten sollen, daß sie sich vielmehr ihm zur Seite stellen und ihn unterstützen würden." „Die emanzipirten Israeliten haben die Pflichten und die Rechte begriffen, welche ihnen die neue gesellschaftliche Stellung geschaffen, und sie werden dem

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.