Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 13 (1849)
- Issue
- Heft 20 (14.5.1849)
- Date
- 1849-05-14
- Page
- Seite 262 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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262 fchen Kammern (mit Ausnahme der bairischen, wenn wir nicht irren) haben sich für die deutsche Verfassung ausgesprochen, aber die fünf deutschen Könige gegen dieselbe. Die Ministerien der Letzteren beharren dabei. Folglich ist der ganze Konstitutionalismus in Frage gestellt. Beiderseits befindet man sich im Kriegszustände. Der Volkswille und seine Vertretung führt das Volk in's Treffen, die Ministerien die Soldaten. Also hüben und drüben die rohe Gewalt. Da nun die stärkere materielle Macht auf Seiten der Minister zu sein scheint, so werden diese den Sieg erlangen, und damit ist der Konstitutionalismus bis auf die Form abgeschwacht — denn in allen bedeutenden Fragen weist zukünftig der Sieger auf seine siegreiche Waffe. Es gilt also hier nicht blos die deutsche Frage, sondern das ganze Staarsleben für die nächste Zeit. Und was steht da im Hintergründe? Ideen, die einmal in die Geister gekommen und sie in den Kampf geführt, weichen nicht wieder. Und ein Riß, der mitten in der Gesellschaft durch dieselbe hindurchgeht, schließt sich nicht wieder. Der Kampf zwischen Krone und Volksvertretung wird immer glühender werden; denn jede aufgelöste Versammlung wird mit verdoppelter Heftigkeit zurückkehren; der Krone bleibt dann nur das Gebiet der s. g. Staatsstreiche; aber dies ist bald abgenutzt. Dieser Gang mag die Entwickelung des politischen Bewußtseins des Volkes sehr fördern — aber das Glück der Menschen, den sittlichen Geist und das materielle Wohl des Volkes fördert er nicht. Die Wuth der Leidenschaften wird genährt, der Verkehr den härtesten Stößen und Wechselfallen ausgesetzt, das geistige Jntereffe, blos auf die Politik gelenkt, für alles Andere abgstumpft, für Gut und Schlecht, Recht und Unrecht ein ganz anderer Maßstab ausgestellt.. Diese Krise ist auch für der Juden nächste Zukunft entscheidend. Denn ob die Emanzipation ebenso wie der Konstitutionalismus scheinbar sein soll, oder eine Wahrheit, wird davon abhängen, welches Prinzip die Oberhand erhalt. Die Stimmung in den höheren Staatsregionen war von jeher wider uns, und ist in den letzten Zeiten nur noch übler auf uns zu sprechen. Wenn daher auch keine völlige Zurücknahme der Gleichstellung der Juden zu erwarten: so wird dieser in Allem, was von der Verwaltung abhängt, doch das Leben fehlen, und wir werden eben nur daS Prinzip erlangt haben. Jndeß auch hier ist die weitere Zukunft nicht fraglich; denn auch dieses Prinzip will früher oder später seine ganze Verwirklichung; nur das Jetzt ist es, was gefährdet ist. das nächste Dezennium, ein Geschlecht wird noch zum Opferwerden. Die Stellung der religiösen Parteien iw Judenthume. Unser Münchner Korrespondent geht uns zu Leibe. Er ist begierig zu erfahren, wie wir ein Religionsgebäude aufzuführen gedenken könnten, darinnen alle Meinungen im Judenthume Platz hätten. Wir könnten uns die Antwort leicht machen, indem wir darauf hinwiesen, daß ja dieses Religionsgebäude, das Alle beherbergt, schon besteht. Umfaßt nicht das Judenthum schon alle Parteien, und weist nur die von sich, welche die Gcundlebren desselben leugnen, '‘istD? Ob die Orthodoxen die Modernen ■wöid nennen, ob die Modernen die Orthodoxen Abergläubische nennen, als Bekenner des Judenthums müssen sie sich Alle gelten taffen, und der alte Spruch weist nur diejenigen hinaus, welche das S25"» 2722nicht mehr anerkennen. Jndeß, wie gesagt, wir wollen es uns nicht so leicht machen; denn unser geschätzter Münchner Korrespondent meint auch ein Andres, er will wissen, wie wir meinen, daß jede Meinungsverschiedenheit zu ihrem Ausdruck und Recht käme, ohne daß die eine die andere unterdrücke, beseitige, benachtheilige. Darüber einige Worte. Das Judenthum ist der Träger der Lehre von einem einigen, außer-oder überweltlichen, unkörperlichen Gotte, der, vollkommen an sich, die Welt geschaffen, vermittelst des Naturgesetzes diese Welt erhält, zum Menschen aber unmittelbar ist, die Vorsehung ist, und das Thun des Menschen richtet; das Judenthum ist dieQuelle und der beständige Träger dieser Lehre, und des aus dieser fließenden Sittlichkeitsgesetzes. Als die Quelle und der Träger dieser Lehre hat es von Anbeginn dem Heidenthume gegenübergestanden, welches das Gegentheil derselben mehr oder minder scharf ausgeprägt enthielt, hat es alsdann dem dogmatischen Christenthume gegenübergestanden, welches diese Lehre mehr oder minder modisizirte, dem Islam, welches den Kern dieser Lehre entstellte. In diesem seinem Inhalt und Berufe steht das Judenthum noch jetzt dem strengkirchlichen Christenthume gegenüber, und hat seinen Gegner von Neuemitt der neuern Philosophie, welche den alten Pantheismus