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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1849-05-07 · Heft 19 (7.5.1849) · p. Seite 250

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
13 (1849)
Issue
Heft 19 (7.5.1849)
Date
1849-05-07
Page
Seite 250 (sequence 2)
Language
German
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250 freilich erst gähren und sich abklären, bevor es zu wirklichen Gestalten und in greifbaren Erscheinungen hervortreten könne. Und was wäre es denn gewesen, wenn Alles so gekommen und sich sofort verwirklicht hätte, wie man es Anfangs gedacht — hatten die menschlichen Leidenschaften weniger ihre Geißel geschwungen, hätten sie geringem Spielraum gehabt, waren die Herschsucht und der schnöde Egoismus, und der Lug und Trug weniger an der Tagesordnung gewesen? Die Hauptsache ist doch der Kampf, und auf diesen haben wir nun eine recht lange Aussicht.... Sie haben in Ihrem Blatte die Aufgabe, eine Menge Saatkörner zu sammeln, welche sonst unbeachtet vom Fuße der Zeit zertreten würden, und die dennoch vielleicht hie und da einen guten Halm hervorbringen können. Schon daß in Ihrem Blatte die Aufmerksamkeit darauf gelenke worden, halt die Sache im Bewußtsein vieler Betheiligten fest. Notiren Sie daher: die österreichischen Blätter sagen jetzt wiederholt aus, daß die Erfolge der ungarischen Waffen vielfach den Juden und Bauern zuzuschreiben seien. Auf der Kehrseite steht dann, Windischgrätz hat den Judengemeinden unerschwingliche Strafgelder auferlegt, wenn Einer aus ihrer Mitte, oder auch nicht aus ihrer Mitte, mit den Insurgenten zu thun gehabt. Man muß der menschlichen Natur nie mehr abfocdern, als sie leisten kann.. .. Die demokratischen Blatter witzeln jetzt viel über Rießer, und, weil er einen Toast auf die Ehe Germania's mit dem König von Preußen ausgebracht, nennen sie ihn — den Rabbi Rießer. Ware er nicht Jude, würden sie ihn wol den Pastor Rießer nennen? Es giebt dies hie und da zu denken; aber man glaube nur nicht, daß die Herren Demokraten andere Menschen seien, wie alle übrigen. Sie sind der Vorurtheile und Gehässigkeiten ebenso voll wie ihre absoluten Vorfahren, und darum ging es unter ihrer Herrschaft auch nicht wie in Abrahams Schooße zu. Ja, wisset Ihr, wer jetzt am Uneigennützigsten der Allgemeinheit dient? Der Jude — denn er weiß doch voraus, mag der Erfolg sein, welcher er will, er trägt nur die bitteren Hefen davon. Doch desto besser: desto weniger wird er sich am Weine berauschen. Er wird nüchtern bleiben. . . . Sehr widerwärtig ist das Schauspiel, welches die Herren französischen Juden, das Dreiblatt Goudcheaux, Fould und Cremieux, bereiten. Saht Ihr, wie sie sich gegenseitig den Vorschlag des Staatsbanquerouts an die provisorische Regierung in's Gesicht warfen? Ergo: es ist nicht immer gut und wünschenswerth, daß Juden berühmt werden und die höchsten Stufen einnehmen.... So ist es denn das liebe, das fromme Baiern allein im ganzen römischen Reiche, welches seine jüdischen Bürger in der Enge und Klemme läßt, und die bürgerliche Gleichstellung nicht ausspricht! Im Lande der Pfaffen und unehelichen Kinder darf man sich nicht wundern, wenn man aus der Familie ausschließt, die wol dazu gehören müßten. Alle 37 deutschen Vaterländer haben die konfessionelle Ungleichheit getilgt, nur das 38ste, Baiern, hält steif und fest auf dem schönen, alten Wesen. Wohl bekomm' es! . .. Jüngst hörte ich von einer Gemeinde, die ihren Chasan abschaffen will, weil er sich zu sehr zur Linken gehalten; und da nun in der Stadt die Rechte wieder sehr Mode geworden, so will man ihm seinen Freisinn nachträglich eintränken. Sollte man es glauben? Mögen die Juden ja nicht solche Sünden begehen, es könnte eine Zeit kommen, wo man dafür Abrechnung hielte. Und da dies eitel Furcht vor der Gegenwart ist, warum wollt Ihr Euch nicht auch vor der Zukunft fürchten?... Ganz zuletzt muß ich Ihnen sagen, daß mich jüngst ein Wort von Ihnen, Herr Redakteur, recht erfreute. Es war das Schlußwort der „monatlichen Uebersicht" in Ihrem Märzhefte (politische und soziale Monatsschrift). Lasten Sie mich es hier abschreiben: „Unter den obwaltenden Verhältnissen giebt es Biele, die sich der Hoffnung, Viele, die sich der Verzweiflung in die Arme werfen. Jene sehen die geliebte alte Zeit wieder gekommen, und hoffen, bis auf einige Formalitäten, die Reste der Revolution bald beseitigt zu sehen; diese halten den ganzen Inhalt der Bewegung für verloren, und verzweifeln, auch nur Etwas davon dem Leben eingesenkt zu sehen. Beide irren. Die Geschichte der Menschheit geht ihren Gang über Hoffnung und Verzweiflung hinweg. Sie läßt nimmer zurückkehren, was vorüber, was verlebt ist. Sie stellt nimmer wieder her, was auch nur zum Theil zertrümmert worden. Unauslöschlich ist, was sie einmal in das Herz der Völker gesenkt hat. Es wird aufgehalten, es wird eine Zeit lang mit der Gewalt, welche die Vergangenheit sich gebildet hatte, unterdrückt, aber es bricht sich dann doch seine Bahn, und zerschlagt seine Gegner. Nur will die Menschheit nicht sofort dem Gegensätze in die Arme geschleudert werden. Auch das ist Gewalt. Sie will nimmer, daß die Produkte nicht eher im Leben hervortreten, als bis sie reif und gezeitigt worden. Es soll Alles erarbeitet

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