Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 13 (1849)
- Issue
- Heft 18 (30.4.1849)
- Date
- 1849-04-30
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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XHI. Jahrgang. Ro. 18. Allgemeine Zeitung des Zu-enthums. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Redakteur Dr. Ludwig Philippson, Rab biner zu Magdeburg. Verlag von Baumgartners Buchhandlung zu Leipzig. Leipzig, den 30. April 1849. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Montags, und wird jährlich 96 Bogen in Quart incl. des Titels, Registers u. s. w. umfassen. Zn Gemäßheit des Zweckes derselben die allgemeinste Verbreitung zu geben, ist der Preis äußerst niedrig: mit 3 Thlr. für den Jahrgang; — 1 Thlr. 15 Ngr. (1 Thlr. 12 gGr.) für sechs Monate — 22| Ngr. (18 gGr.) für das Vierteljahr angesetzt worden. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zeitungs-Expeditionen nehmen Bestellungen an; der Hauptspcdition für beide Letztere hat sich die königl. sachs. Zeitungs-Expedition allhier unterzogen. Inhalt. Zeitungsnachrichtenr Deutschland: Berlin, aus Oberschlesien, Anklam, von der Peene, Wallerstein, Wallerstein, Hamburg,Hamburg. Oesterreichischer Kaiserstaat: Wien, Prag. Afrika: Paris (Fortsetzung.) Abhandlungen verschiedenen Inhalts: Das Armenwesen, von vr. Rothschild. (Schluß) Korrespondenz: Ein Leichenbegängniß. Zeitungsnachrichten. Deutschland. Berlin, 16. April. Der Köln. Zeit, wird von hier geschrieben: Das Allg. Landrecht bestimmt, daß Mannspersonen von Adel mit „Weibspersonen aus dem Bauer- oder geringen Bürgerstande" keine Ehe zur rechten Hand eingehen dürfen. Ebenso darf ein Christ keine Heirath mit einem Juden oder überhaupt mit solchen Personen schließen, welche nach den Grundsätzen ihrer Religion sich den christlichen Ehegesetzen zu unterwerfen verhindert werden. Dergleichen Ehen sind nichtig, und die darin erzeugten Kinder können auf die Rechte ehelicher Kinder keinen Anspruch machen. Es ist wahrscheinlich, daß die Bestimmung über die Zulässigkeit der Ehe zwischen Juden und Christen in dem Gesetzentwurf über die Zi vilehe ihre geeignete Stelle finden wird. AuS Äberschlesrei», 17. April. (Privatmitth.) Ein Butterbrief, kein Tezelscher, sondern ein solcher, der jede Butter, weil sie weiter kein Chamez enthält, am Peßach genossen zu werden gestattet, hat in der Gemeinde zu Gleiwitz viel böses Blut gemacht. Der dortige Rabbiner Herr vr. Hirschfeld hatte nämlich vor den Feiertagen eine Bekanntmachung an die Synagogenthüre assichiren lassen, die die Butter am Peßach nach vorhergegangener dreitägiger Auswässerung zum Genüsse erlaubt. Das war eine willkommene Veranlassung Lärm zu blasen, Zeter und Anathema über ein solches gottschänderisches Wesen zu schreien, und die Partei, die schon längst im Stillen grollte, daß Herr Hirschfeld mit zeitgemäßer Umgestaltung des Gottesdienstes die Synagoge zu restauriren sucht, trat nun offen hervor, um wo möglich die ganze Gemeinde in Opposition zu bringen, und so die wüste Verwirrung und die regellose Buntscheckigkeit des Gottesdienstes wieder herzustellen. Es ist ihr aber nicht gelungen. Der gesunde Sinn der Gemeinde ließ das pharisäische Gelüste nicht auskommen, und die Konfirmation, die Herr Hirschfeld mit ungefähr zwanzig Knaben nornahm, machte eine bessere Vorstellung von der echten Religiosität, als die Misere des kopfhängerischen Fanatikers. Wir freuen uns aufrichtig über diesen Sieg des vernünftigen Fortschritts,, wenn er auch nur ein geringer ist. Bedeutungsvoller wäre er freilich gewesen, wenn der Genuß der Hülsenfrüchte am Peßach durch ihn bewerkstelligt worden wäre. Aber wir verkennen nicht die Schwierigkeit, die in den lokalen Zuständen liegt, und wir hoffen, daß Herr