Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1849-04-09 · Heft 15 (9.4.1849) · p. Seite 200

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
13 (1849)
Issue
Heft 15 (9.4.1849)
Date
1849-04-09
Page
Seite 200 (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3224737-3225606-3225622--10107-3240137
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

200 behalten sind; daher wir nicht allein noch immer doppelte Steuern zahlen, sondern auch noch eine eigene sehr lästige Fremdenpolizei zu führen genöthigt sind. Ein besonderes Danaergeschenk ist es, daß man uns nicht zwingt; sondern es sogar unseren neu sich Etablirenden freistelll, Bürger zu werden oder nicht; so daß wir riskiren, neben jüdischen Bürgern auch noch eine Schutzjudenschaft perpetuirt zu sehen, deren Arme, und das werden die Meisten sein, vielleicht keinen Anspruch auf städtische Versorgung haben. Unterdessen ist die Herrmann Heinesche Stiftung, ein Institut, wo Summen von 1000 bis 6000 Mark ausgeliehen werden, zufolge des auf diese Wendung der Dinge gerichteten Stiftungsartikels, auch für Christen geöffnet worden, und ein anderes jüdisches, besonders zu Freiwohnungen bestimmtes Institut, das Joseph Behrenssche, welches einen ähnlichen Paragraphen hat, folgt diesem Beispiele. Daß bei Ersterem der Kaufmann Karl Heine, ein Sohn des Stifters Salowon Heine, das Kapital in Rücksicht auf die vergrößerte Wirksamkeit um 100,000 Mark Banko vermehrt hat, ist in diesen, wie in den meisten Blättern, mit gebührendem Lobe der Gabe bereits berichtet, zu der wir hier noch die Anerkennung der Bescheidenheit des Gebers fügen wollen. Am 25. h. hatten wir eine splendide jüdische Föte zur Feier der Emanzipation, Ball, Konzert und Schmaus in Streits Hotel, zu der einige christliche und jüdische Ehrengäste geladen waren' und bei der dem abwesenden Rießer besonders gehuldigt wurde. * Es war freilich keine schwere Aufgabe die Anerkennung eines Mannes auszusprechen, auf den alle Deutschen stolz sind; die Juden Deutschlands aber insbesondere und zwar deswegen, weil zu allen , übrigen hohen Eigenschaften seine in diesen Regionen so seltene Herzensunschuld und Charakterreinheit so echt israelilisch sind. Biele hätten übrigens gewünscht, daß die Fete etwas minder vornehm gewesen wäre, und so eine allgemeinere Theilnahme gehabt hätte; indessen hat auch etwas Exklusivetät ihr Gutes. Karlsruhe, 10. März. (Privatmitth.) Nachdem die Gleichstellung der Kulte gesetzlich ausgesprochen, sind es zwei Gegenstände, welche unsere besondere Aufmerksamkeit auf sich ziehen, die Stellung des Staates zur israelitischen Gemeinde und die Schule. Eine nothwendige Folge jener Gleichstellung ist es, daß die Volksschule, soweit sie aus öffentlichen Mitteln ihre Existenz zieht, den konfessionellen Charakter verliert, da die Majorität nicht mehr verlangen darf, daß die Minorität für sie steure. Daher wird Sie eine Entscheidung unserer zweiten Kammer in ihrer 158sten Sitzung interessiren. Die Tagesordnung führte nämlich zur Berathung des Baum'schen Kommissionsberichts über den Gesetzesentwurf, die Verhältnisse der Volksschulen in Gemeinden gemischten Bekenntnisses betreffend. Auch dieses Gesetz, dessen erster Artikel lautet: „In einer Gemeinde, in welcher verschiedene Bekenntnißtheile getrennte Volksschulen haben, kann die Vereinigung derselben stattsinden, wenn die Mehrheit der Gemeindebürger und staatsbürgerlichen Einwohner eines jeden Bekenntnißtheiles in getrennter Abstimmung, dieselbe mit absoluter Stimmenmehrheit beschließt, und die oberste Schulbehörde sie genehmigt. In diesem Falle werden die Einkünfte der zu den verschiedenen Schulen gehörigen Fonds und Dotationen gemeinschaftlich verwaltet, diese selbst aber als besondere Vermögenstheile erhalten," wurde nach ausführlichen Debatten, wobei Zell den Antrag stellte, Solches zu verwerfen, mit allen Stimmen gegen drei mit wenig Abänderungen angenommen. Stuttgart, 26. Marz. Man weiß, daß neben den allgemeinen staatsbürgerlichen Rechten und Pflichten Nichts bedeutender für die Gleichstellung der Juden ist, als die Verfassung der Ortsgemeinden, und es ist bekannt genug, wie man sich an vielen Orten daran klammert, um den Juden ihre Gleichstellung zu verkümmern. (So noch in Baden.) Württemberg ist jetzt auch hierin vorangegangen, und darum wird folgender Bericht der D. Z. hier seine rechte Stelle haben. „Die Kammer hat in ihren beiden letzten Sitzungen, vorgestern und heute, einen Gegenstand von hohem Interesse, eine Reihe sehr tief eingreifender Abänderungen und Ergänzungen der Gemeindeordnung verhandelt, bei welchen sich der Einfluß der Grundrechte bereits bemerkbar macht, und welche vielfach selbst über die Grenzen des engern Vaterlandes hinausreichen. Der durchgängig höchst freisinnig gefaßte Entwurf der Regierung überträgt zuvörderst allen volljährigen Gemeindegenoffen, welche in dem Gcmeindebezirke ihren Wohnsitz haben und irgend eine Steuer an die Gemeindekasse zahlen, die gemeindebürgerlichen Wahl- und Wählbarkeitsrechte; räumt

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.