Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 13 (1849)
- Issue
- Heft 3 (15.1.1849)
- Date
- 1849-01-15
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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XIII. Jahrgang. No. 3. Allgemeine Zeitung des Zu-cnthums. unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Redakteur Dr. Ludwig Philippfon, Rabbiner zu Magdeburg. Verlag von Baumgärtners Buchhandlung zu Leipzig. Leipzig, den 15. Januar 1849. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Montags, und wird jährlich 96 Bogen in Quart inkl. des Titels, Registers u. s.w. umfassen. Ln Gemäßheit des Zweckes derselben die allgemeinste Verbreitung zu geben, ist der Preis äußerst niedrig: mit 3 Thlr. für den Jahrgang; — 1 Thlr. 15 Ngr. (l Thlr. 12 gGr.) für sechs Monate — 22.L Ngr. (18 gGr.) für das Vierteljahr angesetzt worden. Alle Buchhandlungen, Postämter und Ieitungs-Erpeditionen nehmen Bestellungen an; der Hauptspcdition für beide Letztere hat sich die königl. sachs. wohllöbl. Zeitungs-Expedition allhier unterzogen. Inhalt. Leitender Artikel: Die Juden im österreichischen Kaiserreiche. Zeitungsnachrichten: Deutschland: Berlin, Wtck, aus Pommern, Magdeburg. Frankfurt a. M., Frankfurt a. M., Frankfurt a. M., Lübeck, Wien, Wien, Krakau, Prag, aus Oesterreich, aus Baiern, aus Baden. Frankreich: Paris, Paris, Bern. Galizien: Lemberg. Korrespondenzen: Geschichte der einzigen jüdischen Familie in Krain, Karnthen und Stehern,ark. (Fortsetzung.) Leitender Artikel. Magdeburg, 7. Januar. Die Juden im österreichischen Kaiserreiche. Die Gleichstellung aller Konfessionen, wie sie sich insbesondere in der Gleichstellung der Juden vollendet, nimmt ihren Weg von Westen nach Osten. Sie trat zuerst in Nordamerika auf, fuhr dann über das Meer nach Frankreich, ging von hier nach Holland und Belgien, überschritt dann den Rhein und die Alpen. Wenn sie daher auch noch in England nicht vollständig, wenn Spanien, Portugal, Neapel und Rom noch nicht zu ihr gelangt sind, so hat sie doch in Deutschland, in Sardinien und Toskana im verflossenen Jahre die bedeutendsten Schritte gethan. Hier aber hat sie einstweilen noch ihre Grenze gefunden. Wie wird es ihr in Oesterreich ergehen? In der ersten Halste des vergangenen Jahres schien dies nicht zweifelhaft. Die Proklamationen der Regierung, die Verfassungsentwürfe sprachen sie aus. Seitdem hat sich aber die Zeit bedeutend rückwärts gewendet. Die Ungarn waren es zuerst, die sie wieder in Frage gestellt, indem ihr Reichstag zwar die Emanzipation der Juden in ihesi zugestand, aber ihre praktische Ausführung auf zukünftige Zeiten verschob — ein noch nie dagewesener Beschluß. Nach dem durch die Katastrophe in Wien bewirkten Umschwung thut sich aber auch in den übrigen Theilen des Kaiserstaats ein anderer Geist kund. Nicht von Seiten der Regierung, die soeben einen Schritt weiter gethan, indem sie die Rubrik Religion aus den Passen entfernt hat. Aber auf dem Reichstage in Kremsier eröffnen sich bedeutende Schwierigkeiten. Drei Sektionen haben sich dagegen erklärt. Sobald auf diesem Gebiete erst ein Schritt geschehen, das lehrt uns die Erfahrung, sobald die Gegner erst wieder Muth gefaßt, sich zu äußern, so bleibt das Weitere nicht aus, und bald werden die Gegenadressen heranfliegen. Tyrot sperrt sich gegen jede Zulassung eines andern Kultus, als des römisch-katholischen. Die österreichischen Erzbischöfe protestiren gegen die Gleichstellung der akatholischen Religionsparteien; in Galizien beginnt man gegen die Juden zu rumoren; den Czechen sind die Juden als deutschgesinnt verdächtig. Grund genug, schwere Befürchtungen zu hegen. Würden die Kundgebungen sich noch vermehren, so werden jedenfalls Einflüsse auf den Reichstag nicht ausbleiben, und dessen Beschlüsse sehr fraglich machen. Soll die prager Gemeinde doch schon Deputirte nach Kremsier gesandt haben.