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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1847-12-20 · Heft 52 (20.12.1847) · p. Seite 754

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
11 (1847)
Issue
Heft 52 (20.12.1847)
Date
1847-12-20
Page
Seite 754 (sequence 2)
Language
German
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754 Da ist «s zuerst Gro ßbritanien, an dessen Pforte wir mit einer großen Mahnung stehen. Die Banqueroute waren freilich in England in jüngster Zeit auf eine erschreckende Weis« in der Tagesordnung, wird es daher auch an der Judenfrage banquerout werden, und seine Zahlung einstellen? DaS Unterhaus wird allerdings auf Abtragung dringen, und da sowol die Whigs als auch die Konservativen, Peel, Bentinck, d'Jsraeli für die Zulassung stimmen werden, so wird eine ungeheure Majorität dafür sein. Aber das Oberhaus stehet hierin in keinem guten Gerüche; die Bischöfe werden ex ollieio, die Torys aus Antipathie dagegen sein, und Regierung und Volk werden wahrscheinlich geschlagen werden. Es ist freilich noch immer besser mit Regierung und Volk zu fallen, als allein im Oberhause zu siegen — indeß unangenehm bleibt es doch. Diese Erbschaft wird also das neue Jahr baldigst flüssig machen, und es ist nur zweifelhaft, ob Etwas dabei herauskömmt. Eine andre Erbschaft erwarten wir noch in Ungarn. Hier war freilich das Jahr 1847 sehr vorsichtig, indem es sich auf Versprechungen gar nicht eingelassen. Es hat hier seinem Nachfolger allerdings einen Kreditbrief ausgestellt, indem es ihm einen großsinnigen Reichstag übergeben, eine Instanz, die sich immer zu Etwas entschließen könnte: allein in dem Kreditbriefe ist weder Höhe der Summe, noch Zeit der Zahlung angegeben — d. h. es liegt dem Reichstage keine Motion, sondern nur eine, schon an sich verunglückte Petition vor, und so ist es überhaupt fraglich, ob die Judensache bei diesem Reichstage zur Frage kommen werde. Bestimmter lautet die Erbschaft von dem, soeben verabschiedeten baier'schen, außerordentlichen Landtage. Nachdem der vorige schon auf einen Gesetzentwurf angetragen, die Regierung aber im Landtagsabschiede sehr ungewiß geantwortet, so hat der diesmalige Landtag seine Bitte peremtorischcr gestellt, und es kann daher nicht fraglich sein — daß ein nächster Landtag darüber verhandeln werde. Handelt es sich aber hier immer nur um Anweisungen, die in diesem Jahre ausgestellt worden, so muß der bevorstehende badische Landtag schon Bestimmteres leisten. Derselbe hat so bedeutende, entschiedene Hoffnungen selbstthätig geweckt, daß es für ihn eine Schande wäre in den Leistungen zurückzubleiben. Hier gilt es also sicher Etwas. Von Italien, erlauben wir uns, nicht zu sprechen. Ob aus dem italienischen Chaos das kommende Jahr in Toskana und Rom auch für die Juden ein Stück „festes Land" Hervorrufen werde, wissen wir nicht, da die italienischen Schöpfungsarbeiten noch sehr vom brausenden Winde „leerer Worte" beschwebt werden. Daher betreten wir lieber sofort das uns vertraute Gestade unsres preußischen Vaterlandes. Eine Erbschaft hat das Jahr 1848 hier in dem neuen Gesetze vom 23. Juli e. sicherlich erhalten — wie viel es davon zahlbar machen werde, dies muß sich zeigen. Die Habilitirung jüdischer Dozenten an der berliner Universität, die Erlaubniß für solche, auch an den anderen Universitäten sich habilitiren zu können, die Zulassung jüdischer Aerzte zu Kreisphysikate», die Anstellung von Juden in Aemtern, die nicht in die drei AuSnahmskategorieen gehören, die unbeschrankte Freizügigkeit, die wirkliche Ausführung der vom Gesetze vorgeschriebenen Gemeindcverfassung, die Abschaffung deS EideS mors jullaioo — dies sind die bedeutendsten Momente, welche daS neue Gesetz in Aussicht gestellt hat, und die das Jahr 1848 feststellen und sicher gestalten muß. Hoffen wir, daß dieses Jahr nicht allzuknauserig darin verfahren werde — vielleicht giebt es mehr, als wir erwarten. Doch halt — bald hatte ich vergessen, nach dem Norden zu blicken. Hat nicht Schweden auch seine Judenfrage zu lösen? Allerdings. Und die Juden selbst haben in der Person der Gemeindevorstande nicht gezögert zu mahnen. Aber der jetzt versammelte Reichstag ist in Schweden selbst so schnell für die bedeutendsten Angelegenheiten — die Verfassung — in Mißkredit gekommen, daß wir im Auslande seine Zahlungsfähigkeit kaum anzusprechen unS getrauen. — Sollten unsere Leser nach dieser kurzen Expektoration über die Schulden, die Andere an-uns zu zahlen haben, nicht auch fragen: haben wir keine zu entrichten? Freilich! mag so Etwas stattfinden, nur daß man wirklich ein kurzes Gedächtniß für seine Gläubiger hat. Man könnte sagen: Ihr habet nun wirklich einmal im Jahre 1843 aller Orten den vernachlässigten und verfallenen Kultus wieder aufzurichten, nachdem so viele Hundert von Bogen darüber verschrieben worden sind — ich kann nicht Nein! sagen. Man könnte sagen: Ihr habet nun wirklich eine nicht geringe Zahl veralteter Gebräuche aufzugeben, die bei Euch selbst nicht mehr in Ansehen und Würde stehen, nachdem so viele Debatten darüber stattgefunden — ich werde nicht Nein! sagen. Man wird sagen: Es ist durchaus nothwendig, daß sich in Euch dafür ein immer lebendigeres Bewußtsein des Wesens Eurer Religion

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