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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1847-11-29 · Heft 49 (29.11.1847) · p. Seite 716

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
11 (1847)
Issue
Heft 49 (29.11.1847)
Date
1847-11-29
Page
Seite 716 (sequence 4)
Language
German
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716 der jüdischen Gemeinde zu bleiben, und ebenso seinem Kinde dies Gemeinderecht zu erhalten. Ob er es beschneiden lasse oder nicht, darüber glaube er keine Erklärung schuldig zu sein. Diese Vernehmung ward vom Senate dem jüdischen Gemeindevorstande zugesandt mit dem Gesuch, sich darüber zu erklären. Der Gemeindevorstand, die große Meinungsverschiedenheit seiner 9 Mitglieder berücksichtigend, gab nicht das Resultat einer Abstimmung, sondern blos ein Protokoll, worin jeder Einzelne seine besondere Meinung niedergelegt hatte. Unterdessen war von konservativer Seite bei diesem Vorstände eine von 4 bis 600 Gemeindemitgliedern Unterzeichnete Verwahrung eingereicht worden, in der sie gegen die Einregistirung des Kindes und dessen Aufnahme in die Gemeinde protestiren. Andererseits war eine Supplik an den Senat von 120 Personen, unter denen sogar ein Vater, der am folgenden Tage eine Berit mila hielt, verfaßt und unterschrieben worden, worin sie um Aufnahme jenes Kindes bitten und ausdrücklich erklären, sie beabsichtigten keineswegs, sich gegen die Beschneidung auszusprechen, sondern nur Gewissensfreiheit für Jeden verlangen, und nicht unerwähnt lassen, daß, was auch von anderer Seite möge künstlich hervorgeholt werden, Niemand ausdrücklich würde behaupten wollen, der unbeschnittene Svhn jüdischer Eltern sei deshalb schon im Allgemeinen kein Jude mehr. Gegen den oben refcrirten Beschluß des Senats ist nun von konservativer Seite protestirt und auf weitere Untersuchung des Gegenstandes angetragen worden, worüber nun Entscheidung zu erwarten steht. Zwischen den Liberalen ist man getheiltcr Meinung, ob es denn eigentlich gar auf eine theologische Entscheidung ankäme, das heißt, ob der Staat, Falls selbst die jüdischen Gesetze die Beschneidung, was ja bekanntlich nicht der Fall ist, als Bedingung derAufnahme erheischten, nicht sagen müßte: ich habe mich um eure inneren Symbole nicht zu kümmern und nehme jeden Juden, der nicht zu einer andern Religion getreten ist, als Juden. In einer der hiesigen Klausen wird von einer Anzahl frommer Männer ein freiwilliger Fasttag begangen. Uebrigens haben die Leiter der hiesigen orthodoxen Partei sich alle Schuld selbst beizumessen; der, wer sich jeder Reparatur seines Hauses feindlich widersetzt, der hat kein Recht sich zu beklagen, wenn ihm die Balken auf den Kopf fallen, und schwerlich hat eine Partei je so wenig zur Erhaltung und Förderung ihrer Sache gethan als diese. Der Tempel, zu dessen Mitgliedern der Anlaßgeber nicht gehört, hat von vielen Jahren her einen Beschluß, daß keine Knaben ausgesegnet werden, von deren Beschneidung nicht etwa durch Chasan und Küster oder sonst Zeugniß vorhanden ist. Unser geistlicher Beamter, Herr Bernays, hat sich bisher, sehr gegen den Wunsch der Konservativen, noch auf keine Weise, weder öffentlich noch privatim in die Sache gemischt. Eine sonderbare, theils lächerliche, theils odiöse Rolle spielen Einige von den völlig Indifferenten, die gerade in dieser Sache zu den eifrigsten Fanatikern halten, als ob es in ihrer Wahl stehe, aus der großen Masse der jüdischen Observanzgcbote sich eine einzige auszusuchen und diese, die ihnen eben konvenirt, von Anderen zu verlangen, sich selbst aber ähnliche Zumuthungen zu verbitten. Im Grunde, abgesehen von der Frage der Gewissensfreiheit, die immer obenan stehen muß, weiß in dieser Sache kein Mensch recht was er will; denn was hat der Vater davon, wenn er für sein Kind den leeren Namen eines Juden erzwingt, der doch immer nur ein leerer Name — und auf wie lange — für dasselbe bleiben wird; und was haben die Konservativen davon, gerade in diesem Punkt die allgemeine israelitische solidarische Bürgschaft zu vindiziren, die sie doch in allen übrigen Punkten längst aufgegeben haben? Im vorigen Monat hat denn endlich unsre „Gesellschaft für soziale und politische Interessen der Juden" ihre erste Generalversammlung gehalten. Der Präses, Herr Di-. Ree, verlas im Tone eines Triumphators einen Bericht über lauter mißlungene Versuche, die, mirabili dictu, nur etwa 2300 Mark gekostet hätten. Wie gewöhnlich war auch diesmal dieser Redner von den Wunderthaten seiner Schöpfung so ergriffen, daß er in naiver Begeisterung vergaß zu erwähnen, es gäbe hier und anderwärts seit etwa 25 Jahren schon Vereine zur Beförderung von Handwerken, die an Geld etwa 100,000 Thlr. verausgabt haben mögen. Ebenso sprach er von den vergeblichen Mühen, die der Verein gehabt, um hier jüdische Dienstmädchen entstehen zu lassen, obgleich es deren hier an 600 giebt. Bisher ist das Einzige, was man von den Wohlthaten dieser Gesellschaft rühmen kann, die wirklich nützliche Einwirkung der freien Zusammenkünfte auf die öffentliche Meinung. Daß auch ihr Blatt, der Phönix, dieselbe Wirkung hervorbringe,

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