Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 11 (1847)
- Issue
- Heft 47 (15.11.1847)
- Date
- 1847-11-15
- Page
- Seite 690 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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690 Minsk, 26. Oktober. (Privatmilth.) Am 15. November werden hier zwei israelitische Schulen feierlich eingeweiht, in denen die heil. Schrift, Mischna, Rambam, Religionslehre, die russische und deutsche Sprache, Arithmetik, Geographie, Geschichte, Schönschreiben und Zeichnen gelehrt werden sollen. Hingegen soll fortan weder in der Talmudtora, noch in den neuen Schulen ein Jude als Aufseher zugelaffen werden, so daß auch Herr David Lurie bereits von seiner Stelle entlassen worden. Schweden und Norwegen. Stockholm, 22. Oktober. Heute haben die Mitglieder der hiesigen mosaischen Gemeinde in Gegenwart des norwegischen Staatsministers Due das Denkmal eingeweiht, welches sie im Verein mit ihren Glaubensgenossen in Norrköping, Gothenburg und Kopenhagen dem Dichter Henrik Wergeland, der bekanntlich als Schriftsteller für die Juden sehr wirksam war, gewidmet haben und welches in Christiania ausgestellt werden soll. Dies Denkmal besteht aus einem Tempel im gothischen Stile, in dessen Mitte sich das Brustbild des Dichters befindet und ist von gegossenem Eisen. Italien. Rom, 25. Oktober. Die in einigen Städten des Kirchenstaates begonnene Einschreibung der Juden in die Listen der Guardia Civica ist auf Betreiben des Sant-Ufsizio (der Inquisition) verboten worden. (Man sieht also, daß in Sachen der römischen Juden der Papst bald das Veto des Pöbels, bald das Veto der Inquisition zuläßt, und so kann man sich denken, was daraus wird! Red. d. A. Z. d. Jud.) Deutschland. Hamburg, 25. Oktober. (Fr. I.) Es besteht hier seit einem Jahre unter dem Namen „Gesellschaft für soziale und politische Interessen der Juden" ein Verein, der es sich zur Aufgabe gestellt, eine innigere Annäherung zwischen den durch jahrhundertlange Vorurtheile getrennten Konfessionen anzubahnen und Beide, den Juden besonders zum Segen und Gewinn, als Menschen einander immer näher zu führen. Gestern fand im großen Saale der Tonhalle die erste Generalversammlung statt, zu der einflußreiche Männer aus allen Kreisen, Tagesschriftsteller und Freunde des Fortschritts eingeladen waren. Herr Dr. Röe gab einen pragmatischen Bericht über die bisherige Wirksamkeit der Gesellschaft, die in mehr als einer Hinsicht höchst erfreuliche Ergebnisse liefert. Der anfänglich aus drei Männern bestehende Verein ist im Laufe eines Jahres zu einer Anzahl von 400 Mitgliedern gewachsen; die Luft der Oeffentlichkeit mag nicht wenig dazu beigetragen haben. Wie Herr Ree auseinandersetzte, hat man sich bemüht, einestheils auf dem Wege der Belehrung und Verständigung die Begriffe des Volks — denn auf diesem ist das Ganze begründet — aufzuklären und für Gewissensfreiheit zu wirken — anderntheils hat man allerlei Agitationsversuche gemacht — wie der Redner es nannte — um immer größere Theilnahme zu erregen. Die meisten Versuche für Verbesserung der sozialen Stellung der Juden sind von Erfolg gewesen; so hat die Gesellschaft versucht, um die niedere jüdische Bevölkerung allmälig dem Schacher zu entwöhnen, jüdische Quartiersleute anzustellen, Juden bei Handwerkern in die Lehre zu geben und dieselben auch bei anderen bürgerlichen Gewerben zu betheiligen. Als Zweigvereine dieses Stammes möge die von dem patriotischen Herrn Wichmann hervorgerufene (schon früher von mir erwähnte „Nachweisungsanstalt für Arbeitsuchende" und der Verein zur Hebung des Gewerbstandes „die freie Innung"), welche Beide das beste Gedeihen versprechen, hier beiläusig erwähnt werden. Später redeten noch Herr Dr. Lazarus, der über den Kaffenbestand Bericht erstattete, und Herr Dr. Wolffsohn. Würzburg, 21. Oktober. (W. Abendbl.) Es kursiren gegenwärtig zwei gedruckte Zirkulare, ausgegangen von einigen angeseheneren Bewohnern, unter den israelitischen Glaubensgenossen, welche die Aufforderung zur Bildung eines Vereines enthalten, um die Aera einer Emanzipation vorzubereiten. München, 1. November. Eine Vorstellung der Vorstände als Vertreter der israelitischen Kultusgemeinde hier an die Kammer der Abgeordneten, „die Verhältnisse der israelitischen Glaubensgenossen betreffend", die sich der Abg. königl. Rath Ney als Antrag angeeignet hat, lautet folgendermaßen: