Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 11 (1847)
- Issue
- Heft 44 (25.10.1847)
- Date
- 1847-10-25
- Page
- Seite 659 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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659 Israeliten, am Versöhnungstage, aus eine solche Weise Kanzelvorträge gehalten werden, wie das kürzlich der Fall war, deren nähere Beleuchtung aber nicht vor dies Forum gehört. Dem Vernehmen nach hat der geehrte Redner eine anderweite Versorgung erhalten, welche derselbe bald antreten wird, was für ihn und die hiesige Gemeinde das Wünschenswerlheste sein wird. Frankfurt am Main, 15. Oktober. (Privatmitth.) In Deutschland erlangt die Judenfrage, je länger ihre Lösung aus sich warten läßt, eine desto größere Bedeutsamkeit. Sie wächst, so zu sagen, dem ganzen politischen Leben in Deutschland in das Fleisch, und verwächst mit allen Fragen die das Leben bewegen. Freilich! wird sie gerade dadurch auch manchmal aufgehalten; andrerseits aber wird es dadurch kommen, daß man sich für sie entscheiden muß, sobald erst die anderen Fragen zu beantworten sein werden. Man sieht es in Hamburg, man sicht es jetzt hier. Die Frage der Judenemanzipation läßt sich von der der Gewerbefreiheit gar nicht trennen. Was hieße, den Juden das ganze gewerbliche Leben öffnen, wenn nicht zugleich das gewerbliche Leben geöffnet wird und die Schlagbäume des alten Zunftzwanges fallen? Darum sind aber die, welche in der Gcwerbefreiheit zu verlieren wähnen, die Feinde der Emanzipation, so wie sich die Gegner dieser den Feinden jener zugesellen. Und dieser sind in den deutschen freien Reichsstädten nicht Wenige; wenigstens nicht ohne Gewicht, da sie ihre Reihen besonders unter den Bürgern haben, denen die Wahl zu den höheren Behörden zusteht, und die sich nun hüten, Männer zu wählen, welche der freisinnigen Partei zugchören. Wir werden daher auf eine Zeit hingewiesen, wo der aufgeklärte Sinn in diesen Kreisen der Bürgerschaft gewachsen sein wird. Und wir wollen nicht darüber ungeduldig sein. Eine Emanzipation, die wie ein Stück Neuzeit unter den alten Wartlhürmen des Mittelalters stände, würde wenig Leben und Stärke haben. Sie kann nur rüstig und thatkräftig sein, wo der ganze Staat blüht und treibt. M t einem bloßen Stück beschriebenen Papieres wäre uns wenig geholfen. Miszellen. Außer den Israeliten selbst giebt es noch bedeutende Monumente für ihre Geschichte. Diese Denkmäler stammen aber stets aus den Zeiten ihrer Knechtung; denn die Denkmäler, die sie in ihrer Freiheit schufen, vertheidigten sie also mit ihrem Blute, daß sie mit ihnen untergingen. Diese Monumente stammen aus der Zeit, bevor die Israeliten das heilige Land betraten, und aus der Zeit, nachdem sie es verlassen hatten. Sie sind: Pyramiden in Egypten und — das Kolosäum in Rom. — Josephus berichtet, daß die Israeliten in Egypten an den Pyramiden gebaut. Man hat dies in Zweifel gezogen, da die Pyramiden aus Stein seien, und die Schrift nur von Arbeiten in Ziegeln spreche. Allein dies ist ein Jrrthum, denn man hat in neuerer Zeit auch Pyramiden von Ziegeln ausgesunden, und zwar bei Faioum; alle Zeitberechnung lauft aber dahinaus, daß die Pyramiden bei Faioum zur Zeit des Aufenthalts der Israeliten in Egypten errichtet worden sind. (S. Weiteres in unserm Bibelw. I. S. 296.) Aber lasten wir die Pyramiden, und gehen nach Rom. Viele haben die ungeheueren Ruinen des Kolosaums daselbst in ihrer Großartigkeit schon bewundert, ohne zu wissen, daß der Schweiß der von Titus nach Rom geführten gefangenen jüdischen Jugend der Mörtel dieser Steinmasten war. Wie die höhere, allgemeine Bestimmung Israels sich stets zum Theil in der Opposition erfüllen mußte, so gewahrt man dies auch oft in speziellen Verhältnissen. Jüdische Gemeinden stritten sich einst lebhaft, ob man die Tora hebräisch oder griechisch vorlesen solle. Der Streit ging bis an den oströmische Kaiser, und der entschied für das Griechische-alsbald dachte man nicht mehr an das Griechische, und das Hebräische blieb der Alleinsieger. Also wird es jetzt mit der religiösen Trauung gehen, und nun in Preußen für die Juden, aber nur für die Juden, die Zivilehe eingeführt ist, werden sie erst den rechten Werth der religiösen Trauung erkennen, würdigen, und diese eifrigst festhalten.!