Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 11 (1847)
- Issue
- Heft 44 (25.10.1847)
- Date
- 1847-10-25
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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XI.Jahrgang. Allgemeine No. 44. Zeitung des Zudenthums. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Redakteur Verlag von Dr. Ludwig Philipps»», Baumgärtners Buchhandlung Rabbiner zu Magdeburg. ju L eip zig. (Mit königl. sächsischer allergnädigster Konzession.) Leipzig, den 25. Oktober 1847. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Montags, und wird jährlich 96 Bogen in Quart inkl. des Titels, Registers u. s. w. umfassen. In Gemäßheit des Zweckes derselben die allgemeinste Verbreitung zu geben, ist der Preis äußerst niedrig: mit 3 Thlr. für den Jahrgang; — 1 Tblr. 15 Ngr. (1 Thlr. 12 gGr.) für fed()£ Monate — 22i Ngr. (18 gGr.) für das Vierteljahr angesetzl worden. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zeitungs-Expeditionen nehmen Bestellungen an; der Hauptspedition für beide Letztere hat sich die königl. sächs. wohllöbl. Zeitungs-Expedition allhier unterzogen. Inhalt. leitender Artikel: Eine Schlußfestpredigt. Zeitungsnachrichten rGroßbritanien: London. Preußen: Magdeburg, Berlin, Magdeburg, Berlin, Unna, Berlin, Leest. Oesterreich: Preßburg. Deutschland: Kassel, Frankfurt am Main. Miszellen. Leitender Artikel. Magdeburg, 17. Oktober. j Eine Schlußfestpredigt.! -im täk bs:: i*:r,‘b *)pi5 -inrrr 'n | „Gepriesen sei der Ewige, der Ruhe seinem Volke Jisrael! gegeben, ganz so wie er geredet." Dies waren die Worte des Königs Schetomo, da er am heutigen Tage Jisrael von der Weihe des Tempels entließ, wie die Haphtora, die wir soeben verlesen, uns bemeldet. „Gepriesen sei der Ewige, der Ruhe seinem Volke Jisrael verliehen!" Meinte der weise König jene äußere Ruhe damit, als das Volk im Besitze des heiligen Landes war, im ruhigen Genüsse besten, was es spendete? Es kann sein. Aber wie kurz war diese Ruhe; denn schon nach Schelomo's Tode zerbrach das Reich in zween Stücke, und der Egypterkönig Schischack nahm Jeruschalajim ein und plünderte es, und von dannen gab es keine Ruhe, nicht für Juda, nicht für Jisrael, bis zu ihrem Untergange. Und wir, wissen wir es nicht, daß bei aller äußern Fülle die Unruhe oft genug in unseren Geistern wohnet? daß oft genug, wenn uns weder Habe noch Genuß fehlet, doch die stille Sicherheit des Herzens mangelt, so daß der leise und leichte Flügelschlag des Friedens unsere Seele nicht erquicket? Fürwahr, nur wo die Ruhe in unsern Geist gekommen, wo Gedank' und Gefühl am festen Anker der Ueberzeugung und Zuversicht liegen — mag es auch draußen stürmen, und die Frostschauer des Winters über uns hereinbrechen — nur dann können wir sprechen: iimra i:b ]nD ‘nm 'rr hpl-n. Also möchte wol der weise König die höhere Ruhe, die Ruhe des Geistes, den Frieden der Ueberzeugung, die Sicherheit der Erkenntniß, die Festigkeit der Lehre gemeint haben, die Gott dem Volke Israel verliehen, und durch die ihm Ruhe, innere Ruhe ward, während die Stürme der Zeiten um dasselbe tobten und äußere Gefahren es umrangen. Meine Freunde! wenn ich am heutigen Schlußfeste die Rede beginne, zu Euch zu sprechen in der Schlußstunde der Feste: dann ist es immer ganz besonders mein Wunsch, Euch ein Wort der Ruhe mitzugeben in die Reihe der kommenden Tage; solch ein Wort, das Ruhe schaffe in die bewegten Geister, und für schwankende Seelen ein Anker der Führung werde auf einige Zeit. Aber zur Ruhe gelangt man nur aus der Unruhe, aus der Wirre zur Lösung; und gerade darum fordere ich Euch heute auf, mir zu folgen in die Betrachtung eines tiefsinnigen Prophetenspruches, Amos 8, 11. 12., der da lautet: „Siehe, Tage kommen, spricht der Herr, der Ewige, da send' ich Hunger in's Land, nicht Hunger nach