Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 11 (1847)
- Issue
- Heft 43 (18.10.1847)
- Date
- 1847-10-18
- Page
- Seite 636 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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- Oran 1× ep/1048048
- Sousse 1× ep/1045746
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636 europäische Kostüm oder das tunesische mit dem rochen SchaSchia. Die anderen Juden sind Mostarabi, d. h. von arabischer Abstammung. Beide zusammen haben 6 große und einige 20 kleine Synagogen. Sie wissen, daß der Bey freisinnig genug ist, Juden im Staatsdienste anzustellen. Die angesehensten Juden im Dienste des Bey sind: Kaid Jousaf Schanamah, Großofsizier des tunesischen Ordens, Mosche Burgel, Offizier, und Salomon Schunainah, Ritter; das ganze ärztliche Personal des Bey besteht aus Juden; der Chef, Dr. Lambros Großofsizier, Dr. Castelnuov Offizier, und Nissim Weiß Ritter; alle sind Tunesier, die Aerzte gehören den Gouri's an. Die Juden haben nicht nur den ganzen Handel in ihren Händen, sondern sind auch Schneider, Schuster, Zeugschmiede, Gold- und Diamantenarbeiter, Färber, jedoch nur in rother Farbe, in grüner, der Farbe Mohammed's, ist es ihnen untersagt. Obgleich sie ein eigenes Quartier haben, die OHara genannt, können sie wohnen, wo sie wollen. Die Gaulitte hat 300 Juden, Susa 500 und 2 Synagogen, Monastir 300 und 1 Synagoge, Med iah 50 und keine Syn., Sfax 2000 und 2 Syn., Djerbah 4000 und 5 Syn., Bizcrtah 500 und 1 Syn., Porta-serina 150 und 1 Syn., Kess 400 und 1 Syn., Ras-el-Djebel 500 und 2 Syn. Bei den Metualid im Innern vonTunis giebt es viele Juden, die eben so leben wie diese wilden Stämme, und Krieg führen; doch ist diesen der Ackerbau untersagt. Einige unter ihnen haben Handelsverbindungen mit Gadaing in Goldstaub, Straußenciern und Elephantenzähnen. Die nähere Ausführung alles Dessen werden Sie in meinem großem Berichte erhalten. In Algerien habe ich diesmal alle Orte und Stämme im Innern untersuchen können; von Tlemzen an, wo ich das mxo *ied von aan"), vielleicht das einzige noch existirende Exemplar — leider fehlen die ersten Blätter — fand und mitbrachte, bis an das andere Ende blieb kein Ort unbeachtet. In der Provinz Oran fand ick bedeutende Fortschritte; in Mostagancm unter 2400 Juden nicht eine arme Familie. Bei den Kabylen, besonders zwischen Bougie und Setif, welcher Theil vom General Bedeau zum ersten Male durchzogen ward, traf ich auf mehre Dörfer, die nur von Juden bewohnt sind, welche wie die Kabylen gekleidet sind, Kopf und Füße bloß, Landbau treiben, Krieg führen, aber mit Frankreich jetzt Aman, d. h. Frieden geschloffen, und versprochen haben, die Konvoi's vom Seehasen Bougie nach Setif unversehr geleiten zu wollen. Ich werde in meinem größern Bericht die Aufzählung nach Stämmen und Zelten geben. Ungefähr 150 schwarze, meist bekehrte Juden leben in den französischen Besitzungen zerstreut; sie sagten mir, daß in Tombutku sowol als in Ganola große Gemeinden wohnen, die man dort Muschir nenne. (S. No. 38 d. Zeit.) Es versteht sich von selbst, daß eine Kenntnißnahme dieser jüdischen Bevölkerung allein uns nicht genügen könne; sondern es handelt sich auch darum, für die außerhalb Algeriens im ganzen Oriente wohnenden Juden europäische Schulen zu gründen, um die großen, in ihnen ruhenden geistigen Fonds zur Entwickelung zu bringen, und für diese die nothwendigen Gelder zu erlangen. Am Passendsten schien es mir deshalb, eine „8ociete israelile pour la Conservation de Ja Science et la propagation de l’instruction" (israelitische Gesellschaft zur Pflege der Wissenschaft und Verbreitung des Unterrichts) zu gründen. Denn in Europa muß die Wissenschaft zugleich genährt, im Oriente der Unterricht verbreitet werden. Die dortigen Gemeinden selbst fühlen das lebhafteste Bedürfniß; so habe ich in Tunis allein für die Schulen 1500 Frks. jährlicher Subskriptionen erhalten; das Haus Rothschild hat zur Realisirung dieser Idee seit längerer Zeit 50,000 Frks. (13,333^2 Thlr.) bestimmt. Sehr viele meiner Freunde sind schon mit bedeutenden Summen jährlich beigetreten. Ich habe zu diesem Zwecke in der pariser Synagoge am zweiten Tage Sukkot gesprochen, und dadurch auch viele Subskriptionen erzielt. Doch das Werk ist ein allgemein jüdisches, kein französisches. Ich werde Ihnen daher einige Tage nach dem Feste einen Aufruf, so wie die Ansicht der Statuten übersenden. Für jetzt nur so viel: alle Jahre wird eine Preisfrage über jüdische Wissenschaft gestellt, mit einem Preise von 1500 Frks. (400 Thlr.), wie in den französischen Akademieen. (NB. Hier sind einige Zeilen des Manuskripts völlig unlesbar. Red.) Alle 3 Monate wird eine Lieferung von 100—150 Seiten rein wissenschaftlicher jüdischer Memoiren veröffentlicht, wozu immer als Anhang ein Bericht über die Juden und ihre Anstalten im ganzen Orient. Eine jede Schule, die von mir auf meinen Reisen alle zwei Jahre besichtigt wird, steht unter der Leitung der Direktion, und erhält den Zuschuß, dessen