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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1847-10-04 · Heft 41 (4.10.1847) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
11 (1847)
Issue
Heft 41 (4.10.1847)
Date
1847-10-04
Page
Seite 4 (sequence 20)
Language
German
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4 Mann unterstützt eben durch unedles Spenden Leute, die da Zins nehmen vom Zins der Zinsen! Ach! Sie lächeln, Sie schlauer Fuchs, halten ihn wol selbst für Kapitalist!? Bs! Sie so was sagen! Da könnt'Einer schön ankommen! Spaß abseit, was soll's werden, wie kann unter solchen Hirten der Weinberg gedeihen? Was soll's mit der Hoffnung auf materielles Wohl, auf Besserung und Lösung unserer geistigen und bürgerlichen Fesseln, wenn unsere Vorgesetzten, die Leiter und Führer der Verirrten, täglich in schwerere Bande der Finfterniß uns zu schlagen suchen?! Wird so die Reform, die durch innere und äußere Verhältnisse so dringend verlangte, die von allen Besseren unter uns so sehnlichst gewünschte und erwartete, wird diese, sage ich, auf solche Weise zu Stande gebracht, wird ihr also Vorschub geleistet? Was soll's mit dem Hätscheln und Schmeicheln, was mit der Hoffnung, daß es uns besser gehen soll und kann im Vaterlande, so lange die Regierung nicht für bessere Führer und Lehrer sorgt, so lange sie nicht auch in dieser Beziehung strikte und sür immer einem Prinzipe huldigt, dem nämlich, freier und geistiger Entwickelung unserer Rabbinen in Baiern? Verstummen muß dann das Eulengeschlecht pfäffischer Lügner, die Volk und Regierung weiß machen möchten, daß mit dem Aufgeben eitler und nichtiger Zeremonieen auch der Kern irgend einer Religion zu Grunde gehe. Stumpf und abgenützt sind jene vor einiger Zeit noch mit so gutem Erfolg geführten Waffen, weil die Erfahrung zur Genüge nachgewiesen, daß man solch faules Holz über Bord werfen kann, ohne daß das Herz für's Reelle im Glauben zu erkalten braucht. Da wir leider kein kirchliches Oberhaupt haben, so sollte man wenigstens auf Solche strengeres Augenmerk richten, deren Pflichtvergessenheit aus Theorie und Praxis nachweisbar ist; solches Gelichter möge nicht länger ungestraft sein Unwesen treiben, nicht zernagen den Baum, der unter eines guten Gärtners Pflege noch zu schönen und hoffnungsvollen Früchten berechtigt. Warum nicht wenigstens eine Verordnung, die solchen Individuen befiehlt, von Zeit zu Zeit den Inhalt ihrer Predigten einzuschicken? So nur muß es anders werden, wenn man überhaupt dem Grundsätze zu huldigen aufhört, Rabbiner ohne irgend eine wissenschaftliche Basis anzustellen. Wenn auf der einen Seite ihnen gesetzlich Gymnasial- und Universitätsbesuch auferlegt, auf der andern Seite all Dieses zu umgehen ihnen Vorschub geleistet wird, so daß nach einiger Substraktion solchen Subjekten oft nur dürftiges Deutsch überbleibt, sind wir geschlagener als zuvor. Uns bleiben dann Individuen, die die größte Strafe Derer sind, die sie geistig leiten sollen, denn unwissend wie sie sind, fühlen sie sich nur im Dunkeln behaglich, und unfähig Denen Licht zu spenden, die dessen so sehr bedürfen! Mögen für die Zukunft noch Mehrere sich finden, die um dem Uebel, aus dem in jeder Gemeinde unsäglich andere entspringen, abzuhelfen, die Oeffentlichkeit zu ergreifen sich nicht scheuen; überzeugt, daß es keinen größern Feind für's wahre Judenthum geben kann, als die Verbreiter irriger Lehren, und daß wir überhaupt keine anderen Führer brauchen können, als diejenigen, die sich Recht, Wahrheit und Licht zum Wahlspruch erkoren. Und nun, mein Lieber! auf baldiges Wiedersehn! Von Zeit zu Zeit offenen, unparteiischen Bericht über Vor- und Rückschritte im lieben Schwabenland. Druck von I. B. Hirschfeld.

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