Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 11 (1847)
- Issue
- Heft 40 (27.9.1847)
- Date
- 1847-09-27
- Page
- Seite 604 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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604 der israelitischen Jugend in unserm Lande einen wohltätigen Einfluß üben könnte; allein der folgende Tag sollte ihn auch von dieser Seite vollkommen rechtfertigen. Dieser kam und mit ihr der arme kaposvärer Schuldirektor in das kläglichste Gedränge. Ern einziger Vormittag zerstörte alle Meine Hoffnungen. Daß ich unter den vielen mir vorgeführten Jünglingen auch nicht einen einzigen Lehrer finden konnte, war mir nicht gar zu sehr auffallend; vielleicht hatte ich noch nicht den rechten Wurf gethan. Allein die verderbliche, einen gänzlichen Verfall unseres Erziehungswesens drohende Richtung des ganzen Standes betrübte mich sehr. In früheren Zeiten versah uns größtentheils Böhmen mit Jünglingen, die sich dem Lehrstande, wenigstens auf einige Zeit, mit dem besten Erfolge widmeten. Fanden wir auch da nicht immer gediegenes Wissen, so brachten sie doch geregelte Schulkenntnisse mit, welche sie unsrer Jugend ertheilten. Nun hat sich aber die Szene geändert. Durch das bei uns neuerwachte Nationalleben und das, auch für den Israeliten nothwendig gewordene, nähere Eingehen in die Landessprache sind jene unbrauchbar geworden. Wir sind nun genöthiget, Landeskinder aus den Gymnasien oder philosophischen Kollegien zu holen und denselben das Lehramt zu übergeben und sind dadurch aus dem Regen unter die Traufe gerathen. Wer mit jenen Lehranstalten nur einigermaßen bekannt ist, weiß es nur zu gut auf welcher niedern Stufe der Vollkommenheit diese stehen; wie jede systematische, echt klassische, wiffenschaftliche oder ästhetische Bildung in denselben eine terra incognita ist. Dazu kommt noch, daß jeder sie besuchende Israelit alles biblischen und religiösen Unterrichtes bar wird. Zöglinge solcher Anstalten sollen nun die Erzieher unsrer künftigen Generation werden? — Außer dem übertriebenen Stolze auf eine fast nutzlos vergeudete Schulzeit und größtentheils oberflächliche Kenntniß der Landessprache haben diese keine Ahnung von den Anforderungen der Zeit; keine Ahnung dessen, daß der Israelit neben Erlernung dieser Sprache auch andere nicht minder wichtige Aufgaben zu lösen habe. Schon glaubte ich unverrichteter Dinge nach Hause reisen zu müssen, als ich noch einen Weg einschlug, den ich sogleich hätte betreten sollen. In Pesth besteht nämlich seit 3 Jahren, auf Anordnung der Regierung, eine pädagogische Anstalt, deren Professoren geistlichen Standes sind und in welchen auch Israeliten Aufnahme finden. Dorthin wendete ich mich und mit weit besserm Erfolge, als ich Anfangs erwartet hatte. Wenigstens fand ich daselbst einen Zögling, der sich dem Lehrstande ausschließlich zu widmen gedenkt, was ich bei allen übrigen bisher in Anspruch genommenen Individuen durchaus vermißt hatte, indem diese den Stand blos als Mittel zu den verschiedenartigsten Zwecken zu wählen pflegen, was gewiß unserm aufkeimenden Schulwesen nicht sehr zum Vortheile gereicht. Es kann hier meine Absicht nicht sein, über diese neuerrichtete Lehranstalt irgend ein Urtheil fällen zu wollen. Auch war mein Aufenthalt in derselben zu kurz, um dies allseitig und vollgiltig thun zu können. Die einzige Bemerkung glaube ich mir indessen doch erlauben zu dürfen, daß ich von christlichen Praparanden für die Bildung israelitischer Schulmänner nicht zu viel erwarte. Wol sind die allgemeinen Grundsätze der Erziehung für alle Menschen dieselben; allein die mannigfachen konfessionellen Verschiedenheiten und Nuancen machen es fast unmöglich, daß Beide, wenigstens für jetzt noch, einen und denselben Weg gehen können. Indessen mußte ich doch von zwei Uebeln das kleinere wählen und es der Zukunft überlassen, mein Urtheil zu bestätigen oder zu berichtigen und somit trat ich am 7ten meine Rückreise an, reicher an Erfahrungen, aber desto armer an Hoffnungen. J. B. Anzeiger. In demselben werden Annoncen aller Art gegen 1'/»Ngr. (1 gGr.) Gebühren für die gespaltene Zeile aus Petit-Schrift oder deren Raum sowie literarische, merkantile u. a. Beilagen ausgenommen. Die Verlagshandlung. Bnknnz. Die Stelle des Lehrers, Vorsängers und Schächters in der Gemeinde Scharm deck bei Bremen ist vakant und kann sofort oder Choza Oder besetzt werden. Das Salär beträgt 110 Thlr. nebst freier Wohnung, Licht und Feuerung, so wie auch nicht unbedeutenden Nebeneinkünften. Bewerber wollen sich baldigst mittelst fcankrrter Briefe an den Unterzeichneten wenden. Osterholz, den 10. September 1847. Nathan Cohn, Vorsteher der Gemeinde Scharmbeck. Druck von I. B. HirschfelD. Nebst einer literar. Beilage: Berzeichniß der hebräischen Bücher, welche bei CT. L. Fritzsche in Leipzig zu haben sind.