Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 11 (1847)
- Issue
- Heft 39 (20.9.1847)
- Date
- 1847-09-20
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 3». XI. J-Hrgaug. 2U l g t Ttt ( t Jt f Zeitung des Zu-enthmns. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Redakteur Verlag von Dr. Ludwig Philippfon, Baumgärtners Buchhandlung Rabbiner zu Magdeburg. Leipzig. (Mit königl. sächsischer allergnädigster Konzession.) Leipzig, den 20. September 1847. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Montags, und wird jährlich 96 Bogen in Quart inkl. des Titels, Registers u.s. w. umfassen. In Gemäßheit des Zweckes derselben die allgemeinste Verbreitung zu geben, ist der Preis äußerst niedrig: mit 3 Thlr. für den Jahrgang; — 1 Tblr. 15 Ngr. (1 Thlr. 12 gGr.) für sechs Monate — 22£ Ngr. (li? gGr.) für das Vierteljahr angesetzt worden. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zeitungs-Expeditionen nehmen Bestellungen an; der Hauptspedition für beide Letztere hat sich die königl. sechs, wohllöbl. Zeitungs-Expedition allhier unterzogen. / Inhalt. Leitender Artikel r Einige Literaturbriefe. I. Zeitungsnachrichten: Polen: Warschau. Frankreich: Mühlhausen. Italien: Nom. Großbritanien: Lon-; don. Preußen: Berlin, Königsberg. Deutschland: j Frankfurt am Main, Stuttgart.! Miszellen. i Belletristisches: Das jüdische Herz. (Fortsetzung.) » Leitender Artikel. Magdeburg, 13. September. Einige Literaturbriefe. 1. Mit Recht bemerkst Du, Freund, daß Rezensionen oder Referate eben nur von den einzelnen Erscheinungen in der Literatur Kenntniß geben, indem sie ein der Kritik vorliegendes Werk entweder für sich in seinem Werth oder Unwerth, in seinen Resultaten und seines Gegenstandes Behandlung, oder doch nur im Vergleich mit Werken ähnlicher Act, oder endlich höchstens im Zusammenhang mit dem ganzen speziellen Zweige der Literatur, dem es angehört, betrachten. Sie verschaffen daher immer nur die Kenntniß von einzelnen Werken. Aber eine übersichtliche Betrachtung der neuern Literatur, die Beantwortung der Fragen: wie steht es um die Literatur (ich verstehe natürlich die speziell jüdische) im Allgemeinen? welche .Richtung hat sie eingeschlagen? welche sind die vorherrschenden Tendenzen? Diese geben Rezensionen nicht. Um so wünschmswerther sei es, von Zeit zu Zeit solche Uebersichten zu erhalten. Ich kann es Dir nicht versprechen, Dir ein umfasiendes Bild, eine genaue Charakteristik des jetzigen Standpunktes der jüdischen Literatur zu geben; es erforderte dies ein selbstständiges Werk—und ein Solches in diesem Augenblicke zu schaffen, wäre kaum geeignet, da der Anbau der jüdischen Literatur noch ein so neuer ist, daß überall erst begonnen worden, daß sich die bedeutendsten Gebiete gewissermaßen erst aufgethan haben, und die bleibenden Ergebnisse noch sehr gering sind. Du kannst daher von mir vorerst nur allgemeine Bemerkungen und einige Skizzirungen erwarten. Es gab wol Zeiten, ruhige, sichere Zeiten, wo der Gelehrte und der produktive Geist aus dem Jsolrcschemel seiner eignen Entwickelung saß, und so, ohne von außen Impuls und Bedingung zu erhalten, arbeitete, was ihm sein Genius, sein eigenes Selbst hieß. Diese Geistesprodukte traten dann ruhig in die Welt hinaus, der Geistesverwandte bemächtigte sich ihrer, es knüpften sich neue Arbeiten daran, und so ging es still vor sich weiter; wol entstand auch hie und da eine heftige Polemik über irgend einen Gegenstand; aber auch diese verlief nur zwischen den Literaten selbst, und endigte in der Regel, wenn die Gegner — müde wurden. Unsre Zeit ist eine andre. Wie das geistige Leben in unsrer Zeit überhaupt ein allgemeineres ist, sich nicht auf Einzelne beschrankt, sondern die ganze Masse ergriffen hat; wie ferner es eine Zeit der geistigen Kampfe, des