Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 11 (1847)
- Issue
- Heft 25 (14.6.1847)
- Date
- 1847-06-14
- Page
- Seite 379 (sequence 11)
- Language
- German
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379 wußtscin erzieht. Bekanntlich gehört der elementarische Unterricht des Zudenthums in Rheinpreußen, wie in vielen Provinzen anderer Staaten, noch zu den wenig berücksichten Elementen, obgleich nicht zu verkennen, daß der Weg zu einer bessern Zukunft angebahnt ist. Auch hier gehörte der israelitische Lehrer bis in die neueste Zeit zu den dienenden Subjekten, welche die Gemeinde nach beliebiger Frist und ohne Weiteres entlassen konnte; und daß auf solche Weise wenig Erhebliches geleistet worden ist, noch werden konnte, liegt durch die unzweideutigsten Resultate vor. Vor ungefähr zwei Jahren wurde der Unterricht indessen in die Hände eines von der königl. Regierung ernannten und die desfallsige Prüfung bestandenen Lehrers, des Herrn Heilbronn, gelegt, eines Mannes, der durch feste elementarische Grundsätze, durch wissenschaftliche Bildung, wie durch Charakter die Anerkennung eines jeden Schulfreundes verdient. Es mußte unter solchen Umständen daher schmerzlich empfunden werden, als die Gemeinde in ihren alten Schlendrian mit absoluter Stimmenmehrheit zurückzutreten suchte, und jeglichen Ausweg versuchte, gleich dem Frosche in den Pfuhl zurückzuspringen. Alle Mittel wurden angewendet, den ohnehin schwächlichen und kränklichen Lehrer die Tage zu verbittern — aber vergebens. An dem gesunden Sinne einzelner Gemcindcglieder und der durchgreifenden, einsichtsvollen, hochwürdigen Schulinspektion scheiterte das ganze Unternehmen, vielmehr fand der Gekränkte thätigste Unterstützung an der weisen geistlichen und weltlichen Behörde der Stadt. — Es war derselben die eifrige, durchgreifende Reform des Schulmannes nicht entgangen, der unter unsäglichen Beschwerden und Leiden eine neue Bahn für die Gemeinde gebrochen; und die abgehaltenen halbjährigen Schulprüfungen lieferten die glänzendsten, ich möchte mit den Worten eines gereiften Schulmannes sagen, überraschendsten Resultate. Trotzdem der Unterricht sich über alle clementarischen Fächer, Rechnen, Lesen, Schreiben, Sprachlehre, Geographie, wie hebräische Sprachlehre, Lesen, Schreiben, Religionsunterricht erstreckt, hat die letzthin abgehaltene, für diese Schule unvorbereitete Entlassungsprüfung den Beweis geliefert, daß die Schule des Herrn Heilborn in jeder Beziehung über sämmtlichen der ganzen Stadt Linz, die deren noch vier zählt, steht. — Daß bei solchem Streben die königl. hochlöbl. Regierung im vorigen Jahre ihm eine Unterstützung zur Badekur zufließen ließ, und selbst der Herr Oberpräsident in persönlicher Erkundigung bei dessen letzter Anwesenheit sich nur lobend und ermunternd auszusprechen sich bewog, konnte dem Lehrer wie der Gemeinde nur zur Ehre gereichen. Seitdem diese Angelegenheit bereits früher in dem „Altenkirchener Jntelligenzblatte" in der Kürze erörtert worden, rückt in mancher Beziehung für den Lehrer eine bessere Zeit heran; ein Wunsch belebt indessen uns noch, daß die Gemeinde, in Berücksichtigung der Kränklichkeit des Herrn H., denselben an Sabbaten des Borbcteramtes entbinden möchte. Möchte es nicht zu den frommen Wünschen gehören, deren Erfüllung man der fernem Zukunft vertraut. — Schließlich erwähnen wir zugleich daS zu lobende Streben mehrerer hiesigen jüdischen Handkungshäuser, welche während der ungemeinen Noch und mit großer Anstrengung dem Nothstande entgegengetreten, da nur durch sie der Preis des Roggenbrodes in hiesiger Stadt nicht die Höhe erreicht, welche selbst die nächsten Nachbarstädte zahlen mußten! Gin christlicher Freund Israels im Namen mehrerer. Oesterreich. Von der gnlizischen Grenze, 30. Mai. (Privatmitth.) Auch über Galizien fängt der Strahl der Aufklärung an zu leuchten, und eben dadurch das industrielle Leben der galizisifchen Israeliten je mehr und mehr sich zu entwickeln. In Berücksichtigung dessen hat daher auch Se. Majestät der Kaiser von Oesterreich neulich zu gestatten geruhet, daß jeder zivilisirte Israelit auf eigenen Namen Ackergut kaufen, auf dem flachen Lande — was bisher nicht gestattet war — wohnen könne, und sogar Schankrecht haben dürfe. In dem hiesigen wadowicer Kreise haben bereits über 40 israelitische Familien eigenen Acker angekauft, den sie beinahe besser als die gewöhnlichen Landleute bearbeiten, und vom 15. Juni ab sollen nun auch diejenigen gewerbtrcibenden Israeliten auf dem Lande geduloet werden, welche mit bestimmter Bescheinigung versehen sein werden. Sehr viel tragen zu dieser rasch um sich greifenden Zivilisation der Israeliten unsere neueren Rcligionsvvrsteher bei, welche keine Mühe sparen, unsere Mitbrüder aufzuklären, und zu belehren, und die Anhäng-