Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 11 (1847)
- Issue
- Heft 23 (31.5.1847)
- Date
- 1847-05-31
- Page
- Seite 342 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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342 Seht, noch ist es nicht erreichet Jenes Ziel Ln heil'ger Fern', Bis die weite Welt sich neiget Bor dem einen Weltenherrn. Brüder, froh habt ihr geduldet, Muthig strahlt noch unser Blick, Und was uns die Menschheit schuldet, Zahlet Heil statt Fluch zurück! Einem höheren Gedanken Habt ihr lehrend euch geweiht; Millionen Streiter sanken, Millionen steh'n im Streit. Sehet! treten uns zur Seite Retter nicht aus Feindes Reih'n? Wollt ihr zagen, wer im Streite Wird mit Gott der Sieger sein? — Jubel herrschet rings auf Erden, Wenn errungen einst mein Recht! Völker werden frei nicht werden, Bis erlöst der Völkerknecht.- Hoffnung, rege deine Flügel! Zukunft, öffne mir dein Thor! Ueber lichtgestreifte Hügel Schwinge dich, mein Geist, empor! — Dunkel deckte einst die Lander Und die Nationen Nacht, Meines Volkes Lichtgewänder Leuchteten vor Gottes Pracht. Mit der Wahrheit blankem Schwerte Hat der Herr mein Volk beschenkt, Zu erobern ihm die Erde, Die von Gott sich abgelenkt. Nimm zur Hand die heil'ge Waffe, Mach' vom alten Rost sie frei! Daß sie Sieg dem Herrn verschaffe, Bis allein er König sei. Horch! schon regt sich's laut im Norden, Horch, im Süden regt sich's laut! Ha, wie wird doch aller Orten An des Lichts Triumph gebaut! Wie so froh die Herzen pochen! Nimmer trifft die Losung Spott, Jubelnd wird sie ausgesprochen: Eine Menschheit und Ein Gott! Und zum höchsten Ziel des Ruhmes, Aus der Schate dunkelm Schooß Ringt der Kern des Judenthumes Herrlich sich zum Lichte los. Ausgelebte, starre Formen Bringe frommer Sinn zur Ruh; Sieg den ew'gen Gottesnormen! Ihnen ringt die Menschheit zu. Mich irrt nicht, der Kampf, der wilde, Tück' und Bosheit irr'n mich nicht. Nicht der Staub vom Kampfgesilde, Der verhüllen will das Licht, Nicht die dunkeln Schreckgestalten, Welche Nacht heraufbeschwört: Meinen Schöpfer seh' ich walten, Welchem Tag und Nacht gehört. Dogmendunst und Satzungsmauer, Der zerrinnet, diese fallt; Dann erst endiget die Trauer, Dann beginnt das Heit der Welt. Fort mit allem Glaubenshader! — Wie die Sterne, groß und klein, Mögen Ihn, den Menschenvater, Alle Völker benedei'n. Synagoge! deine Hallen Oeffne weit, du heilig Haus, Laß Andächtige von allen Enden ziehen ein und aus! Denn erfüllet wird es werden. Was die Seher prophezeih'n: „Das mein Haus einst wird auf Erden Aller Völker Bethaus sein." Seht, das ist des Juden Freude, Heil'ge Hoffnung schwellt die Brust; Ach, mein Schmerz ist nicht von heute! Nicht von heut' auch meine Lust. — Gott und Menschheit woll'n bezahlen Mir in Liebe all mein Leid, Eoldne Zukunft seh' ich strahlen: Sieg und Heil der großen Zeit!