Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 11 (1847)
- Issue
- Heft 21 (17.5.1847)
- Date
- 1847-05-17
- Page
- Seite 323 (sequence 15)
- Language
- German
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323 Euch zu sagen, daß Reb Jsrkel zu Worms, an den ich geschrieben gleich, als unser Rabbi Haller in's Gefängniß gekommen, mir geantwort hat: er wäre bereit, er und seine Brüder, jede Summe herzugeben, und sei sie noch so groß, um den Rabbi frei zu schaffen. Ja, er will sie uns geben zu nicht mehr als drei Prozent, die wir auf ewige Zeiten nach Worms zahlen sollen, denn er willein Dabar tob (eine Wohlthätigkeitsanstalt) daraus machen für eine Anzahl Tatmude tora (armer Gelehrten)...." Ein Jubelruf tönte durch den Saat, als ob der Rabbi schon wiedergekehrt, als ob das ganze Unheil schon abgewendet wäre, als standen sie wiederauf festem Fuße.... Alle waren aufgesprungen und umarmten sich; alle schrieen durcheinander. „Das ist ein Naßi bejisrael." „Ja, das Rachmanit stirbt nicht aus unter uns!" Diese und andere Ausrufungen vernahm man. Der Einzige, der sitzen geblieben, der Einzige, der Nichts ausgerufen, war — Mendel. Der Tumult legte sich; man nahm wieder Platz. Der Vorsitzende sprach: „Daß wir die Bedingungen des Rabbi Jsriel zu Worms mit Freuden und Dank annehmen, versteht sich von selbst. Unsere Enkel werden noch gern die Lasten tragen, durch welche ihre Väter, also auch sie, gerettet wurden, und die der hochherzige Geber doch nur zu wohlthätigen Zwecken verwenden will. Wir waren hiermit zu Ende. Aber noch Eines bleibet mir übrig, so schmerzlich es mir ist." Der Sprecher hielt ein und räusperte sich; er schien selbst tief ergriffen; eine erwartungsvolle Pause trat ein. Er fuhr fort: „Im Namen des versammelten Vorstands habe ich an Sie, Herr Mendel, das Wort zu richten. Wir wissen wohl, daß Ihr Vater, gesegneten Angedenkens, ja daß auch Sie mancherlei Wohlthaten der hiesigen Gemeinde gespendet haben. Den Segen dessen wird Ihr Vater im jenseitigen Leben gesammelt haben. Sie aber haben durch den Verrath, den Sie angesponnen, die ganze Rechnung durchstrichen, und uns alles Dankes enthoben. Ihnen war es anvertraut, für die Sicherheit der Gemeinde zu wachen, und Sie haben durch beispiellosen Verrath die Gemeinde an den Rand des Verderbens gebracht. Sie haben gelogen, verrathen und meineidig geschworen! Sie sind ein Lügner, Verräther und Meineidiger! Dennoch hatten Sie die Frechheit, in diesem Saale zu erscheinen, die namenlose Frechheit, den Vorsitz unter uns führen zu wollen. Im Namen der Gemeinde und des Vorstandes schließen wir Sie hiermit aus; Ihr Name soll durchgestrichen werden in allen Verhandlungen, in denen er vorkommt; Ihr Name soll nicht gedacht und nicht erwähnt werden!../' Während dieser Anrede war Mendel aufgesprungen, sein Antlitz war gelb und fahl geworden, seine Augen stierten, seine Hände ballten sich.../' „Ihr wagt das, Hunde!../' rief er aus. „Ihr sollt es theuer bezahlen.... Secharja, ich künde Euch den Kredit.... Ihr Alle, die in meinem Schutdbuch stehen, bis Mittag muß es bezahlt sein, oder ich pfände Euch.... Ha, Ihr sollt sehen...." „Wir waren darauf gefaßt, wir sind zusammengetreten, wir haben uns ausgeholfen wie treue Brüder, wir sind aus Eurer Gewalt ... wenn Ihr nach Hause kommt, findet Ihr Alles gelöst, was Einer von uns Euch schuldet..." „Macht was Ihr wollt," schrie Mendel, „ich will Euch schon bekommen, nicht Euer Fasten, nicht Euer Geld soll Euch helfen... „Hinaus mit dem Verräther! Wir dulden ihn nicht unter uns!..." war der allgemeine Ruf. Mendel wollte noch sprechen, der Schaum stand vor seinem Munde, er ergriff den Stuhl und stampfte ihn auf dem Boden entzwei. „Bote! herein" — rief endlich der Vorsitzende. „Führt den Herrn Mendel ab, er gehört hier nicht mehr her...." Das war zu viel; ohne Hut und Stock stürzte er, Flüche ausstoßend, aus dem Saale, die Treppe hinunter, und in seiner sinnlosen Wuth auf die Straße hinaus. Kaum aber war er hier angelangt, als er alsbald von den verfammelten Gruppen erkannt ward. Sofort schrie es: „Der Verräther Mendel!" man lief ihm nach, man wies auf ihn, man überschüttete ihn mit Schmähungen. Bald hatte einer der Eifrigsten einen Stein erhoben und ihm nachgeworfen. Andere folgten. Man sammelte sich um ihn, man sperrte ihm den Ausweg ab. Schon blutete er, von einem Stein getroffen. Ein Näherer ergriff einen Stock und hieb nach ihm. Auch dies fand Nachfolge. Hunderte von Prügeln erhoben sich. Er ward verwundet. Er war verloren ... ein Opfer derVolkswuth mußte ec fallen, nicht unverdient. ... In diesem Augenblick erschienen Joseph und der lange Bachur. Kaum erblickten sie, was vorging, so warfen sie sich vor den Verfolgten, und der lange David hielt die Arme der Nächsten auf, die sich zum Schlage senken wollten. „Um Gottes willen, was thut Ihr?" rief Joseph mit Löwenstimme. „Im Namen meines Vaters, hattet ein, ich bitte Euch!.. /'