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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1847-04-19 · Heft 17 (19.4.1847) · p. Seite 258

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
11 (1847)
Issue
Heft 17 (19.4.1847)
Date
1847-04-19
Page
Seite 258 (sequence 10)
Language
German
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258 Also dieser „lange David" war verschwunden am Abend, wo der Rabbi verhaftet worden. Am ersten und zweiten Tage hatte ihn Niemand vermißt. Aber am dritten Tage erzählte es die alte Hanne, bei der er wohnte seit, ach wie langer Zeit, auf der Gasse, daß ihr langer Bachuc nicht nachheim gekommen; und so erzählte man es immer weiter durch die ganze Judenstadt. Aber Niemand verwunderte sich darüber. Wenn der Rabbi fortgeführt, warum sollte der lange Bachur nicht verschwunden sein? Eben so wenig hatte man sich über die Nachricht gewundert, wenn der Rabbi gestorben, daß David todt sei. Auch Joseph hatte bald nach seiner Ankunft nach dem treuen Schüler geforscht, aber, wo er alle Glieder seines Vaterhauses zerstreut fand, wunderte er sich auch nicht, auch diesen Anhang desselben nicht zu treffen. Jetzt eilte Joseph nach dem entfernten, versteckten Häuschen, wo der lange David residirte, jetzt, da seine Abwesenheit durch seine Rückkehr eine Bedeutung zu erlangen schien. Die Judenstadt, in welcher wir weiten, war ein großes Gewirr von Häusern, durch eine Hauptstraße durchschnitten. Diese Hauptstraße hatte die Gestalt eines langen Trichters, der sich immerfort, aber in Absätzen verengerte. Die beiden Häuserreihen liefen bei breiter Oeffnung schief auf einander zu, dann eine Strecke ziemlich parallel, dann wieder auf einander zu und so fort in verschiedenen Absätzen, bis zuletzt kaum drei Menschen neben einander hatten stehen können; in dieser furchtbaren Engniß, wo man bequem aus dem Fenster der einen Häuserreihe in das der andern springen konnte, hatte sie ihre größte Länge. Und nun gingen Gäßchen und Gaßlein und Winkel und Winkelchen und Höschen von dieser Hauptstraße aus, um dem gewiß unentwirrbar zu sein, der nicht darin aufgewachsen und auferzogen. Joseph wußte Bescheid; aus der großen Judengasse durchschritt er eine Menge kleiner, bis er an das Ende des jüdischen Weichbildes gelangte; da — man glaubte, hier Hab' es ein Ende — klebte noch ein Hütlein. Er stolperte über den Baumstamm, der vor der Thüre lag, und gelangte in ein Zimmer, ein ärmlich kleines, aber reinliches Zimmerchen, in welchem so gar Nichts von Luxus und Bequemlichkeit, das aber dennoch eine eichene Kommode und eine messingne Sabbatlampe und eine Kanne zum Händewaschen herbergte, die Residenz der alten Hanne. „Ist der Bachur nicht zu Hause, liebes Hannele?" sprach Joseph. „Ach, Gotteswillkommen, Rabbi Joseph," meckerte die verrunzelte Kleine. „Wie komm' ich zu der großen Ehre! wie ist der Herr so groß und schön geworden, dieweil er von daheim gewesen. Gott gesegne es ihm!" „Ich danke. Wo ist der Bachur?" „In seiner Stube ist er." Und die Alte sprang ihm zuvor, und stieß eine Thüre auf, und sprach: „Da ist er." So treten wir in dein jungherrliches Heiligthum, alter Bachur. Es war eine geweißte Kammer, wo der Kalk oft genug gebrochen; aber Spinnwebe und Schmutz waren nicht darin, die litt das alte Hannele nicht. Die Kammer war klein, man ermüdete wahrlich nicht, wenn man sie auch hundertmal durchschritten. Die eine Ecke nahm ein ärmliches Lager ein; die andre ein Tisch, über welchem der Schulbreitel, der Talit und die Tephillin hingen, und auf dem einige wenige Bücher lagen — wozu brauchte ec Bücher, da der Rabbi genug hatte? Ein hölzerner Schemel — und siehe, wir sind schon zu Ende mit all deinen Herrlichkeiten. Dies ist die Burg unsres langen David, in die er sich zurückzog von allen Unbitten des Lebens. Als Joseph hereintrat, war der Bachur eben aufgesprungen, da er das Gekreisch der Hannele gehört hatte. Vor der tiefen Bewegung seiner Gefühle stand er kerzengrade in seiner ganzen Lange, unbeweglich, und starrte Joseph entgegen. „Nun, David!" hob Joseph an, „hast Du kein Schalom alechem für mich, kein Wort des Grußes für den Heimgekehrten?" Und Joseph breitete die Arme aus, um die steife Menschenstange zu umarmen. Als David diese Bewegung sah, da lösten sich seine Glieder wie von einem Zauber, und er stürzte auf den Jüngling los, und schrie: „Joseph! Red Joseph!" und schlug die langen Arme um den Jüngling, und hob ihn von der Erde hoch, hoch hinauf, daß er weit über den Kopf des langen David hinwegschaute, und drückte ihn an sich, und rief noch einmal: „Joseph! Reb Joseph!" und setzte ihn wieder auf die Erde, und murmelte und murmelte viele Worte in den Bart — wenn er einen gehabt — und eine Thrane quoll nach aus dem Auge des alten Jungen.... „Ei..." vernahm man, „wenn der Rabbi zu Hause gewesen ... und die Rebbeßin gelebt ... und Sara da ... und Joseph gekommen ... weh, welch Glück ... so aber gar Nichts ..." und noch eine Thrane rollte nieder. Joseph wußte, um mit dem alten David zu Etwas zu kommen, müsse man geradezu darauf losgehen, weil

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