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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1847-04-05 · Heft 15 (5.4.1847) · p. Seite 218

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
11 (1847)
Issue
Heft 15 (5.4.1847)
Date
1847-04-05
Page
Seite 218 (sequence 2)
Language
German
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218 Vorfahren vor Jahrhunderten dort eingeboren; ist der deutsche Christ in Amerika hoch erfreut und rühmt sich dessen, venn seine deutsche Nationalität von einem Juden ehrenvoll vertreten wird, man schätzt sich glücklich, daß dort ein Jude ein Deutscher sein will; während man in Deutschland dem Juden die Thüren der Logen verschließt und ihn für unwürdig zur Weihe hält, findet man dort keinen andern Deutschen, als eben einen Juden für würdig, das höchste Ehrenamt des Ordens zu bekleiden. — Doch so war es ja von jeher — und wir dürfen immer noch froh sein, wenn man mindestens unsere großen Männer in Wissenschaft und Kunst als Deutsche anerkannt hat, wenn auch der kleinliche Neid jedesmal den Juden hinterher sinken ließ. — Und — so mag es denn auch hier gesagt sein, daß der Di-, D. S. Gans aus Zelle, der seit Anno 30 als angesehener praktischer Arzt in Amerika thätig ist, den Juden zu verleugnen dort noch nie nöthig gehabt habe. E.... Holland. Von der holländischen Grenze, 25. März. (Privatmitth.) Holland ist ein Land, welches zu ernsten Reflexionen veranlaffcn kann. Hier sind die Juden politisch völlig emanzipirt, aber geistig herrscht noch allgemein ein fürchterlicher Absolutismus und die Rabbinen schwingen noch wie vor 200 Jahren ihre despotische Geistesknute. Hauptsächlich ist aber hieran Schuld der Mangel an Bildung. Die verschiedenen Zeitschriften, so wie die Massen Broschüren, welche jährlich in Deutschland erscheinen und dort Vieles zur geistigen Emanzipation beigetragen, können hier Nichts wirken, weil die meisten Juden kein Deutsch lesen können, und wenn Einer zufällig derartige deutsche Blätter im Hause hat, so ist er der Gefahr ausgesetzt, als Ketzer verschrieen zu werden. Ja, ein Vorsteher in Terbork, in der Provinz Overyssel, wollte sogar Einen in optima forma exkommuniziren, weil dieser — das Philippson'sche Bibelwerk im Besitz hat. Genau genommen giebt es hier zwei Klassen von Indifferenten, nämlich materielle, welche sich um gar keine religiöse Formen bekümmern, die größte Masse aber sind zeremoniel Indifferente, welche von der Religion Nichts als die ungenießbare Schale haben. An der Spitze dieser Partei steht der Heros Se. Durchlaucht Fürst Hirsch Lehren, der auch von seiner Partei ganz kanonisirt wird. — Als ein Beispiel der Tyrannei der Rabbinen mag folgende Thatsache dienen. Der Rabbiner zu Nymwcgen hat in seinem ganzen Sprengel verboten, selbst Mazzot zu backen, sondern diese müssen alle in Nymwegen bei von ihm autorisirten Bäckern zu einem enorm hohen Preise gekauft werden. Die Zuwiderhandelnden werden auf jede mögliche Weise verfolgt, und die Meisten sind so geistig verkrüppelt, daß sie nicht den Muth haben, die geeigneten Schritte hierfür zu thun. Ja man sagt sogar, daß der Zweck des Rabbinen kein lauterer sei. Welches Elend, und besonders bei dieser Theuerung, auf die Bewohner besonders der Maasgegend dadurch gehäuft wird, kann nur der ermessen, welcher die Oertlichkeit einigermaßen kennt. Es giebt hier viele Familien, welche in den Peßachtagen dadurch fast Hunger leiden, weil die baare Summe um Mazzot zu kaufen für diese Leute unerschwinglich ist, welches aber nicht der Fall wäre, wenn es ihnen gestattet wäre selbst zu backen. — Mögen daher wohlgesinnte Männer in Holland, denen echte Religion im Herzen wohnt, und das Wohl und Wehe ihrer Glaubensbrüder nicht gleichgültig ist, die nöthigen Schritte thun, um ein solches Verfahren des Rabbinen zu verhindern und ihn durch die geeignete Behörde bestrafen zu lassen. Möge der Gott Israels geben, daß in diesem Lande doch auch bald das Licht der Religion aufgehen, damit sie erkennen und wissen was gut und Recht ist. 0. Preußen. Magdeburg, 29. März. (Privatmitth.) Gestern erschien beim vr. Phi lippson eine Deputation, welche demselben mit herzlichen Worten eine Dankadresse, versehen mit zahlreichen Unterschriften, von Seiten einer Anzahl christlicher Zuhörer der von ihm gehaltenen Vorlesungen überreichte. Die Adresse lautet: „Sie haben uns durch Ihre Vorlesungen, Herr Doktor, einen so seltenen geistigen Genuß bereitet, der nicht als solcher flüchtig, wie so mancher des Lebens, sondern nachhaltig ernst auf unsere Gemüther auch für die ferne Folgezeit wirken wird. Sie haben unfern Gesichtskreis erweitert und uns dadurch in den Stand gesetzt, gereiftere Urtheile in das Leben herüber zu tragen; Sie haben durch mächtige Worte das be-

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