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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1847-03-29 · Heft 14 (29.3.1847) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
11 (1847)
Issue
Heft 14 (29.3.1847)
Date
1847-03-29
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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No. 14. xi. z-hrg-»g. Allgemeine Zeitung des Zudenthumä. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Redakteur Verlag von Dr. Ludwig Philippson, Baumgärtners Buchhandlung Rabbiner zu Magdeburg. zu Leipzig (Mit königl. sächsischer allergnadigster Konzession.) Leipzig, den 29. Marz 1847. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Montags, und wird jährlich 96 Bogen in Quart inkl. des Titels, Registers u. s. w. umfaffen. In Gemäßheit des Zweckes derselben die allgemeinste Verbreitung zu geben, ist der Preis äußerst niedrig; mit 3 Thlr. für den Jahrgang; — 1 Tblr. 15 Ngr. (1 Thlr. 12 gGr.) für sechs Monate — 22£ Ngr. (18 gGr.) für das Vierteljahr angesetzl worden. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zeitungs-Expeditionen nehmen Bestellungen an; der Hauptspedition für beide Letztere hat sich die königl. sachs. wohllöbl. Zeitungs-Expedition allhier unterzogen. Inhalt. Leitender Artikel: Uriel Akosta. Zeitungsnachrichtenr Nordamerika: New-Uork. Frankreich: Straßburg. Preußen: Koblenz, Warmbrunn, aus dem deusch-kroner Kreis, Danzig, Magdeburg, Magdeburg. Deutschland: Hannover, aus Baiern, Karlsruhe. Korrespondenzen: Geschichte der Juden in Kurland nnd Zustand derselben in der kurländischen Gouvernementsstadt Milan. Mitgetheilt von R. I. Wunderbar. (Fortsetzung.) — Russische Skizzen. Von vr. Lilienthal. (Fortsetzung.) Leitender Artikel. Magdeburg, 22. Marz. Uriel Akosta. Der freundliche Leser wird es uns Nachsehen, wenn wir ihn heute aus den ernsten Grenzen der religiösen und sozialen Wirklichkeit in das Parterre einer Bühne versetzen, über welche dieses neueste, so vieles Aufsehen erregende Drama Gutzkow's soeben hinweggeschritten ist. Der Leser hat, wie wir, den vollen Eindruck dieser Tragödie empfangen, und will darüber mit sich selbst reflektiren, mit sich selbst in's Reine, zu einem bestimmten Urtheil kommen. Und er darf darüber reflektiren, da die Dichtung selbst den spröden Stoff der Denkwelt sich zur Unterlage genommen. Wir sagen zur Unterlage: denn der eigentliche Gegenstand ist allerdings der Kampf, der aus dem Ringen der erwachten Vernunft mit der Abgeschlossenheit des Positiven, nicht blos im Geiste des Denkers, sondern auch im wirklichen Leben, in den realen Verhältnissen des Lebens hervorgeht. In Akosta steht die erwachte Vernunft, in der Synagoge der abgeschlossene Tatmudismus da; dieser Talmudismus hat noch seinen vollen Bestand in allen Bekennern des Judenthums; das Individuum tritt daher hier noch einer ungetheilten, in sich einigen Allgemeinheit entgegen; daraus entsteht für das Individuum nicht ein geistiger Kampf — der wird als schon vollendet vorausgesetzt — sondern ein Kampf mit seinen persönlichen Verhältnissen, in Mutter, Brüdern, Lehrer und Geliebten. Letztere ist es allein, die auf seiner Seite steht. Erst jetzt gesellt sich ein geistiger Kampf hinzu: denn die Kraft der Ueberzeugung ringt mit der Kraft der Liebe zur Familie und mit der Leidenschaft für die zu erlangende Braut. Akosta ist zu schwach in jener und zu stark in dieser. Er widerruft, und durch diesen Widerruf muß er untergehm. Zu seiner geistigen Selbstentmannung durch den Widerruf treten der Tod seiner Mutter und der Verlust seiner Braut durch dazwischengetretene Ereignisse (Banquerout des Schwiegervaters) als nothwendige Akzessite; und die Ohnmacht besiegelt sich durch Selbstmord. Daß er seinen Widerruf erst dann widerruft, als ec die reale Erfolglosigkeit erfahrt, bezeichnet seine Schwache hinreichend. Akosta geht unter an der Starke seiner Denkkrast und an der Schwäche seiner Selbstständigkeit — kein Vorläufer, sondern ein Gegensatz von Spinoza, der durch die Gewalt seines Charakters eben so wie durch die Macht seiner Vernunft — siegte.

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