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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1847-03-15 · Heft 12 (15.3.1847) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
11 (1847)
Issue
Heft 12 (15.3.1847)
Date
1847-03-15
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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No. IS Allgemeine XI. Jahrgang. Zeitung des Indenthums. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Redakteur Verlag von Dr. Ludwig Philipps»«, Baumgärtners Buchhandlung Rabbiner zu Magdeburg. zu Leipzig (Mit königl. sächsischer allergnädigster Konzession.) Leipzig, den 15. März 1847. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Montags, und wird jährlich 96 Bogen in Quart inkl. des Titels, Registers u. s. w. umfassen. In Gemäßheit des Zweckes derselben die allgemeinste Verbreitung zu geben, ist der Preis äußerst niedrig; mit 3 Thlr. für den Jahrgang; — 1 Tblr. 15 Ngr. (1 Thlr. 12 gGr.) für sechs Monate — T2\ Ngr. (18 gGr.) für das Vierteljahr angesetzt worden. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zeitungs-Expeditionen nehmen Bestellungen an; der Hauptspedition für beide Letztere hat sich die königl. sachs. wohllöbl. Zeitungs-Expedition allhier unterzogen. Inhalt. Leitender Artikel: Die Gegenwart des Judenthums. Zeitungsnachrichten: Deutschland: Mainz, Detmold, Hannover, Hamburg, aus dem Weimarischen, Seesen, vom Main, Hannover, Karlsruhe. Preußen: Posen, Jastrow, Berlin, Breslau. Oesterreich: Prag. Korrespondenz: Geschichte der Juden in Kurland und Zustand derselben in der kurländischen Gouvernementsstadt Mitau. Mitgetheilt von R. I. Wunderbar. Leitender Artikel. Magdeburg, 8. Marz. Die Gegenwart des Judenthums. I. Die Gefahr. Unter den jetzigen jüdischen Theologen, kann man ohne Scheu sagen, giebt es eben so, wie auf der einen Seite eine große Zahl, die auf dem lalmudischen Standpunkt verharren — auch wenn sie den Talmud negiren und an ihm und dem vom Talmud aufgeführten Formgebäu herumarbeiten — also auf der andern Seite, welche lediglich auf christlichem Standpunkte stehen. Ich verstehe natürlich unter letzteren jüdischen Theologen nicht etwa solche, welche die christlichen Dogmen annehmen — auch nicht solche, welche ihrer Negation des ganzen Formgesetzes auch in der Praxis nachleben: sondern die das Judenthum auf wenige allgemeine Sätze reduziren, die allerdings mit den christlichen Dogmen nicht übereinstimmen, aber sich doch nur kn der christlichen Allgemeinheit halten, und am Ende wol als eine Fraktion der christlichen Parteien unter diese rangirt werden könnten. Wir hatten so spezifisch-jüdische und christlich-jüdische Theologen. Aber das Judenthum steht dem gänzlich entgegen, seine Geschichte und sein Inhalt geben Anderes, und die Bestimmung des Judenthums kann daher nicht sein, sich in ein Paar Phrasen, die jetzt auch außerhalb seiner allgemein genug sind, aufzulösen. Der wesentliche Unterschied im Charakter zwischen dem Mosaismus und Christenthum ist: daß der Mosaismus ein religiöses, ein von der Religion durchdrungenes Diesseits setzte und forderte, das Christenthum aber über das Diesseits ein Jenseits setzte, welches allein das Ziel und der Zweck der Religion sei, welches der Gegenstand der menschlichen Sehnsucht, also auch des menschlichen Strebens sei, und für das der „schlechten Ecdenwelt" zu entsagen sei. Der Mosaismus setzte daher als Wesenheit der Religion: die Einheit der Idee und des Lebens; er mußte nicht allein die allgemeine Lehre von Gott, die allgemeine Lehre von der Sittlichkeit aufstellen, sondern auch das Leben in allen seinen wirklichen Momenten ergreifen und sie, seinem Prinzips gemäß, religiös gestalten, sie konsequent von seinem Prinzip durchdrungen machen. Das Christenthum hingegen mußte von seinem Standpunkte aus das Leben in seinen wirklichen Momenten ganz außer Acht lassen, es konnte an diesen nicht haften und sie nicht

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