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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1847-02-08 · Heft 7 (8.2.1847) · p. Seite 108

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
11 (1847)
Issue
Heft 7 (8.2.1847)
Date
1847-02-08
Page
Seite 108 (sequence 12)
Language
German
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108 Empfanges gewärtig? Wenn Du da zurückkehrtest voll jugendlicher Kraft und Hoffnungen, mit dem Bewußtsein, Deine Pflichten erfüllt, den Erwartungen entsprochen, ein gedeihliches Ziel erreicht zu haben, wiederzuerscheinen Lm Kreise der Deinen, gewachsen wie an Liebe, so an Bedeutung und Würde — wie glücklich warst Du da! Ob Du bescheiden zu Fuß, oder stolz zu Roß oder zu Wagen Deinen Weg zurücklegtest, die Entfernung schien Dir nicht enden, und die Zeit nicht verrollen zu wollen. Wie voll Dein Herz, so schwer Dein Athem: o, wer da fliegen könnte! Siehe, so schritt ein Jüngling, oder eilte den letzten Hügel hinan, von dem aus er die goldenen Zinnen der Residenz, seiner Vaterstadt, im lichten Sonnenstrahl erblicken sollte. Die schwere Last des Ranzels scheint er nicht zu fühlen, die Ermüdung eines langen Marsches nicht zu empfinden, seine Füße eilen wie im Fluge den Hügel hinan — er ist oben. Da liegt sie; die große, herrliche Stadt, in der er geboren, in der er die Tage der Kindheit verlebte, aus der er als aufstrebender Jüngling vor mehren Jahren geschieden zu weiter Ferne. Sein trunkenes Auge überläuft die breit am herrlichen Strome sich ausdehnende Hausermaffe; schnell faßt es die bekannten Höhen der Thücme, Kirchen, Paläste auf, bis der Blick sich in die kleinen Wohnungen der Vorstädte verliert. Dort, unfern des schlanken Gertrautenthurmes muß das freilich niedrige Dach stehen, unter welchem eben so feurig, eben so sehnsüchtig die Herzen schlagen, die ihm gehören. Er sieht es nicht, aber weiß, wo er es sehen wird. Ich komme, ich komme! jubelt sein Herz. Ich komme, Vater, und besser, als ich gegangen! Ich komme, Mutter, und mit gleicher Liebe, als ich ging! Ich komme, theure Schwester. ... Sein Herz fügte noch einen Namen hinzu, aber ganz leise, kaum vernehmbar.... Aber die Gefühle des Menschen wechseln schnell, und eiten geflügelt von einem Ende zum andern. Wie werd' ich Euch findend Was werdet Ihr machend flüsterte sein bewegtes Gemüth. Und zentnerschwer siel es ihm auf's Herz: es könne bei den Seinen nicht so stehen, wie er es hoffe, wie seine glühende Hoffnung ihm als zweifellos vorgezeichnet. In jenen Tagen war man noch nicht so schreibfertig, wie jetzt; ein Privatschreiben, ein Familienbrief war eine Seltenheit, namentlich in weite Ferne. Monde waren vergangen, seitdem der Jüngling die letzte Nachricht erhalten, und sein Vater geschrieben, er möge nun nach Hause zurückkehren. Er hatte es sich so gar nicht anders als möglich vorgestellt, wie nur Alles auf's Beste sich befinden, und in Gesundheit und Glück ihm entgegenkommen könne, daß sich wie eine gewitterschwangre Wolke vor seine Augen der Gedanke Lagerte: es könne anders sein!... Eine Thräne banger Ahnung drang dem Jüngling in das Auge; aber rasch ermannte er sich, hob das, von langen Studien bleiche, aber schöne Antlitz zum Himmel auf, und mit gefalteten Händen rief er aus: „Nein, du, Vater, tauschest die Zuversicht nicht! Der du mich sicher geleitet hast so viele gute Wege in der Fremde, wirst mir die Heimath nicht zum Uebel schaffen! Es wird schon Alles gut gehen...." Er erhob sich, und schritt, gehaltener, aber nicht weniger schnell den Hügel hinunter. Am Fuße desselben bog er von der Heerstraße ab, um über eine, mit Gebüschen hie und da besetzte Wiese einen nähern Weg einzuschlagen. Bald gelangte er an einen breitem Pfad, wo hin und wieder Spaziergänger sich zeigten. Ec stand einen Augenblick sinnend, ob er hier weiter gehen sollte: denn ungern sah man damals einen Juden die öffentlichen Gärten betreten, und ein solcher, wenn er es wagte, war oft Mißhandlungen, wenigstens Verhöhnungen ausgesetzt. Doch nach kurzem Besinnen eilte er vorwärts; er kam hier um so viel schneller an's Ziel. Bald hatte er eine Dame mit einer Zofe, welche einen Säugling trug, eingeholt. Die Zofe hatte das Kind in einen hochrothen Shawl gehüllt. Schnell bog der Jüngling von der Seite, und wollte vorüber, als ihn der plötzliche Hülferuf der Frauenzimmer zurückschreckte. Aus nahem Gebüsch sah er einen wuthentbrannten Stier auf die Zofe losstürzen, welche vor Schrecken nicht von der Stelle konnte. Die Dame hatte sich vor ihr Kind geworfen, und schrie nach Hülfe. Der Stier schnaubte wüthend heran, das zornglühende Auge auf die Zofe gerichtet, und die scharfen Hörner zu gewaltigem, durchbohrendem Stoße gerichtet. Schnell erkannte der Jüngling die schreckliche Gefahr, so wie die Ursache derselben. Mit einem Sprunge war er bei der Gruppe, riß den rechen Shawl von der Schulter der Zofe, stellte sich dem schon nahen Unthier entgegen, und rief mit donnernder Stimme den zitternden Frauen zu: „Rettet Euch, fort, fort!..." Die schreienden Frauen folgten dem Ruse des Retters; der Stier jagte immer schneller dem Ziele seines Haffes zu, mit dem Schweife schlug er den Staub wirbelnd empor, der Schaum triefte ihm von den Lefzen ... jetzt stürzte er heran, aber mit bewundernswerther Gewandtheit wich, der Jüngling von der Seite, und schleu-

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