Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 11 (1847)
- Issue
- Heft 5 (25.1.1847)
- Date
- 1847-01-25
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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No. S XI. Jahrgang. Allgemeine Zeitung des Zudeuthums. Ci ii unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Redakteur Dr. Ludwig Philipps»», Rabbiner zu Magdeburg. Verlag von Baumgärtners Buchhandlung zu Leipzig (Mit königl. sächsischer allergnadigfter Konzession.) Leipzig, den 25. Januar 1847. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Montags, und wird jährlich 96 Bogen in Quart inkl. des Titels, Registers u. s. w. umfassen. In Gemäßheit des Zweckes derselben die allgemeinste Verbreitung zu geben, ist der Preis äußerst niedrig: mit 3 Thlr. für den Jahrgang; — 1 Tblr. 15 Ngr. (1 Thlr. 12 gGr.) für fetyö Monate — 22j- Ngr. (IS g®r.) für das Vierteljahr angesetzt worden. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zeitungs-Expeditionen nehmen Bestellungen an; der Hauptspedition für beide Letztere hat sich die königl. sachs. wohllöbl. Zeitungs-Expedition allhier unterzogen. 3 n 1) a l t leitender Artikel: Vorlesungen über Geschichte, Inhalt, Stellung und Beruf des Judenthums. (Fortsetzung.) Zeitungsnachrichten: Die Schweiz: aus dem Aargau (Schluß). Deutschland: aus dem Herzogthum Sachsen- Meiuiugen, aus dem badischen Mittelrheinkreise. Preußen: Berlin, Magdeburg. Auszüge. Leitender Artikel. Magdeburg, 18. Januar. Vorlesungen über Geschichte, Inhalt, Stellung und Beruf des Judeuthums. Dritte Vorlesung, gehalten am 5. Januar. Der sittlich-gesellschaftliche Inhalt des Mosaismus. Zwei verschiedene Gesichtspunkte sind es, welche man bei der Betrachtung des sittlich-gesellschaftlichen Inhalts des Mosaismus festhalten muß: 1) daß der Mosaismus den Menschen als eine Einheit in allen seinen Beziehungen betrachtet, und ihn daher eben so nach allen Richtungen verarbeitet, wie alle diese von einem und demselben Grundsatz aus. Im Mosaismus ist das Ideale vom Wirklichen, Geistes- und Herzensbildung von That, Lehre vom Leben nicht verschieden. Stellt er oberste Satze auf, so hat er auch sofort die Wege gebahnt, auf! denen ihre Verwirklichung angestrebt werden kann. Daher kennt der Mosaismus jene Extreme, jenes über das menschliche Maß Hinausgehende nicht, sondern wir stehen überall in ihm auf dem festen Boden des Menschlichen. Im Mosaismus ist die Religion nicht etwas vom Leben des Diesseits Abgezogenes, eine Idealwelt, in welcher sich der Mensch eine Stunde ergeht, und dann, ohne wesentliche Leitung in die Menschenwelt zurücktritt, in welcher Alles jener religiösen Idealwelt zu widersprechen scheint. Sondern dem Mosaismus soll das ganze Leben Religion sein, und die Religion das ganze Leben enthalten. Es soll aus ihm ein religiöses Diesseits hervorgehen. Deshalb hat der Mosaismus nicht blos die Sittlichkeit, sondern auch die Gesellschaft, nicht blos die Tugend, sondern auch das Recht, nicht sowol seiner Behandlung unterzogen, als vielmehr aus sich herausgeschaffen. Darum aber: 2) weil der Mosaismus sich nur an ein bestimmtes Volk richtete, unter bestimmten Umstanden, in einer bestimmten Zeit, können wir nicht überall allgemeine Grundsätze hingestellt erwarten, sondern dieselben sind zumeist eingekleidet in bestimmte, spezielle Gesetzesvorschriften, wie sie der Zeit und dem Volke angemessen waren, aus denen wir aber die allgemeinen Ideen herauszuziehen haben. Hier ist es, wo wir oft vom Buchstaben der mosaischen Schrift abzusehen haben, um die mosaische Idee zu finden. Allerdings darf hierbei keine Willkür uns leiten, zu deren Vermeidung aber zwei Regeln wirksam sein l werden: a) aus dem Speziellen muß der allgemeine In-