Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 10 (1846)
- Issue
- Heft 52 (21.12.1846)
- Date
- 1846-12-21
- Page
- Seite 761 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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iöl die natürlichste Folge davon, daß einerseits jedes Gesetz, es mag welchen Lheil der Einwohnerschaft treffen, immer bedeutend modifizirt wird in jeder Gerichtsbarkeit nach dem verschiedenen Bildungsgrade, individueller Ansicht, gesellschaftlichen Verhältnissen der dortigen Stimmführer und zuweiligen herrschenden Partei, und daß andererseits die Kräfte einer jeden Regierung, mag sie nun wohlwollend oder beschränkend gesinnt sein, kwduutend absorbirt werden. — Daher läßt sich auch erklären, warum in Siebenbürgen, trotzdem ein Gesetz die Juden einzig auf Karlsburg, beschränkt, und die Regierung das Gesetz lange Zeit aufrecht halten wollte, sie sich doch in allen Gegenden, in vielen auch zahlreich finden; nur daß wiederum, als dir Regierung die nun einmal Angesiedelten in Schutz nimmt, sich dennoch einige Komitate das Recht usurpirten, sie zu beschränken und gar viele auszuweisen. Dem Beispiele Ungarns folgend petitionirten die siebenbürger Juden beim letzten Landtage um Verbesserung ihrer Lage, und wahrscheinlich würde» auch die Stände dem von Ungarn 184V gegebenen Impulse gefolgt haben, wäre nicht der Landtag plötzlich und resultatlos aufgelöst worden; jedoch ward die Angelegenheit einer Deputation zur Begutachtung übergeben, deren Operat dem bald zusammentretenden Landtage vorgelegt werden wird; hoffen wir bis dahin das Beste. — Doch leider steht die jüdische Genossenschaft bei uns noch auf der niedrigsten Stufe der Bildung, ohne Bewußtsein, ohne Wünsche, ohne Einigkeit, und da kann es Niemand wundern, wenn sie sich nicht großer Aufmerksamkeit zu erfreuen haben. Vor Allem fehlt es ihnen an muthigen Vertheidigern aus ihrer Mitte, die in allen Verhältnissen große Dienste leisten könnten, wie auch in der Thal seitdem die talentvollen, höchstgebildeten und der ungarischen Sprache so mächtigen Herren Friedmann und Löw die gerechte Sache in den Journalen so siegreich vertheidigten, verstummten viele neuerdings erhobene Verdächtigungen und Beschuldigungen, während bei uns sich kaum Einer findet, der so viel Bildung besäße, um einen ordentlichen Aufsatz zu Stande zu bringen. Denn das kann jeder einigermaßen verständige Mensch leicht einsehen, daß alles Heil für die Juden Ungarns und Siebenbürgens nur von ihrem innigen Anschließen an die Nationalität herdatiren wird, und um diese zu verbreiten, sollten alle Gemeinden das Möglichste thun: und auch in dieser Hinsicht zeichnen sich die ungarischen vortheilhaft aus, wenn auch manche Gemeinden öffentlich gerügt zu werden verdienen, die aus Galizien sich Rabbiner bestellen, die dann nicht nur der Nationalität, sondern überhaupt jedem Zeitgemäßen abhold sind, und um so mehr muß das Ergebniß solcher Wahl allgemeine Entrüstung verursachen, da in beiden Ländern von jedem noch so unbedeutenden Amte Ausländer grundgesetzlich ausgeschlossen^ sind. Jedoch sind dies nur Ausnahmen und die meisten Gemeinden hegen eine heilsame Scheu gegen Ausländer, und es freute mich nicht wenig, daß ich diesen Sommer auf meiner Durchreise in Kascha» den jungen jüdischen Theologen vr. Rokkonstein einen ungarischen Vortrag halten zu hören Gelegenheit hatte, der an schöner Anssprache, gediegenen Ausdrücken und würdevollen Gesinnungen jedem christlichen Theologen zur Ehre gereichen würde, wie auch dieser, meines Wissens, erste jüdisch-ungarische Vortrag auf die Zuhörer aus allen Konfessionen den tiefsten Eindruck gemacht hat. Es charakterisirt aber schön die siebenbürger Judenschaft, daß auch sie nun einen Ungarn berufen hat; doch habe ich noch nicht das Glück, ihn kennen zu lernen oder gehört zu haben, und somit muß ich mich jedes Urtheils über ihn enthalten. Die ungarischen Juden daher, es kann lange nicht mehr währen, werden zum Mitgenuß aller Vortheile, die das Staatsleben bietet, eingeladen werden, da sie bereits den Weg eingeschlagen, auf welchem sie sich selbst zu Eingebornen, durch und durch zu Ungarn machen werden, was eben die siebenbürger zu folgen haben: die ungarische Sprache als Muttersprache zu sprechen, in Schule und Gotteshaus einzuführcn, und mit diesen wahrhaft nationale Gesinnungen in ihre Busen einzusaugen. I. v. Cs. Anzeiger. In demselben werden Annoncen aller Art gegen 1 Vi Ngr. (1 gGr.) Gebühren für die gespaltene Zeile aus Petit-Schrift oder deren Raum sowie literarische, merkantile u. a. Beilagen ausgenommen. Die Verlagshandlung. Aufforderung« Das erledigte Amt eines Landesrabbiners für die israelitischen Gemeinden in Mecklenburg-Schwerin ist spätestens Michaelis k. I. wieder zu besetzen.