Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 10 (1846)
- Issue
- Heft 51 (14.12.1846)
- Date
- 1846-12-14
- Page
- Seite 748 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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748 wie mehrere religiöse Effekten und Denkmünzen, wurden unter den Grundstein eingelegt. Während der Chor und die Schuljugend — die in dem Tempel Spalier bildete — die erhebende Nationalhymne sang, wurde der Grundstein zu der Stelle gelegt, auf welcher der Aron hakodesch, die heilige Lade stehen wird, und Se. k. k. Hoheit, so wie nach ihm die übrigen hohen Gäste ergriffen Kelle und Mörtel und thaten die üblichen drei Hammerschläge. Sodann hielt der israelitische Gemeindevorstand, Herr Heinrich Grünfeld, eine Dankrede an Se. k. k. Hoheit, welche der durchlauchtigste Prinz mit wenigen aber die gesammte Versammlung elektrisirenden Worten beantwortete, wobei er erwähnte: wie sehr es ihn freue, dieser Zeremonie bcigewohnt zu haben, und wie sehr er wünsche, daß auch Schule und Krankenhaus bald vollendet sein mögen; er werde das Seine thun, um diese Werke zu fördern. Der Schluß der Feier ward abermals durch Musik und Böllerschüsse bezeichnet, und Se. k. k. Hoheit verließ das jüdische Gotteshaus, begleitet von den Segenswünschen aller der zahlreichen israelitischen sowol als christlichen Thcilnehmer und Zuschauer, welche dem seltenen religiösen Feste beigewohnt hatten. Warasdin, im November. (Privatmitth.) Das Beiblatt der agramer politischen deutschen Zeitung enthielt unlängst eine Notiz über die israelitischen Franzosen in Betreff: „Ihrer Abneigung sich Grundbesitz zu verschaffen und Landwirthschaft zu betreiben." Sie klang durchgehcnds nicht panegyrisch, und schloß: „Eben so wenig beschäftigen sie sich mit städtischen Gewerben, ungeachtet 'sie darin keineSweges wie in Deutschland und Ungarn, durch das Zunftwesen, beschränkt sind." Sehr wahrscheinlich hat jene Redaktion diese Notiz nicht unmittelbar von ihrem Korrespondenten aus Frankreich erhalten, sondern solche aus irgend einem deutschen Blatte entlehnt. Sie wird es uns daher nicht verargen, wenn wir dem Gedanken Raum geben, daß diese Notiz ursprünglich auch aus einer gehässigen Feder geflossen sein konnte. Wir sind zu dieser Muthmaßung um so berechtigter, da es bekannt ist, daß auck die von auswärtigen hohen Staatsmännern über die Israeliten Hollands und Frankreichs eingeholten Erkundigungen die günstigsten Berichte von den dortigen Regierungen erfolgten. Es sei dem übrigens wie es wolle. Unsre Absicht ist hier nicht, «ine Lanze für die israelitischen Franzosen einzulegen und die Echt- oder Unechtheit jener Notiz zu bestreiten, sondern einer Folgerung vorzubeugen, die sich sonst beeilen dürfte irgend es« Jünger ^Eisenmengers in Ungarn — beispielsweise Herr Ludwig Arünyi — aus ihr zu ziehen und sofort in Anwendung zu bringen. Dies ist's, was uns bewegt, hier faktisch nachzuweisen, daß auch wir Israeliten in Ungarn und in den Nebenländern hinstreben, durch immer häufigere Einführung öffentlicher geregelter Iugcndschulen unsre Jugend für Kultur, Kunst und Wissenschaft empfänglich zu machen, und sie — besonders die der ärmern Klaffe — durch geeignete Mittel von dem Hausir- und Nothhandel ab- und professionellen und industriellen Erwerbszweigen zuzulenken *). Zu diesem Behufe trat 1842, auf Anregung des Oberrabbiners Löw, die israelitische Gemeinde zu Groß-Kanischa zusammen, und gründete den ersten ungarischen Verein zur Anleitung der israelitischen Jugend zu Handwerken und Künsten, und strebt seitdem nachstehende festgestellte Tendenz an: „1) Die größtmögliche Verbreitung nützlicher Handwerke und Künste unter inländischen Israeliten zu erzielen, und 2) hierbei vorzüglich auf Erlernung jener Handwerke zu sehen, die bisher von Israeliten seltner gelernt und ausgeübt, oder überhaupt im Vaterlande noch wenig betrieben werden." Schon bei Gründung dieses Vereins zählte diese Gemeinde, die aus 130—140 Familien besteht, in ihrer Mitte 67 israelitische Professionisten, meistens der verschiedensten Art. Um wieviel sich diese seitdem vermehrt, wie überhaupt was der Verein bereits erzielt, wird (laut 6. Kap. §. 9 der Statuten) am Geburtstage Sr. Majestät des Königs, als am Vereinstiftungstage veröffentlicht werden. Diesem von der kanischaer Gemeinde gegebenen rühmlichen Beispiele in unserm Vaterlands folgte bald die pesther Gemeinde. Sie gründete nämlich kurze Zeit darauf einen ähnlichen Verein, und hat er, wie „der Ungar" unlängst berichtet (No. 257), *) Die unlängst zu Pesth er'öffuete Industrieschule zählte gleich nach ihrer Eröffnung 65 Schüler, und von diesen sind beinahe die Halste Juden. Der Einsender.