Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 10 (1846)
- Issue
- Heft 47 (16.11.1846)
- Date
- 1846-11-16
- Page
- Seite 678 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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678 Doch nicht Eb'ne allein, es ziehet ein mächtig Gebirge Seine granitenen Hohen hindurch und gipfelt die Felsen Ueber einander hinauf, anstrebevd zum Reiche der Wolken. Ueber die Berge ein Berg erhebt sich gewaltig der Horeb, Dem der gespaltene Gipfel auSschauet auf Wüsten und Meere. Ha! wie rauscht' um den Fuß ihm einstmals gerettete Volksschaar; Wie erbraus'te der Sturm um den Gipfel, und Wettergewölke, Donner und Blitze auf Blitz, daß bebte der Berg bis zur Tiefe; Aber noch stärker das Wort, das der leuchtenden Wolke entfahren, Wort des RechtS und der Wahrheit, von Gott dem Menschen verkündet... DaS war längstens vorüber: das Wort der Wolken verhallet, Fortgezogen die Volksschaar — Schweigen bedeckte den Gipfel, Schweigen umhüllte die Spur des geoffenbareten Gottes, Schweigen die Wüst' und das Thal uud die weitgestrecketen Eb'nen. Sieh, dort öffnet den Schlund inmitten des Berges die Zierliches Ginstergesträuch umblü^W^^vkelen Eingang; Unter dem Ginstergesträuch in sü^^^^Mlmer versunken, Hehren Gesichtes, ein Mann, vo^^M Pilg'rung ermüdet, HärneS Gewand umschlingt ihm die Hüften und härener Gürtel.... Lautlos schlummert die Flur, der Berg und die Höhl' der Pilger.... himmlisches Wesen, und stehet Neben dem schlummernden Mann, ein Bote des Herrn, und derart Mit dem Finger die Stirn: da!«Mpas leuchtende Aug' sich^^ Staunet, doch wundert sich nicht — als ob es der Wunder gewöhnet. Spricht: „Ettja, Elija!" — „Hie bin ich!" — „Was schaffest du hierorts?" — Und eS erhebt sich vom Boden und stehet aufrecht der Pilger: „Um den Ewigen Hab' ich geeifert, den König der Heerschaar, Denn sein Bund ward gebrochen, und seine Altäre zerstöret, Seine Propheten gerodtet: nur ich bin übrig geblieben, Und sie trachteten mir uach dem Leben — ich wünsche zu sterben!" — „Sag, wie hast du geeifert?" — „Ich habe die Rechte geschwungen, Bis sie erlahmte, die Zunge gerühret, bis sie gestocket, Nicht das Wort, nicht den Arm, nicht das zückende Messer erspart' ich. Dort wo den grünenden Gipfel der seeumspülete Carmel Ueber die Fluren erhebt: da stand ich, vom Volke umwoget — Dort die Priester des Baal, vierhundert und fünfzig, hie stand ich, Von den Propheten des Herrn allein noch übrig geblieben. Sprecht, wie lange noch wollt auf zween Hüften ihr wanken? Herrscht' ich dem Volke zu: ist Baal der Gott, nun so folgt ihm, Ist der Ewige Gott, nun so wandelt dem Ew'gen allein nach! Schafft zwo Stiere herbei; die Priester des gräulichen Baal Mögen dem Baal den Einen, den Andern will ich dem Gotte Himmels und Erden opfern — doch leget an'S Holz nicht das Feuer; Wessen Opfer dann zehrt vom Himmel gefallenes Feuer, Dessen Gott sei der wahre, vom Volke der Menschen verehret. Sprach's, es geschah. Da riefen vom Morgen bis Mittag die Priester Ihren Baal, er hört nicht. „So rufet doch lauter, vielleicht daß Baal auf Reisen gegangen, vielleicht in Sinnen versunken, Oder er schläft, er erwache!" Doch nimmer erscheinet das Feuer, Ob sie hinken und tanzen, mit Messern sich ritzen und schreien. Schau, da trat ich zum Altar von Steinen, und ringsum der Graben, Uebergoß fle mit Wasser, das Opfer, die Steine, den Graben, Und erhob dann die Hände: o, Ewiger, künde dem Volk Dich, Daß sie erkennen, nur Du bist der Gott des Himmels, der Erden!