Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 10 (1846)
- Issue
- Heft 44 (26.10.1846)
- Date
- 1846-10-26
- Page
- Seite 647 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3224737-3225443-3225488--08111-3238910- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
647 Hefter Kindheit bereits Vaterlandsliebe und Patriotism einimpfen soll. Die mit dem Ablauf des Schuljahres an der israelitischen Normalhauptschule wie an den verschiedenen „Mädchenerziehungsinstituten" abgehaltenen öffentlichen Prüfungen sielen zu allgemeiner Zufriedenheit aus, neuerdings beweisend, wie unsere Lehrer rüstig vorwärts streben und des Zeitgeistes Fragen und Anforderungen richtig erfassend und würdigend, diesen auch nach Kräften zu genügen suchen. Eine Wahrnehmung, die jetzt um so erfreulicher war, da Erstere (die Normalschule) letzthin wiederholte schmähliche Angriffe erleiden mußte, welche nun faktisch am Besten widerlegt wurden. Unter den Letzteren (den Mädchenschulen) verdient besonderes Lob die des Herrn Jos. L. Fischer, der ein zeitgemäß gebildeter Pädagog und noch stets mit Studien über sein Fach beschäftigt, einer unsrer tüchtigsten Schulmänner ist, seiner Schule mit Eifer und Liebe vorsteht, und durch seinen zweckgemäßen Unterricht wirklich erstaunenswerthe Resultate erzielt. Im Interesse der Unterrichtsuchenden wäre es allerdings wünschenswerth, daß der Wirkungskreis des Herrn F. erweitert und auch auf Knaben ausgedehnt würde, um so mehr, da unsrer mädchenerziehungsinstitutegesegneten Gemeinde noch immer ein Knabenerziehungsinstitut fehlt, ... ein Institut, dessen Nothwendigkeit täglich dringender wird, da einerseits viele Eltern vom Lande ihre Kinder zur Erziehung in die Hauptstadt schicken, andererseits auch hiesige Eltern oft von Geschäften allzusehr okkupirt, um die Erziehung ihrer Kinder zu überwachen, diese gern völlig einem geeigneten Individuum überlassen möchten. Beide aber in solchen Fällen den Mangel eines jüdischen, mit einer Pension verbundenen Knabenerziehungsinstitutes bitter empfinden. J. Ehn. Literarische Nachrichten. Magdeburg, 19. Oktober. Neuere Geschichte der Israeliten von 1815 bis 1845, mit Nachträgen und Berichtigungen zur alteren Geschichte von 11r. I. M. Jost. Zweite Abtheilung: die Staaten und Länder außer Deutschland. Berlin, 1847. ES ist erfreulich, daß die zweite Abtheilung dieses werthvollen Geschichtswerkes so schnell der ersten gefolgt ist. Dieselbe befaßt die Rechtsverhältnisse der Juden in allen Staaten und Ländern außer Deutschland. Wir müssen hier auf die Bemerkungen, die wir in No. 9. dieses Jahres in Bezug auf die erste Abtheilung gemacht, zurückverweisen, indem uns dieselben auch auf diese zweite anwendbar erscheinen. Die Kunst der Darstellung beschränkt sich auf die Architektonik der Zusammenstellung; das mir Fleiß gesammelte Material ist mit großem Geschick in das rechte Licht gebracht, das Wichtige und Einflußreiche hervorgehoben worden. Bedeutendes leistete der Verf. hier besonders für Italien, über welches er ein vollständiges Licht verbreitet. Gelungen ist die Schilderung Englands. Sehr mangelhaft hingegen ist Rußland weggekommen. Hier sind es weder die bestehenden Verhältnisse, noch die emanirten Gesetze, welche ausführlich besprochen werden; über die neueren Maßregeln wird mit sichtlicher Eile hinweggeschritten. — Im Ganzen vermissen wir in diesem Theile noch mehr, als im erstern, einen Einblick in die politischen Verhältnisse des Staates, um den Gang der jüdischen Angelegenheiten tiefer zu erfassen, und das Warum? bei den Ereignissen nicht ganz ohne Antwort zu lassen. Die damasker Blutgeschichte hat einen weitläufigern Bericht erhalten, als sie nöthig und verdient hatte. (S. 378. Z. 6 v. u. muß 1499, nicht 490 heißen.) Mit Spannung sieht man dem Erscheinen der Kulturgeschichte entgegen. -Beiträge zu einer Geschichte der Schulen und der Kultur unter den Juden. Von der Rückkehr aus dem babylonischen Exil bis zum Schluffe des Talmuds. Von Daniel Ehrmann, Rabb. Prag, 1846. Aus Midrasch und Talmud werden in diesem Schriftchen alle Stellen gesammelt und angemessen geordnet und verarbeitet, welche über das Schulwesen der Juden in der gedachten Zeit ein Licht heranzubringen vermögen. Je dunkler das Schulwesen des Alterthums und des Anfangs des Mittelalters überhaupt ist, desto schätzeuswerther ist dieser Beitrag. Einige Notizen über allgemeine Bezüge, griechische Bildung, talmudische Ethik rc., wenn auch wenig umfassend, sind beigegeben. — Israels Andachtsstunden, ein Erbauungsbuch für das weibliche Geschlecht in allen Verhältnissen des Lebens. Bearbeitet von mehreren jüdischen Schriftstellern. Verbessert und mit vielen Zusätzen vermehrt von einem sachkundigen Gelehrten. Sulzbach, 1846. Dieses kleine Heft, welchem noch „Gebete auf dem Friedhofe an den Gräbern der Verwandten, für das weibliche Geschlecht" angehängt sind, gut ausgestattet, enthält eine Reihe einfacher, frommer Gebete, welche den gewöhnlichen Umfang der asketischen Gedanken und Ge-