Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 10 (1846)
- Issue
- Heft 44 (26.10.1846)
- Date
- 1846-10-26
- Page
- Seite 646 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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646 der Borstand derselben in einem mir überreichten Bittgesuche die Bitte stellt: daß ich sowol die obbeschriebene Stiftung als auch diese numismatische Sammlung auf meinen Namen benennen, resp. unter meinem Namen übergeben zu dürfen genehmigen möge. So wie von jeder welch' immer Volksklaffe des Landes, eben so war mir auch die aufrichtige Freudenbezeugung der pesther israelitischen Gemeinde und ihrer mir sowol während der ganzen Zeit meiner Palatinalverwaltung immer, als auch jetzt bewiesene herzliche Anhänglichkeit schon an und für sich sehr angenehm, es wurde aber der Werth dadurch noch erhöhet, daß diese in der Bereitwilligkeit, gemeinnützige Anstalten in'S Leben zu rufen nie zurückgebliebene Körperschaft auch bei dieser Gelegenheit wieder neue und glänzende Beweise gegeben von ihrer Theilnahme und von ihrem Eifer für die zur Beförderung des allgemeinen Wohls so nöthigen Industrie einerseits — und für Nationalsprache und Literatur andrerseits. Mit größter Bereitwilligkeit nehme ich daher die beiden an mich gerichteten Bitten an, und fordere hiemit diesen Stadtmagistrat auf, die besagte israelitische Gemeinde sowol von meiner gegenwärtigen Erklärung zu verständigen, als auch derselben mein besonderes Wohlgefallen für die mir bewiesene Aufmerksamkeit zu erkennen zu geben. Ofen, am 30. September 1846. Joseph Palatin, m. p. Pesth, 14. Oktober. (Privatmitth.) Der löbl. Vorstand der hiesigen Jsraelitengemeinde hat dieser Tage abermals auf eine eklatante Art bewiesen, daß die Juden nicht bloß mit Worten, sondern auch thatsächlich an allen Bestrebungen zur Hebung und Förderung vaterländischer Interessen sich betheiligen wollen und auch sehr bedeutende Opfer nicht scheuen, diese ihre Theilnahme zu bcthätigen.... Der Industrieschule, die gegenwärtig hier errichtet und schon im Verlaufe nächsten Monats eröffnet wird, schenkte der Vorstand ein Kapital von 4000 Fl. K. M. dessen fünfprozentiger Ertrag per 200 Fl. K. M. jährlich immer den zwei ausgezeichnetsten Zöglingen der Schule, ohne Religionsunterschied, zufallen soll.... Der 5. November soll für Ungarn ein allgemeiner Freudentag werden, indem an selbem das fünfzigjährige Jubiläum der Statthalterschaft Sr. k. Hoheit des Palatins gefeiert wird. Und um ihre lebhafte Theilnahme an diesem Jubeltag zu manifestiren, hat die Gemeinde eine hier befindliche numismatische Sammlung im Werth von 4—5000 Fl. K. M. gekauft und diese zum Andenken an das Jubiläum der ungarischen Akademie präsentirt.... In unsrer Herzensfreude über diese — einen bedeutenden Fortschritt bekundenden — Zeichen der Theilnahme des Juden an allgemeinen Interessen wollen wir gern manchen Nebenumstand unberücksichtigt lassen und auch das nicht rügen, daß diese Spenden verhältnißmäßig zu bedeutend sind. Wir wollen wie gesagt die gute Absicht des Gebers berücksichtigend nicht darüber rechten, ob die Gabe auch am rechten Orte angebracht war, können aber doch eine bescheidne Frage, die sich uns bei dieser Gelegenheit aufdrängt, nicht unterdrücken. Sind nämlich die Finanzen der Gemeinde der Art bestellt, daß man für fernerliegende Zwecke in einigen Tagen 8—9000 Fl. K. M. verwenden kann, warum bleiben^ unter dem Vorwände des Geldmangels so manche dringende, die hiesige Judenheit unmittelbar berührende Forderungen unbefriedigt?? Als vor zwei Jahren die Anstellung eines besondern Talmudlehrers an der' Normalschule verlangt wurde, fehlten die zu seiner Besoldung erforderlichen 600 Fl. K. M. und die Sache unterblieb; ... als nach dem Tode des bekannten Rosenthal von allen Freunden jüdischer Literatur darauf gedrungen wurde, daß seine hinterlassene Bibliothek, dieser in Ungarn einzige jüdische Bücherschatz nicht zerstreut, sondern im Ganzen angekaust und zur jüdischen Bibliothek für die in großer Anzahl hier weilenden Rabbinatskandidaten gemacht werde — fehlte es wieder an Geld; ... ober um von der Gegenwart zu sprechen, warum hat die Gemeinde noch immer keine ordentliche Kleinkinderbewahranstalt, warum keine Mädchenschule, heute, wo es allgemein anerkannt ist, daß die Erziehung und der Unterricht der Töchter ebensoviel Sorgfalt als der der Knaben beanspricht??! ,4(1 vocem Kinderbewahranstalt kann ich Ihnen die erfreuliche Nachricht mittheilen, daß soeben von dem „Verein zur Verbreitung der ungarischen Sprache unter den Israeliten Ungarns" eine solche gegründet wurde, in welcher nur ungarisch gesprochen werden und die derart die zarten Sprößlinge schon an die vaterländische Sprache gewöhnen und ihnen in frü-