Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 10 (1846)
- Issue
- Heft 43 (19.10.1846)
- Date
- 1846-10-19
- Page
- Seite 635 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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635 aufgerr'chteten Gerüste angelangt war, nahm ihr der Henker den Strick, welcher ihr um den Hals gelegt worden war, ab und schwang ein großes blitzendes Richtschwert zwei- bis dreimal durch die Luft, worauf wie auf ein gegebenes Zeichen alles Getöse ringsum verstummte, und die Massen der Zuschauer in lautloser Erwartung dastanden. Sol bat nun die Umstehenden um etwas Wasser, sich die Hände zu waschen, und um ein großes Tuch, womit ihre Glieder bedeckt werden sollten, damit sie in den Zuckungen des Todes keine unanständige Blöße geben. Ihrem Verlangen wurde augenblicklich willfahrt, und nachdem sie das Tuch gehörig ausgebreitet neben sich gelegt hatte, wusch sie sich die Hände, und sprach, die Augen in frommer Inbrunst gen Himmel gewandt, unter tausend Thränen mit fester, lauter Stimme das Schema Israel, Adonai Elohenu, Adonai Echad aus. Darauf sprach sie, sich zu den Henkern wendend: „Ich bin bereit, thut Eure Schuldigkeit," und ließ sich auf ihre Knie nieder, den Todesstrcich erwartend. Ein Henker erfaßte nun die Arme der Gefangnen, band sie ihr fest auf dem Rücken zusammen, schwang das Richtschwert durch die Luft, wickelte die langen Haare der Jüdin um seine Hand und ließ das Schwert langsam auf ihre Schulter niederfallen, daß das Blut in Strömen über ihren Körper floß. „Noch ist es Zeit," rief er ihr zu, „werde Maurin und Dein Leben ist gerettet," aber Sol hob ruhig ihr Haupt in die Höhe und sagte: „Vollziehe Dein Amt, und verlängere nicht meine Suiöl, der Gott Abrahams, der meine Unschuld kennt, wird meinen Tod rächen." Diese Worte waren kaum gesprochen, als der Henker von Neuem sein Schwert erhob, und mit einem Hiebe das Haupt vom schönen Halse trennte — die edelste aller Frauen hatte aufgehört zu leben. Die Juden eilten sogleich herbei, hüllten die Leiche in ein weißes Tuch und trugen sie wehklagend mit sich fort. An demselben Tage noch ward die Märtyrerin von Tausenden von Juden und Mauren begleitet zu Grabe getragen, und neben der Asche eines der geachtetsten jüdischen Gelehrten auf dem Gottesacker bestattet. Die ganze Judenschaft Marokkos legte Trauer für sie an, und ihre unglücklichen Eltern, welche zu ihrem Schmerze, den Tod ihrer geliebten Tochter überleben wußten, beweinen noch jetzt täglich diesen unersetzlichen Verlust, und finden nur Kraft und Trost in dem Vertrauen auf Gott, den allliebeuden Vater. Das Andenken der heldenmüthigen Sol wird sich aber nie aus dem Herzen derer verlieren, welche von ihrem traurigen Schicksale Kunde erhalten — und der Rächer wird nicht lange mehr ausbleibeu, welcher die Barbarei und den Fanatismus zur strengen Verantwortung ziehen und die gerechte Strafe über sie verhängen wird. Anzeiger. In demselben werden Annoncen aller Art gegen iViNgr. (1 gGr.) Gebühren für die gespaltene Zeile aus Petit-Schrift oder deren Raum sowie literarische, merkantile u. a. Beilagen ausgenommen. Die Verlagshandlung. Vakanz. Mit dem 1. Marz 1847 wird die hiesige Lehrer¬ und Kantorstelle mit einem jährlichen Gehalte von 150 bis 180 Thlr. vakant. Diejenigen, welche diese Stelle zu besitzen wünschen, haben sich unter frankicten Briefen baldigst zu melden. Bochum, den 20. September 1846. Der Synagogen-Vorstand. Eröffnung eines Mdungsinsütuls für Töchter zu Soest in Westfalen. Der Mangel an Erziehungsanstalten für israelitische Töchter in Rheinland und Westfalen hat den Unterzeichneten zu dem angekündigten Etablissement veranlaßt. Die Anstalt wird mit dem 1. Juni k. I. eröffnet und stellt stchs zur Aufgabe, den ihn anvertrauten Zöglingen eine zeitgemäße Bildung angedeihen zu lassen. Neben dem erforderlichen wissenschaftlichen Unterrichte soll, auf Verlangen der Eltern, auch eine genügende Anleitung zur Führung des Hauswesens gegeben werden. Die Lage des geräumigen, gesunden und stattlich gebauten Hauses, hinter welchem sich ein schön angelegter Garten befindet, bietet einen angenehmen, das Landmit dem Stadtleben verbindenden Aufenthalt. Mit der Ausbildung des Geistes sollen angemessene körperliche Uebungen Hand in Hand gehen und so die Gesundheit und Blüthe der jungen Zöglinge namentlich berücksichtigt werden. Ueber die näheren Bedingungen zur Aufnahme, so wie über die einzelnen Gegenstände des Unterrichts, ist ein Prospektus angefertigt, welchen auf portofreie Briefe zu übersenden mit Vergnügen bereit ist der Direktor der Anstalt, Leopold Lehmann, konzess. Lehrer der französischen Sprache und Religionslehrer und Hülssprediger in der israel. Gemeinde zu Soest.