Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 10 (1846)
- Issue
- Heft 39 (21.9.1846)
- Date
- 1846-09-21
- Page
- Seite 567 (sequence 3)
- Language
- German
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567 Es ist kein Schisma entstanden, das man von Hamburg aus schon vertheidigte; es hat sich keine Sekte gebildet, es ist Alles beim Alten geblieben; von der «inen Seite keine Opposition, von der andern kein Wachsthum; von jener Ruhe, von dieser Unthatigkeit. Man wird uns fragen, was hätte sie denn thun sollen? Ich kann sagen, ich kann es mir sehr gut denken, was nach der bedeutenden Aufregung durch das erste Schreiben hätte geschehen sollen — allein das ist meine Privatansicht, und die kann schweigen. Ich habe es ja hier nur mit den Fakten zu thun. Es ist allerdings eine bedeutsame Erfahrung, die sich nunmehr unleugbar herausgestellt hat, und die dem Judenthume Werth genug hat, um die geschehenen Operationen nicht zu bedauern. Es ist nämlich die: daß alle Reformversuche, welche ein Heraustreten aus demGesammtkörper enthalten, weil sie nur eine Partei im Auge haben, nichtig sind, und daß nur eine Reform, die den Gesammtkörper zum Gegenstand und Raume hat, ein Gedeihen mit sich bringt, sei sie auch noch so langsam, noch so allmälich. Diese Erfahrung ist nunmehr festgestellt, und wahrlich! ein bedeutendes Errungniß. Lassen Sie mich etwas näher darauf eingehen. Zuerst trat der Reformverein zu Frankfurt am Main auf, mit Entschiedenheit, mit vollständiger Negation. Sein Geschäft war bald abgemacht; er hatte nur eben die Aufgabe, das Nein auszusprechen. Nach diesem negirenden Reformverein trat die Reformgenossenschaft zu Berlin auf; ihr erstes Sendschreiben war tief eingreifend, aber sie gestaltete sich alsbald zu einer diplomatischen Genossenschaft. Diplomatisch wollte sie nur das Reformdedürfniß aussprechen, die Erfüllung und Befriedigung einer singirten später» Instanz übertragend. Diplomatisch sandte sie eine Deputation an die Rabbinerversammlung; diplomatisch verwahrte sie sich aber gegen diese selbst; diplomatisch suchte sie Filialvereine zu bilden; diplomatisch verhandelte sie mit einzelnen Rabbinen u. s. f. Aber wenn auf dem Gebiete der positiven Religion die bloße Negation zu gar keinem Resultate führen kann — so vermag eine diplomatische Reform eben so wenig einen Erfolg zu erwirken. Auf diesem Felde will der Mensch geradezu angepackt sein, und durch diplomatische Windungen fühlt er sich weder angesprochen, noch befriedigt. So mußte es kommen, daß auch diejenigen, welche sich Anfangs für die Genossenschaft angeregt fühlten, doch erkalteten und sie vergaßen, da sie nichts vor Augen bekamen. Die Herstellung eines „provisorischen" Gottesdienstes konnte nur Nächstgelegene interessiren. So hat sich die Theilnahme verloren, und damit die ganze Wirksamkeit. Eine verlorne Theilnahme kann aber niemals wieder erobert werden; sie kann einmal wieder zu einem augenblicklichen Interesse geweckt werden, aber niemals als eine volle Bedeutsamkeit erstehen. So ist denn die Reform des Judenthums wieder auf den Standpunkt zurückgekommen, den sie früher eingenommen, als eine, die sich nur aus, mit und an der ganzen Masse entwickeln kann, und für welche vorgeschobene Posten nur vorübergehende Erscheinungen sind. Berlin, 4. September. (Prioatmitth.) Der hiesige Gemeindevorstand hat bereits einen Platz zum Bau der neuen Synagoge angekauft für die bedeutende Summe von 50,500 Thlr. Die Genehmigung der Behörden machte einige Schwierigkeit wegen der in der Nähe desselben gelegenen Garnisonkirche, da man Anfangs fürchtete, daß die beiderseitigen Orgeln sich an zusammenfallenden Festtagen stören könnten. Doch man überzeugte sich, daß dies nicht gut möglich ist, und ließ sich daher endlich herbei, die Einwilligung zu geben. Bei dieser Gelegenheit hat sich wieder der besonnene Eifer und die rastlose Thätigkeit des Herrn Joel Meyer besonders ausgezeichnet, und ihm allein haben wir es zu verdanken, daß der Fortgang des so sehr gewünschten Synagogenbaues keine weiteren Hemmungen zu fürchten hat. Vorige Woche haben die hiesigen jüdischen Freimaurer, etwa 30 bis 40 an der Zahl, von denen Einige auch an der Spitze der Refvrmgenossenschaft stehen, einigen auswärtigen Brüdern, die sich in der englischen Loge als besondere Vertreter ihres von der preußischen Landesloge gekränkten Rechts hervorgethan haben, ein glänzendes Festmahl gegeben- Berlin, 13. September. (Privatmitth.) Wenn, wie es sich nun hinlänglich herausgestellt hat, alle Vereine, alle Separatinstirute für die allgemeine Reform im Judcnthume keine wesentliche Bedeutung