Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 10 (1846)
- Issue
- Heft 38 (14.9.1846)
- Date
- 1846-09-14
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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No. 38. x. z-hrga-g. Allgemeine Zeitung des Iudenthums. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Redakteur Verlag von irr. Ludwig Philippfon, Baumgärtners Buchhandlung Rabbiner zu Magdeburg. Leipzig. (Mit königl. sächsischer allergnädigster Konzession.) Leipzig, den 14. September 1846. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Montags, und wird jährlich 96 Bogen in Quart inkl. des Titels, Registers u. s. w. umfassen. In Gemäßheit des Zweckes derselben die allgemeinste Verbreitung zu geben, ist der Preis äußerst niedrig: mit 3 Thlr. für den Jahrgang; — 1 Tblr. 15 Ngr. (1 Thlr. 12 gGr.) für sechs Monate — 22-J- Ngr. (IS gGr.) für das Vierteljahr angesetzt worden. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zeitungs-Expeditionen nehmen Bestellungen an; der Hauptspedition für beide Letztere hat sich die königl. sächs. wohllöbl. Zeitungs-Expedition allhier unterzogen. Inhalt. Leitende Artikel: Bade» und Preußen. — Zur Sabbatfrage. — Zur Verständigung. Zeitungsnachrichten: Nordamerika: New-Uork, New- Bork. I t a l i e n: Rom. Frankreich: Bayonne. Deutschland: aus Württemberg, von der Saale, Mannheim, Hannover, aus Württemberg. Oesterreich: Altofen. Leitende Artikel. Magdeburg, 6. September. Baden und Preußen. So hat sich denn abermals eine der Ständekammern Deutschlands für unsre völlige bürgerliche Gleichstellung ausgesprochen, und glänzend ausgesprochen: denn also kann ein Votum von 38 gegen 18 Stimmen mit Recht genannt werden. Zwar hat das Votum noch keine unmittelbare, praktische Folge; zwar hat es noch bis zur Ausführung ein Triennium durchzumachen; zwar bis zu seiner Verwirklichung noch drei Instanzen zu durchwandern, die Vorlage der Regierung, die Berathungen und Beschlußnahmen der zweiten und ersten Kammer. Aber vergessen wir nicht, daß es sich in Baden zum erst um prinzipielle Rechte handelt, weniger um materielle, und daß also eine Aussprache im Prinzips, wie sie eben gegeben worden, hier ein entscheidendes Faktum ist. Mögen demnach noch Restriktionen, Verwahrungen, Klauseln beliebt werden, das Prinzip ist entschieden, hat gesiegt, und wird jene nach kurzer Zeit auch wieder besiegen. Baden kann den Ausspruch seiner Volksvertreter niemals wieder verleugnen. Auf der betretnen Bahn muß es zum Ziele kommen. Denn wir wollen es nicht unerwogen lassen, daß unsre heilige Angelegenheit in Baden erst einen weiten Weg, einen hartnäckigen Kampf durchzumachen gehabt hat. Es ist keine oktroiyirte Emanzipation; sie hat seit dem 13. Januar 1809 ihre Stationen, ihre Aktionen und Reaktionen gehabt; sie mußte in demselben Saale, in welchem sie jetzt siegreich verfochten ward, mehre harte Niederlagen erleiden; sie mußte in dem fast 40jährigen Zeiträume erst eine ältere Generation in das Grab sinken, eine frischere jüngere die Tribüne besteigen sehen. Was aber unter Kämpfen groß geworden, das ist kein schwaches Rohr, das dem ersten Sturme sich wieder beugt, das ist ein fester Eichstamm worden, der seinen Platz nicht verläßt. So können wir getrost der Zukunft entgcgenschen, und die weitere Verfechtung den erleuchteten Staatsmännern und den tapferen Vertheidigern überantworten. Von diesem südwestlichen Grenzhorte Deutschlands wendet sich unser Blick auf den nordöstlichen hin. Warum hebt sich unser Herz nicht auch da leicht und froh empört warum fühlen wir uns da von so eisigem Hauche angeweht, der den Pulsschlag freudiger Hoffnung erstarrt? Preußen ist es, das seit dem 11. März 1812 in der Angelegenheit der Juden gesetzgeberisch stehen geblieben, und in diesen 44 Jahren um keine Linie vorgerückt ist? — stehen geblieben? nicht vorgerückt? — fürwahr das