Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 10 (1846)
- Issue
- Heft 33 (10.8.1846)
- Date
- 1846-08-10
- Page
- Seite 477 (sequence 5)
- Language
- German
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477 bei dieser beabsichtigten Einführung erhoben! Der Vorstand wollte ihnen bei einer Zusammenkunft das Ekelhaste eines solchen Leichenbegängnisses, welches das Gefühl beleidigt und die Menschheit entwürdigt, begreiflich machen; doch vergebens. Man machte eine große Autorität, das Klirr onb n'S» ->sv, geltend, das von einer Katastrophe, die eine Stadt, in welcher der furchtbare Frevel der Errichtung einer neuen Todtenbahre stattfand, traf — erzählt«, wie eine Menge Menschen unmittelbar nach diesem Ereignisse daselbst starben, und erst nach vielem Fasten und Kasteien gelang es, den erzürnten Würgengel zu besänftigen und ihm die Opfer zu entreißen; daher wäre es hier sehr gefährlich und das Leben der Gemeinde auf's Spiel gesetzt, die uralte Leiter wegzuschaffen und eine neue Bahre einzuführen. Dieser Absurditäten ungeachtet wurde die neue Bahre bei den Leichenbegängnissen doch eingeführt; und siehe da! der Todesengel machte den kleinmüthigen Frömmlern ein Schnippchen; nach der ersten Benützung der Bahre stellte er seine Funktionen ganz und gar ein, und es starb gerade Niemand eine geraume Zeit nachher, worüber sie nicht wenig beschämt waren. Man vernimmt, daß diese Leute, die Chasidim mit den fanatischen Talmudisten eine Allianz geschlossen habe, um die Errichtung einer geregelten deutsch-israelitischen Schule zu Hintertreiben und alle finsteren Machinationen ausbieten, dieses gute Werk zu vereiteln. Allein hoffentlich wird die h. Regierung die stupiden Manövers dieser Leute durchsehen, verwerfen, und die Kreirung di^er so nothwendigen Schule bestätigen. Rühmliche Anerkennung verdient die Theilnahme und das geneigte Interesse des hochherzigen Gubernialraths und Kreishauptmanns v. Kratter zu Stry, welches derselbe, seinen Grundsätzen, das Gute und Edle in seinem Kreise zu fördern, entsprechend, den zu errichtenden Anstalten in dieser Gemeinde angedeihen läßt, um deren Realisirung herbeizuführen. Dem Herrn Gubernialrath würdig zur Seite stehend, und ein edles Organ desselben, ist der Herr Kreiskommiffar v. Babor, welcher eben für die Gründung des Spitales und der Schule in der Gemeinde Bolechow die wärmste Sympathie bewährt, und mit wahrer Energie diese gemeinnützigen Institutionen in's Dasein zu fördern sich bestrebt; es sei daher dem rdelsinnigen Herrn v. Babor der öffentliche Dank zu Theil. Unter der Protektion dieser erleuchteten Herren hofft man, die unter so schwierigen Auspizien vom Vorstande begonnenen Arbeiten vom besten Erfolge gekrönt zu sehen. Auch wird dem edeln Herrn Baron S. v. Rothschild aus Wien der Dank hiemit öffentlich ausgedrückt, welcher, seinen wohlkhätigen Grundsätzen, wo die leidende Menschheit um Hülfe ruft großartig zu spenden, treu, auch den Ruf des Vorstandes gedachter Gemeinde zur Unterstützung des Spitalbaues nicht unberücksichtigt ließ, und denselben mit einem bedeutenden Beitrag beehrte. Nicht minder verdient das loyale Benehmen des dortigen christlichen städtischen Ausschusses öffentlich anerkannt zu werden, welcher über jede Intoleranz und Vorurtheil sich hinwegsetzte, und auf das menschenfreundliche Auffordern des Herrn Kreiskommissärs v. Babor der Unterstützung des Spitalbaues einen Beitrag aus der Kommunalkasse mit 500 Fl. K. M. widmete, welche Subsidie, von den h. Behörden bereitwillig bestätigt, bereits in die Spitalkasse floß. Man giebt sich auch der Hoffnung hin, daß der städtische Ausschuß seinen toleranten Gesinnungen entsprechend, in dem von der h. Landesstelle gestellten Anträge, für die fernere Subsistenz des Spitales aus der Kommunalkasse 100 Fl. K. M. jährlich fließen zu lassen, einwilligen werde, um so das Band der Eintracht und des Einverständnisses beider Gemeinden zum Wohle der Stadt fester zu knüpfen und zu befestigen. Heuer soll nun eine neue Vorsteherwahl bei der Gemeinde Bolechow, die stets ex officio geschieht, stattfinden, und man zweifelt sehr, ob sich der gegenwärtige Vorstand, bei dem Widerstande, den ein Theil der Gemeinde allen guten und nützlichen Einführungen entgegensetzt, und bei den sonst mit der Gemeindclcitung verbundenen Mißbräuchen bei Rekrutenstellung u. dgl. — sich weiter auf das nächste Tricnnium erhalten wird; es wäre daher zu wünschen, daß das löbl. Kreisamt diese Hindernisse auS dem Wege räume und keine solchen Subjekte an die Spitze der Gemeinde stelle, die gern Alles, was bis nun errungen und erstrebt wurde, über den Haufen geworfen hätten. Deutschland. München, 17. Juli. Für die Stimmung der verschiedenen Skaatsinstanzen in Baiern ist die Kenntniß folgendes Artikels der D. A. Z. wichtig.