Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 10 (1846)
- Issue
- Heft 33 (10.8.1846)
- Date
- 1846-08-10
- Page
- Seite 475 (sequence 3)
- Language
- German
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Paris, 20. Juli. (l'Univ. isr.) Der Vizepräsü>entdes Zintkalkorssistoriums, Prof. Franst, und dir Sekretär Munk begeben sich »ach Metz, um dje Ralbbinerschule zu inspiziren. (Obgleich das reformistische Zirkulär des Zentraikonsistoriums ss. No. 24] viele Gegner gefunden, z. B. eine Adresse mit 1800 Unterfchriften im Elsaß, so scheint doch das neue Zentralkonsistorium sich kräftig der Angelegenheiten des französischen Judenthums anzunehmen, und wird vielleicht für dieses eine neue Aera anheben.) — Das Zentralkonsistorium will sich bei dem neuen Papste für die Juden des Kirchenstaats verwenden. Oesterreich. Preßburg, 27. Juli. Durch ein k. k. Schreiben ist unterm heutigen die freie Ablösungs-Bewilligung der jüdischen Tolcranztaxe angenommen worden, so daß cs nach Verlauf von fünf Jahren in Ungarn keine besondere Judensteuer mehr geben wird. Die Judenschaft in Ungarn verpflichtet sich, für die aufzuhebende Toleranzsteuer eine Entschädigungssumme von 1,200,000 Fl. K. M. zu zahlen. Prag, 24. Juli. Auch in Böhmen soll 7 Jahre hintereinander vom Jahre 1847 an jährlich 1ji der Judensteuer Wegfällen, so daß sie mit 1853 ganz aufhört. Die allerhöchste Verfügung lauter: „Se. k. k. Majestät haben mit allerhöchster Entschließung vom 22. Juni d. I. sich in Gnaden bewogen gefunden, die sukzessive Auflassung der besondern Judensteuer, und zwar vor der Hand zunächst für Böhmen, in sieben gleichen, mit dem Verwallungsjahr 1847 beginnenden Jahresraten zu genehmigen, und zugleich allergnädigst zu gestatten, daß jedem Kontribuenten und ganzen Gemeinden die Befugniß eingeräumt werde, sich mit einem Male durch die Entrichtung dessen, was ihnen zu leisten obliegt, von der sie treffenden Besteuerung frei zu machen. Ueber den Vollzug dieser allerhöchsten Entschließung, insbesondere über die Vertheilung der jährlichen Nachlaßquote auf die einzelnen in Böhmen bestehenden Judensteuern, und die für allenfällige sogleiche individuelle Ablösungen der Steuerfchuldigkeit festzusetzenden Bestimmungen hat das Gubernium seinen gutachtlichen Antrag mit aller Beschleunigung, und zwar längstens bis 15. Aug. d. I. hierher zu erstatten, da weitere Vernehmungen dabei ohnedies entbehrlich sein dürften, und wenn sie dennoch nothwendig erkannt werden sollten, durch den Weg der kommiksionellm Verhandlungen wit der Vermeidung eines Aufschubes erzielt werden können." Köritfchau, 12. Juli. (Privatmitth.) Bei der feierlichen llebergabe dieser Herrschaft an ihren nunmehrigen Herrn, den Baron v. Rothschild, wurden die Armen der Herrschaft ohne Unterschied des Glaubens mit 1000 Fl. K. M. beschenkt, allen unbemittelten Restanten ihre Rückstände, den Bauern sämmtliche Robbothreste erlassen. In einer solennen Rede wurde den sämmtlichen Unterthanen der Herrschaft, sowol Israeliten als Nichtisraeliten, empfohlen, jede Religionsgehässigkeit aufhören zu lassen, und in innigster Eintracht zusammenzuleben. Eperies, 16. Juli. (Privatmitth.) Am hiesigen evangel. Kollegium hält der Dr. Schiller seit einem Jahre gratis Vorlesungen über Hebraica. Am Schlüsse derselben haben ihm seine Hörer eine Dankadresse votirt, die er angemessen beantwortete. Aus Ungarn, 25. Juli. (Privatmitth.) Am Sabbat Nachmu sollte Herr Rabbiner Löw bereits sein neues Rabbinat in Papa antrelen; da aber von 500 Gemeindemirgliedern nur 27 ihn gewählt und berufen, die anderen aber Alle gegen ihn waren, und über diesen beispiellos anmaßenden Gewaltstreich der unbedeutenden Minorität höher» Orts Klage führten, so wurde durch einen Befehl der h. Statthalterei die Wahl annullirt. Bon der galizischen Grenze, im Juli. (Privatmitth.) Was soll ich Ihnen von Galizien schreiben? Erfreuliches laßt sich wenig vernehmen; hier ist noch immer der alte Wust, sowol in intellektueller, als in materieller Beziehung, Letargie hält unsere Glaubensgenossen ganz umschlungen, ohne sie zur Besinnung kommen zu lassen; die Massen häufen sich, und das Bischen Gewerbe und Handel reicht nicht hin, Allen hinlängliche Beschäftigung zu verschaffen, wodurch der Pauperismus Hierlands so gräßliche Fortschritte macht. Niemand kümmert sich darum, die Lage dieser Unglücklichen zu verbessern, sie der Agrikultur, dem Handwerksstande und anderen